Ein Plädoyer für krumme Lebensläufe

... und Gründungen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften

29.09.2009, 17:18 von Sarah Eberhard

"Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren", sagte Angela Merkel in ihrem Wahlwerbespot. Um vorab eines klarzustellen: Es geht hier nicht um eine Bewertung der Wahlergebnisse vom vergangenen Sonntag, sondern um Folgendes: Nicht alle Politiker haben Politikwissenschaft studiert. Kann man sich also auch mit dem eigenen Unternehmen in der Wirtschaft behaupten, ohne Wirtschaft studiert zu haben?



Kannst du nicht was Vernünftiges studieren?! Was willst du denn damit anfangen? Geistes- und Sozialwissenschaftler kennen diese besorgten bis vorwurfsvollen Fragen von Eltern oder anderen, die es "gut meinen". "Was Vernünftiges" bedeutet natürlich Jura, Medizin oder BWL. Diese besorgten Menschen verstehen nicht, dass man vorderasiatische Altertumskunde aus echtem Interesse studiert, aus Neigung, vielleicht mit dem Ziel, etwas zu verändern.

Die lästige Frage nach dem Danach

Mit steigender Semesterzahl allerdings tritt irgendwann wieder diese lästige Frage nach dem Danach auf den Plan. Man stellt sie sich nun auch selbst, denkt vielleicht sogar in einer dunklen Stunde für den Bruchteil einer Sekunde, diese Menschen, die es "gut meinen", haben auch irgendwie Recht - natürlich ohne das jemals offen auszusprechen!

Das manchmal Schwierige am geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studium ist aber auch ein großer Vorteil: Wer nicht von vornherein nur auf eine bestimmte Richtung zielt, ist flexibel und kann sich in verschiedene Arbeitsbereiche eindenken. Was man über die sozialen und politischen Verhältnisse im Alten Orient gelernt hat, ist bestimmt auch übertragbar auf eine Tätigkeit in der westeuropäischen Gegenwart. Vielleicht als Beraterin. Vielleicht freiberuflich.

Den roten Faden selbst spinnen

Die Option der beruflichen Selbstständigkeit ist auch bei nicht ganz klassischen Lebensläufen interessant. Verschiedene Erfahrungen und berufliche Stationen kann man am allerbesten selbst mit dem roten Faden bündeln, den ein Personaler in einem Einstellungsverfahren möglicherweise gar nicht sieht. Häufig erwirbt man sich gerade durch eine ganz bestimmte Kombination von Fächern und Seminaren den spezifischen Kompetenz- und Wissensmix, der später den entscheidenden Unterschied zur Konkurrenz ausmacht.

Keine Angst vor Zahlen!

Zugegeben: Ganz ohne Zahlen geht's nicht. Schließlich soll die selbstständige Arbeit Früchte tragen, von denen man leben kann - und dafür muss man wissen, wie und wann man diese Früchte am besten ernten sollte. Auch bei Kreditverhandlungen mit der Bank macht es sich gut, ein paar Fachbegriffe aus der Finanzwelt parat zu haben.

Aber diese "hard facts" sind kein Hexenwerk. Man kann sich auf vielen Wegen schlau machen. So bieten beispielsweise Hochschulen, Wirtschaftsförderer und einige andere Einrichtungen Qualifizierungsveranstaltungen für Gründerinnen und Gründer an. Und für spezielle Fragen, beispielsweise in Steuerangelegenheiten, kann es auch sinnvoll sein, einen Experten oder eine Expertin zu Rate zu ziehen.

Politiker lassen sich schließlich auch beraten. Vielleicht demnächst von einem vorderasiatischen Altertumskundler.






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Wie lange muss ich beruflich schon „fest im Sattel“ sitzen, bevor ich mich mit meiner Geschäftsidee selbstständig mache? Gar nicht. Regina Ahrens und Mareike Knue sind davon überzeugt, dass Gründungen während des Studiums oder direkt im Anschluss daran in vielen Lebenssituationen sinnvoll sind. Vielleicht sind Studenten sogar die besseren Unternehmer? Denn wer studiert, ist es meist gewohnt, sich selbst zu organisieren und vor allem zu motivieren. Außerdem: Wer schon im Studium sein eigener Chef ist, sammelt wichtige Berufs- und Lebenserfahrungen und kann nebenbei auf den Kellnerjob verzichten. Aber wie genau wagt man sich an das Thema heran? Welche weiteren Vorteile bringt eine berufliche Selbstständigkeit für Studierende? Hier gibt es Antworten auf diese und andere Fragen.

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