Gehen Sie zur Scheiterberatung?

Was tun Sie, wenn Stagnation oder Schlimmeres droht?

26.11.2009, 18:19 von Anke Dinsing

An wen würden Sie sich eher wenden? An eine Karriereberaterin oder an eine Scheiterberaterin (wenn es die gäbe)? Hand aufs Herz - oder an den Kopf! Aber warum eigentlich?



Karriere bedeutet doch immer: Ich will weiter, weiter nach oben. Dafür strenge ich mich an, setze mich ein, bilde mich weiter, passe mich im richtigen Moment an, trete im richtigen Moment auf die Bühne. Hierfür bin ich bereit Geld auszugeben, damit ich es richtig mache. Karriereberatung muss her.

Aber was ist, wenn „es" nicht klappt, es nicht weiter nach „oben" geht, sondern Stagnation oder Schlimmeres droht?

Ich erinnere mich an eine Broschüre mit Seminarangeboten für Studierende und zukünftige Akademiker mit einem unglücklichen Logo: Eine Zeichnung mit einer Treppe nach oben, die zu einer Tür führt und dahinter ist - nichts, nur unangenehme Fallhöhe.

Auch wenn das mit Sicherheit nicht die ursprüngliche Absicht war solches zu vermitteln, zeigt das Bild dennoch sehr klar, dass Aufstieg auch ins Leere oder zum abrupten Absturz führen kann.

Scheitern! Kann jeden treffen. Plötzlich und unerwartet, viel zu früh, in der Blüte des Leben.

Sie erkennen es schon: Scheitern hat Ähnlichkeit mit Sterben.

Es gibt viele verschiedene Reaktionen aufs Scheitern. Wohl denen, die jetzt wirklich gute Freunde haben. Die Erfolgs-Maske abziehen dürfen, verzweifelt, wütend und traurig sein, nicht allein.

Wenn Scham, Selbstvorwürfe und Gefühle der Minderwertigkeit ausgesprochen werden und heilen können. Wenn Wertschätzung, liebevolle Ermutigung, großzügige Hilfe angeboten und angenommen werden können. Wenn Vertrauen ins Leben wieder wachsen darf.

Einer Katze sagt man nach, sie habe sieben Leben.  

Scheitern will gelernt sein, sollte gelernt werden. In den Kampfkünsten wird ganz intensiv das Fallen gelernt. Jeder Judoka weiss, dass er nicht immer auf den Füßen bleiben kann, wenn er kämpft. Und selbst wenn er diese Runde nicht gewinnt, lernt er dem Sieger die Hand zu geben. Das zeigt Respekt für die Leistung des andern, aber auch vor dem eigenen Einsatz.

Das Rad des Lebens (Fortuna) führt Irmtraud Tarr in ihrem Buch „Das Donald-Duck-Prinzip - Scheitern als Chance für ein neues Leben" vor Augen. Erwerben, besitzen, loslassen, Neues gewinnen.
Wenn ich da mitgehe, kann ich reicher werden an Erfahrung, Weisheit, Liebe. Auch wenn es weh tut.






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