„I'm happier busy"

Urlaubsblog aus dem US-Staat Mississippi

19.08.2011, 15:59 von Cornelia Sperling

Mir gefällt in den USA die leichtfüßige Kommunikation bei kurzen Begegnungen. Man kann neugierige Fragen stellen und bekommt oft eine persönliche Antwort. Dadurch habe ich auch ein bisschen was über Arbeiten und Älterwerden in den USA erfahren - die Situation scheint mir krasser und gleichzeitig flexibler.



Jill, 63 J., bekommt von ihrem ehemaligen Arbeitgeber schon seit 10 Jahren ihren „retirement-check" und hat seitdem den ersten Buchladen in der Kleinstadt aufgemacht, in der sie lebt. Sie hätte auch länger angestellt arbeiten können. Aber ihr gefällt die Lösung mit der Selbstständigkeit besser.

„Jetzt kommt die Welt zu mir"

In einer zauberhaften Bed&Breakfast-Unterkunft mit direktem Blick auf den Mississippi in Natchez begegneten wir Neil, 69 J. Er war früher klinischer Psychologe, dann Dozent für die US-Armee und hat jetzt sein Haus zur Pension umgebaut. „Ich wollte die Welt kennenlernen und war als Trainer in Asien und Europa. Jetzt lasse ich die Welt zu mir kommen." Als ich ihn frage, ob er schon ans Aufhören denkt, überlegt er kurz und sagt: „I'm happier busy - Ich bin glücklicher, wenn ich was zu tun habe."

 Mit 75 noch arbeiten (müssen)

Eirene erzählte uns in Elvis Presley's Geburtsstadt Tupelo stolz, sie sei 75 J. und würde die Arbeit im Visitorcenter 4 Std. am Tag total gerne machen. Dadurch hätte sie dauernd neue Kontakte. Uns sind viele ältere Frauen begegnet, die noch aktiv arbeiten. Einige sagten auch deutlich, dass sie dadurch den niedrigen „social-security-check" aufbessern müssten.

Haben Sie vielleicht auch Geschichten aus dem Urlaub mitgebracht oder kennen die Situation in anderen Ländern zum Arbeiten und Älterwerden? Dann freue ich mich auf Ihre Mitteilung! c.sperling@reviera.de

Tipp für's B&B in Natchez, Mississippi: www.blufftopnatchez.com






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08.09.2011, 15:17
Gabriele Schäfer
Im letzten Jahr habe ich einen älteren Herrn, deutlich über 70, kennengelernt, der sich ehrenamtlich im sozialen Bereich sehr engagierte. Ich habe dann erfahren, dass er bis zum Alter von 65 Jahren Chefarzt einer Klinik war und anschließend in sehr kurzer Zeit ein florierendes Unternehmen in der Medizintechnik aufgebaut hat. Er hatte die Kontakte, das Insiderwissen und nach der Berentung endlich die Zeit, das zu tun, was er immer tun wollte, nämlich ein Unternehmen aufzubauen. Frauen haben in der Regel eine andere Biographie, daher lassen sich die Dinge nicht 1:1 übertragen. Aber die Selbstverständlichkeit, auch mit Mitte 60 ein Großprojekt in Angriff zu nehmen, wenn man das will und gesund und belastbar ist, sollte nicht eine vorwiegend männliche Haltung bleiben. Wir alle leben länger und sind dabei gesünder und fitter als Generationen vor uns! Es ist unsere Einstellung zum Alter und seinen Möglichkeiten, die der Realität hinterherhinkt. Aber haben wir nicht auch jede Menge Phantasie und Kreativität, um Zukunft zu entwerfen? Packen wir's an!

03.09.2011, 16:31
Beate Knappe
Ich habe mit 61 mein erstes eigenes FotoStudio eröffent und finde es großartig endlich das zu tun was ich liebe, ich habe meinen Gesellenbrief als Fotografin mit 18 gemachtund 20 Jahre später mein Studium abgeschlossen. An Rente denke ich nicht sondern daran, wie ich meine Kreativit nähre.

03.09.2011, 12:41
Christa Sima
Dann klingt gut - es ist jedoch ein großer Unterschied ob ich mir in der Rente noch einen Traum erfüllen kann, oder ob ich jeden Tag Zeitungen austragen muss, oder Regale einräumen, oder mit 70 noch putzen gehen darf, damit ich mir zum Notwendigsten noch ein bisschen kleinen Luxus leisten kann.

01.09.2011, 12:45
Christiane Bär
Das ist ja eine gute Idee, sich auch im Urlaub zum persönlich aktuellen Thema umzugucken! Werde ich in Griechenland tun und dann berichten :)


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Was machen die Frauen über 60, die noch Lust auf Arbeit haben - arbeiten sie weiter wie bisher? Fangen sie was Neues an? Was bedeutet für sie Ruhestand? Was können sie (sich)  leisten? Verwirklichen sie alte Träume?
Ich bin mit 61 Jahren mitten drin in diesem spannenden Prozess. Ich weiß von meinen angestellten Freundinnen, dass sie ab 60 ihre Arbeit am liebsten zum Mond schießen würden. Dagegen scheinen sehr kreative Menschen wie Künstlerinnen gar keine Altersgrenze für Arbeit zu kennen.
Ich möchte gern mehr über die Schritte anderer selbständiger Frauen erfahren, die Arbeit und Gestaltungsmacht auch mit 60 noch lieben und sich nicht in das traditionelle weibliche Rollenmodell von Pflege- und Enkel-Arbeit, Bescheidenheit und Seniorenkino einfügen. Meine Neugier auf ihre Erfahrungen speist diesen Blog.

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