Wie kommt frau an attraktive bezahlte Arbeit mit 60plus?

Antwort: Gar nicht so einfach!

27.04.2012, 17:18 von Cornelia Sperling

Eine pensionierte Baudezernentin aus Essen erzählte mir bei einer Party, dass sie vor ihrem Ausscheiden viele Vorbereitungen für interessante Arbeiten im ‚Ruhestand' getroffen hat. Sie ist total zufrieden, dass sie jetzt in Europa herumreisen kann, als gefragte Rednerin und als Vorstandsfrau eines Verbandes.
Meine Freundin Susanne in München ist nicht so zufrieden. Sie ging vor anderthalb Jahren in Altersteilzeit und zählte auf Honoraraufträge ihres Arbeitgebers. Die kommen aber nicht.



Ich wollte wissen, warum sich Susannes Wunsch nicht erfüllt hat. Sie war sich im letzten Jahr noch ganz sicher, dass sie den einen oder anderen Auftrag bekommen würde, denn für einige dringende Arbeiten gab es keine Personalkapazitäten bei ihrem Arbeitgeber und spätestens im Herbst sind jedes Jahr erfahrungsgemäß Gelder übrig - deshalb haben Honorarkräfte dann grundsätzlich gute Chancen. „Ich habe mehrfach angeboten, dringende Arbeiten zu übernehmen, aber ich kann doch meinen ehemaligen Chef nicht dauernd anrufen und nachfragen", war Susannes Argument, als ich kritisch fragte, was sie denn für ihre Interessen getan hätte.

Wie machen es die anderen?

„Weißt du denn was darüber, wie es die anderen machen?" fragte ich. Ein Kollege, der ein Jahr vor in Rente ging, stieg sofort in eine kleine Firma ein. Die bekam dann Aufträge für sein Spezialgebiet, die von ihm abgearbeitet wurden - bezahlt natürlich. Susanne hat sich jetzt erst mal an einem Buchprojekt beteiligt, für das sie die Fotos beisteuerte - es hat ihr total Spaß gemacht. Wenn das Buch in den Handel kommt, erhält sie einige Cent pro verkauftes Exemplar.

Ich denke, dass das Thema „Wie kommt frau an attraktive bezahlte Arbeit mit 60plus?" deshalb schwierig ist, weil es ein strukturelles, ein genderspezifisches, ein fachliches und außerdem ein individuelles Thema ist. Vielleicht ist es sinnvoll, dass nicht jede allein die Probleme schultert, sondern dass wir uns darüber austauschen. 
Mit Andrea Blome plane ich, ein erstes Diskussionsforum zu „Arbeiten Träumen Älterwerden" am 21. Juni in Münster zu gestalten. Ich bin gespannt, was sich dabei entwickelt! Genauere Infos kommen bald.






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11.05.2012, 14:57
Berit Krüger
Mein Eindruck ist: Welche in einem hochqualifizierten Job arbeitet, hat es leichter, interessante Aufträge für den Zeitpunkt nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben vorzubereiten. Ich meine z.B die Professorin, Autorin oder Dezernentin. Welche dagegen im mittleren Qualifikations-Bereich arbeitet, muss einiges tun. Mit welchen Kompetenzen ist sie gefragt, die nicht gleich volle Konkurrenz zu den Jüngeren bedeuten? Ich finde es gut, dass über Erfahrungen und Strategien für die Mehrheit diskutiert wird.

05.05.2012, 14:06
Dorothea Linnenbrink
Ist ein spannendes Thema, hab mir den Termin in den Kalender eingetragen und würd mich freuen Sie wieder zu sehen :) Ich denke wir Frauen können noch viel von den Männern lernen und die von uns.

28.04.2012, 21:45
Birgit F. Unger
Ja, komisch nicht?! Da wundern sich die Frauen, dass sie nicht berücksichtig werden. Warum wird ihre Komptenz nicht angenommen? Wie wär's mit ein bisschen mehr Strategie, meine Damen? Warum kriegen die Männer in jeder Lebenslage noch eine Unternehmensgründung hin, während die Frauen auch mit 60 noch aufs Entdecktwerden warten? Ich weiß, das ich böse. Aber, ich mit heute 50 Jahren, möchte in 10 Jähen woanders stehen.


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Was machen die Frauen über 60, die noch Lust auf Arbeit haben - arbeiten sie weiter wie bisher? Fangen sie was Neues an? Was bedeutet für sie Ruhestand? Was können sie (sich)  leisten? Verwirklichen sie alte Träume?
Ich bin mit 61 Jahren mitten drin in diesem spannenden Prozess. Ich weiß von meinen angestellten Freundinnen, dass sie ab 60 ihre Arbeit am liebsten zum Mond schießen würden. Dagegen scheinen sehr kreative Menschen wie Künstlerinnen gar keine Altersgrenze für Arbeit zu kennen.
Ich möchte gern mehr über die Schritte anderer selbständiger Frauen erfahren, die Arbeit und Gestaltungsmacht auch mit 60 noch lieben und sich nicht in das traditionelle weibliche Rollenmodell von Pflege- und Enkel-Arbeit, Bescheidenheit und Seniorenkino einfügen. Meine Neugier auf ihre Erfahrungen speist diesen Blog.

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