Die Rollenunterschiede bewusst machen

Warum manche Selbstständige nicht Unternehmerinnen werden können

02.09.2010, 14:22 von Angelika Kindt

Spätestens beim Eintrag von XING fällt uns auf: Unternehmerin oder Selbstständig. Was trage ich denn dort ein? Und dann beginnt das große Nachdenken.



Ist denn nicht jede Selbstständige auch Unternehmerin? Ich denke nicht.

Selbstständige möchten am liebsten alles selbst machen, sie vermeiden Risiken, sehen ihren Beruf als Berufung an. Geld bietet nicht nur Sicherheit, sondern ist wertvoller als Zeit. Wichtig ist ihr die fachliche Weiterbildung. Sie scheut Risiken bzw. versucht diese zu vermeiden.

Die Sichtweise der Unternehmerin: für sie ist das Geld eine Investitionsmöglichkeit, Geld wird eingesetzt um Zeit zu sparen (also auch um Fachwissen einzukaufen oder auch Arbeiten zu delegieren), sie sieht ihre Mitarbeiter als bessere Fachkräfte an, ihre eigene Kraft nutzt sie, das Unternehmen voran zu bringen. Wichtig ist ihr die persönliche Weiterbildung (soziale Kompetenz) und Risiken werden als Stufen auf dem Erfolgsweg erlebt.

Und wie ist das bei Ihnen? Als was treten Sie auf? Was sind Sie?
Bezeichnen Sie sich als Selbstständige oder als Unternehmerin? Und warum?

 

www.iakkindt.de






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04.09.2010, 13:26
Ulrike Bergmann, Die Mutmacherin®
Dieser Beitrag impliziert, dass es eine Selbständige \"selbst und ständig arbeitet\", ganz wie das alte, von Männern aufgestellte Klischee. Doch es gibt heute auch viele Einzel-UnternehmerInnen, die sich sowohl - als auch sehen: Einerseits freudig alleine in der Selbständigkeit unterwegs und andererseits auch unternehmerisch denkend und handelnd. Ganz im Trend der Zeit, da nicht mehr in Schubladen gedacht wird, sondern ganz neue Kombinationen entstehen. Vielfalt eben :-)

03.09.2010, 23:56
Elsa Willig
Sehr geehrte Frau Kindt, es macht keinen Spaß, auf suggestive Fragen Antworten zu sollen. Und es macht keinen Freude, in Ihren wenigen Sätzen so viel subtil Wertendes zu lesen. Mit Sicherheit gibt es Unterschiede zwischen den Themen Selbstständigkeit und Unternehmertum. Die eine sichert ihr Ziel, wenn sie es erreicht hat und damit in Einklang leben und arbeiten kann, und sie ist ihre eigene Chefin, mit allen Kompetenzen, die das erfordert; die andere setzt sich immer wieder insbesondere im Bereich Wachstum neue Ziele (richtig: Sie hat i.d.R. MitarbeiterInnen!), oft unter Einsatz von Geld und viel Zeit. Es sind unterschiedliche Konzepte, die aber beide Kompetenz, Mut und Kooperation erfordern. Die Zuordnung fachlicher Weiterentwicklung zur einen Seite und persönlicher-sozialer zur anderen führt in dieser Diskussion nicht weit.

03.09.2010, 12:06
Anja Baier
Ich bezeichne mich voll Stolz als Selbstständige - und wehre mich seit Jahren dagegen, aus meiner "One-Women-Show" ein "richtiges" Unternehmen zu machen. Anfragen gäbe es genug, gute Geschäftspartner oder Mitarbeiter zu finden, wäre kein Problem - aber ich will einfach nicht. Bin ich deshalb also risikoscheu? Nein, so würde ich mich nicht beschreiben. Der Hauptgrund, warum ich keine "Unternehmerin" sein will, ist der, dass damit Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten entstehen. Was mich an der Selbstständigkeit ursprünglich gereizt hat, ist die enorme Flexibilität und Unabhängigkeit: Ich bin ganz allein für mich selbst und mein eigenes Handeln verantwortlich, ich muss bei meinen Entscheidungen auf niemanden Rücksicht nehmen und keinem gegenüber Rechenschaft ablegen. Diese Freiheit aufzugeben bin ich nicht bereit, nicht um alle Geschäftserfolge oder Wachstumschancen dieser Welt! Wenn das also "risikoscheu" sein soll - bitte, dann nennt mich eben "risikoscheu"! PS: Falsch ist auch, dass bei Selbstständigen Geld angeblich wichtiger ist als Zeit - das Gegenteil ist der Fall! Wenn z.B. keine eiligen Termine drängen, die allgemeine Auftragslage stimmt oder einfach nur die Sonne scheint, dann gebe ich mir frei - mich hindern keine Angestellten, Meetings oder feste Büropflichten, diese selbstverordnete Freizeit zu genießen!


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Jede Existenzgründung ist mit einem Rollenwechsel verbunden und der hat viele Facetten. Wenn sich die berufliche Identität verändert, ist ein ganzes Leben in Bewegung. Zum Gründerin-Werden braucht frau Zeit. Um Idee und Konzept zu überprüfen, aber auch um Antworten zu finden auf die Fragen: Wer werde ich denn sein als Unternehmerin? Und auch das Hinweinwachsen in die Unternehmerinnen-Rolle ist ein Prozess, der sich in kaum einem Business-Plan abbilden lässt. Angelika Kindt berichtet in ihrem Blog aus ihrer Beratungs-Praxis, von Begegnungen und Ideen. Sie gibt Anstöße, um in neue Rollen zu finden.

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