Kein Ende für politisches Engagement

„Scheitern, besser scheitern, weitermachen ..." 

24.01.2012, 16:06 von Cornelia Sperling

Können Sie sich schon vorstellen, welches politisch-gesellschaftliche Engagement zu Ihnen im Alter passt? Ich bin mir noch nicht sicher, zurzeit gucke ich mich einfach mal neugierig um. Zwei Frauen, deren Engagement ich toll finde, sind Rita Süssmuth, 74 Jahre, und Gisela Notz, 69 Jahre.



Rita Süssmuth, die ehemalige Bundestagspräsidentin, hat sich kürzlich wieder in die frauenpolitische Diskussion geworfen und die parteiübergreifende Berliner Erklärung für die Quote unterstützt - „Das sind wir uns Frauen schuldig".

Eingreifen vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Erfahrung

Neben der Frauenpolitik beeinflusst Rita Süssmuth noch die Themen Einwanderungsland Deutschland und Migration, alles Bereiche, die langen Atem brauchen. Und da ist sie mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung einfach klasse, wie sie Veränderungen klar benennt und sich dafür einsetzt. Langen Atem bei Überzeugungsarbeit hat sie sich erarbeitet: „Wir haben bei der Vergewaltigung in der Ehe 25 Jahre gebraucht, um das Gesetz durchzubringen." Als ihren Grundsatz nennt sie einen Spruch von Samuel Beckett: „Scheitern, weitermachen, noch mal scheitern, besser scheitern, weitermachen." (Zitate aus der Tageszeitung vom 28.12.11)
Ich kann mir vorstellen, dass es sie zufrieden macht, weiterzumachen und ihr Lebenswerk abzurunden. Gleichzeitig macht mich ihr Arbeitspensum mit 74 Jahren etwas schwindelig.

„Mir geht es darum, meinen Erfahrungsschatz weiterzugeben"

Ähnlich aktiv ist Gisela Notz, 69 Jahre, die ich kürzlich im Beginenhof Berlin besuchte. Ich kenne sie schon lange als politisch sehr aktive, quirlige Frau. Als Historikerin und Sozialwissenschaftlerin hat sie schon immer verschiedene Themen bearbeitet: Frauenpolitik, Ehrenamt, alternatives Wirtschaften und historische Frauenforschung. 2010 veröffentlichte sie das Buch „Theorien alternativen Wirtschaftens: Fenster in eine andere Welt", 2011 eine knackige Einführung zum Thema „Feminismus".

Ihr wird die Bude eingerannt, um sie für Vorträge und Podien zu engagieren. „Ich hab beinah mehr Arbeit als vorher", rutscht ihr raus. „Ja, und warum sagst du nicht einiges ab?", frage ich sie. „Ich wähle schon aus, bei welchen Vorträgen ich zusage. Und ich gehe auch nicht auf jedes Podium - mit einigen Menschen habe ich einfach keine Lust mehr zu diskutieren. Mir geht es darum - und das ist sehr befriedigend -, meinen Erfahrungsschatz weiter zu geben."

Ich denke mir: Gisela lebt ein interessantes Modell - die Themen, zu denen sie kompetent ist (und die ihr noch Spaß machen), weiterzuentwickeln, und sich darauf zu konzentrieren, wie sie gezielt Veränderungen bewirken kann. Und ich denke: Spitze, dass viele Ältere weiter frauenpolitisch aktiv sind! Gerade in diesem Bereich, in dem man sich an strukturellen Veränderungen schnell die Zähne ausbeißen kann, sind intelligente Frauen mit Erfahrungen und Weitblick ein Gewinn!

Kennen Sie weitere Modelle politisch-gesellschaftlichen Engagements, mit 60plus?

 






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30.01.2012, 21:20
Jenison Thomkins
Hallo Frau Sperling ich kann Ihnen Ingrid Mölders sehr empfehlen, mit über 70 immer unterwegs, mit ihrem Malermann, so wie jetzt auf Weltreise. Und sie hat maßgeblich zum "Kölnpfad"- Projekt beigetragen, incl. Song! Und liebt Karneval mit ausgefallenen Kostümen! Herzlich Jenison Thomkins

29.01.2012, 18:25
Johanna R.
Ich bin in einem Verein aktiv im Vorstand und weiß, dass für Frauenrechte noch viel getan werden muss. Eine jüngere Frau sagte mir kürzlich, dass sie es toll findet, dass ich als Ältere so verlässlich und konsequent arbeiten kann, während ihr Leben oft so strubbelig ist, dass sie es nicht schafft, kontinuierlich politisch aktiv zu sein.

29.01.2012, 12:30
Rosely Schweizer
Es gibt kein Alter das nicht in irgendeiner Weise von der Politik beeinflusst wird,daher müssen wir uns auch in jedem Alter einmischen in die Politik.Der direkteste Weg und der mühsamste geht über eine Partei.


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Was machen die Frauen über 60, die noch Lust auf Arbeit haben - arbeiten sie weiter wie bisher? Fangen sie was Neues an? Was bedeutet für sie Ruhestand? Was können sie (sich)  leisten? Verwirklichen sie alte Träume?
Ich bin mit 61 Jahren mitten drin in diesem spannenden Prozess. Ich weiß von meinen angestellten Freundinnen, dass sie ab 60 ihre Arbeit am liebsten zum Mond schießen würden. Dagegen scheinen sehr kreative Menschen wie Künstlerinnen gar keine Altersgrenze für Arbeit zu kennen.
Ich möchte gern mehr über die Schritte anderer selbständiger Frauen erfahren, die Arbeit und Gestaltungsmacht auch mit 60 noch lieben und sich nicht in das traditionelle weibliche Rollenmodell von Pflege- und Enkel-Arbeit, Bescheidenheit und Seniorenkino einfügen. Meine Neugier auf ihre Erfahrungen speist diesen Blog.

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