Im Moment hasse ich rosa  

Geschlechtsstereotypes Lego und rosa Rollatoren 

27.02.2012, 12:39 von Cornelia Sperling

Mein kleiner Enkel (5 J.) mag kein Mädchenspielzeug. Er liebt Kämpfen in allen Varianten und fand es ‚cool', dass ihm seine Omas neue ‚Ninjago'-Kämpfer mitbrachten, die mit den drei Waffen und dem ‚Spinner' zum Drehen. Im Kaufhaus machte ich auch Bekanntschaft mit der neuen Mädchen-Serie von Lego.



Vier Jahre wurde von Lego geforscht, was Mädchen gerne spielen. Das Unternehmen will im Markt für Mädchenspielzeug eine größere Rolle spielen. Ergebnis: Der Lego-Katalog 2012 hat fünf rosa-lila Seiten mit fünf Mädchen (‚Friends'), die sich im Schönheitssalon, im Café, in der Tierklinik, im Cabrio und im Traumhaus verwirklichen. Hallo? Für mich ist so eine Auswahl Indoktrination: Mädchen, werdet Hausmuttis, kümmert euch um eure lockigen Haare und legt euch auf die Sonnenterrasse! Jetzt soll mir niemand damit kommen, dass es einen Karton mit Olivias „Ideenwerkstatt" gibt, sogar mit Werkzeug.

Nicht nur die Mädchen werden eingeschränkt. Schrecklich finde ich auch, dass kleine Jungen nicht nur Aversion gegen Mädchenspielzeug - O-Ton Enkel: „Das ist nix für Jungs" -, sondern gegen Mädchen generell entwickeln. Volle Fahrt voraus in Richtung altmodischer Geschlechterstereotypen! Auch eingedenk der Tatsache, dass es stark geschlechtsbezogene Phasen in der Identitätsentwicklung kleiner Kinder gibt.

Vielleicht wäre das ein Betätigungsfeld für feministische Omas, sich Guerilla-Aktionen gegen rosa Mädchenspielzeug auszudenken... Ich weiß, ich weiß, das ist Kampf gegen Windmühlenflügel.

Dann der Schock nach dem Enkelwochenende: ich schlage die Zeitung auf und blicke im Lokalteil auf den Bericht über eine kreative Seniorinnen-Werkstatt. Voller Stolz wird als Ergebnis präsentiert: Rosa angemalte Rollatoren mit Blümchen.

 

 






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04.03.2012, 09:33
Ursula Fritzle
Das finde ich auch nicht schlecht: Das sonntagmorgendliche öffentlich-rechtliche TV für Kinder zeigt eine Dinosaurierfamilie oder vielleicht waren es auch Schildkröten? Dreimal dürft ihr raten, welche Farbe die Panzer und köpfe und Gliedmaßen der Dinosauriermädchen und Bübchen haben. Warum also was ändern, wenn die Tradition schon sooo alt ist :-)

02.03.2012, 09:19
Lore Reß
An vielen Stellen wird dieses verstaubte Rosa/blau-Denken wieder ausgegragen, Schlimm, dass nun auch Lego auf diese Verkaufsmasche abfährt. Noch schlimmer, dass es die Frauen sind, die diesen Mist kaufen. Die Spitze dieses Eisberges stellt für mich aber dieses Projekt dar: http://www.pons.de/deutsch/schule/vorschule_grundschule/3-12-561648-4/ Pons bietet geschlechtergetrennt Übungsbühcer für die Grundschule an!!

27.02.2012, 15:44
Kareen Armbruster
Wunderbar! Mehr von diesen Beobachtungen und Kritik an rosa-sozialisiertem Mädchen-Frauenleben. Rosa heißt lieb, rosa heißt harmlos (nicht zufällig gibt es angeblich in den USA einen Knast, in dem aggressive Männer in einen rosa Raum gesperrt werden). Auch ich habe schon angeekelt-empörte Jungenkommentare auf die Zumutung "rosa Spielzeug" gehört: Ich bin doch kein Mädchen!!" Welch Herabsetzung! Es ist schier ungeheuerlich, wie finsterste Stereotype in jedem Spielzeugladen noch in 2012 täglich vieltausendfach neu installiert werden. Und das schlimmste: Es heißt dann immer: Die Mädchen wollten das so! Ja kein Wunder. Sie werden ja schon ab Geburt hirnweichgespült und haben dann dann tatsächlich das Gefühl: Rosa=was für mich. Kreative Farbguerilla ist gefragt! Noch bin ich lang nicht reif für den Rollator - aber meiner wird blau! Und bis dahin: Rosa für die Buben.


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Was machen die Frauen über 60, die noch Lust auf Arbeit haben - arbeiten sie weiter wie bisher? Fangen sie was Neues an? Was bedeutet für sie Ruhestand? Was können sie (sich)  leisten? Verwirklichen sie alte Träume?
Ich bin mitten drin in diesem spannenden Prozess. Ich weiß von meinen angestellten Freundinnen, dass sie ab 60 ihre Arbeit am liebsten zum Mond schießen würden. Dagegen scheinen sehr kreative Menschen wie Künstlerinnen gar keine Altersgrenze für Arbeit zu kennen.
Ich möchte gern mehr über die Schritte anderer selbständiger Frauen erfahren, die Arbeit und Gestaltungsmacht auch mit 60 noch lieben und sich nicht in das traditionelle weibliche Rollenmodell von Pflege- und Enkel-Arbeit, Bescheidenheit und Seniorenkino einfügen. Meine Neugier auf ihre Erfahrungen speist diesen Blog.

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