Vom Aufhören

Gibt es den richtigen Zeitpunkt?

14.11.2011, 14:50 von Cornelia Sperling

Zum Älterwerden gehört auch der Genuss des Aufhören Könnens. Vom Zwang zum Aufhören war kürzlich die Rede, als Piloten gegen den Zwang zur Rente mit 60 klagten. Solche Unflexibilität ist doof. Aber wie lange arbeiten eigentlich die, die schon älter sind und es gerne tun? Wann ist für sie der richtige Zeitpunkt zum Aufhören?



Hannelore S., 70 J., hat mit 60 noch einen Neuanfang gewagt. Nachdem sie das metallverarbeitende Unternehmen mit Ihrem Mann verkauft hatte, startete sie ihr Herzensprojekt „TWIN - Two Women Win - Mentoring von Unternehmerin zu Unternehmerin". Sie hat es kontinuierlich als soziales Unternehmen aufgebaut und durch eine Stiftung abgesichert. Zu ihrem 70. Geburtstag hat sie sich aus den Gremien verabschiedet und die Verantwortung für die Stiftung abgegeben. Warum?

Mit 70 raus aus den Gremien

„Eine Freundin hat mir deutlich gemacht: Mit 70 sollte man aus Vorständen / Gremien raus und Platz machen für die Jüngeren. Wenn man mit 70 nicht geht, bleibt man kleben." Jetzt ist sie froh über diesen Schritt, weil es auch weniger Stress und mehr Zeit für Reisen bedeutet: „Das Zeitkonto des Lebens ist nicht endlos." Ich hatte den Eindruck, dass sie mit ihrem Engagement aber noch nicht am Ende angekommen ist: „Wenn ich mit aktiven Frauen zusammen bin, werde ich kribbelig, ob ich nicht doch noch was Neues anfangen sollte!"

Im Gespräch mit der Züricher Unternehmerin Rosmarie M., 80 J., wurde die Zahl 70 bestätigt. Auch sie ist mit 70 J. aus den Gremien raus, z.B. dem Verwaltungsrat von Credit Suisse. Ihre Begründung: „Man sollte nicht mehr soviel Verantwortung übernehmen, damit nicht plötzlich eine Lücke entsteht" - wegen Krankheit oder Tod. Mit 75 hat sie ihr Unternehmen verkauft. „Ich bin weiter engagiert, aber begrenzter als vorher. Ich genieße es, nicht mehr 100% Verantwortung zu tragen". Für ihr frauenpolitisches Engagement sieht sie jetzt einen Vorteil: „Mein Alter hat den Vorteil, dass mir niemand mehr den Eingang verwehrt, wenn ich anklopfe. Auch die Männer hören zu."

Aufhören und Neues anfangen liegen eng beieinander

Aus offiziellen Positionen oder Gremien rauszugehen, um Jüngeren eine Chance zu geben, finde ich gut. Königin Beatrix der Niederlande hört übrigens 2013 auf, dann ist sie 75 J. Ansonsten betrifft das Thema Aufhören ja ganz viele Aspekte im Kleinen und im Großen. Man kommt gar nicht darum herum, mit etwas Altem aufzuhören, wenn man etwas Neues beginnen will - und sei es, wie Rosmarie M. es ausdrückt, um „Zeit zu haben, die Dinge fertig zu denken."

Haben Sie vor, gezielt mit Bereichen Ihrer Arbeit aufzuhören? Wann? Es wäre toll, wenn Sie darüber schreiben - hier an dieser Stelle einen Kommentar oder an mich persönlich: c.sperling@reviera.de






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06.12.2011, 15:52
Ira Egger
Vielleicht gibt es nicht DEN Zeitpunkt für's Aufhören, aber ich bin jetzt angeregt darüber nachzudenken, WANN ich mit WELCHEN Arbeiten aufhören möchte. Denn als verantwortungsvoller Mensch neige ich dazu, viel zu lange aus Pflichtbewusstsein weiterzumachen. Es macht Spaß darüber nachzudenken, womit ich als erstes aufhöre: Keine Arbeit mehr für Institutionen, die mich nicht wertschätzend behandeln. Keine Zusage, wenn lange Anfahrten nicht bezahlt werden. Es gibt schon noch genug anderes!

21.11.2011, 00:04
Gudrun Böker
Ich bin überzeugt, dass es den richtigen Zeitpunkt für das Aufhören gibt. Ich habe den u.a. so für eine Netzwerkarbeit gewählt, da ich der Ansicht bin, dass jüngere Menschen die Organisation übernehmen sollen. Im Ehrenamt bekam ich in der Gruppe mit, dass das Festhalten an einer Funktion nur zu Motivationsverlust bei allen Beteiligten führte. Das möchte ich vermeiden. Mit meiner Entscheidung habe ich Freiräume gefunden, um andere Dinge, auch berufliche, tun zu können, was für mich heißt, dass ich noch einige Jahre über mein 60. Lebensjahr hinaus arbeiten werde und hoffentlich gesund bleibe, es auch so fortführen zu können. Ich habe immer noch Lust auf Veränderungen.

20.11.2011, 16:13
Gabriele Lahde
Nächstes Jahr werde ich 60 .Zusammen mit meinem Ehemann der 7 jahre jünger ist, führe ich ein kl.Dienstleistungsunternehmen seit 1996 .In letzte Zeit merke ich, daß ich zwar neue Ideen habe, aber diese nicht mehr unbedingt umsetzen möchte, es bremst mich innerlich etwas.Ich genieße es, daß der Betrieb so läuft wie er jetzt ist.Von unseren 4 Kindern wird wohl keiner den Betrieb weiterführen wollen.Finanziell wird es jedoch nötig sein, daß ich noch viele Jahre arbeiten werde.Grüße G.Lahde


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Was machen die Frauen über 60, die noch Lust auf Arbeit haben - arbeiten sie weiter wie bisher? Fangen sie was Neues an? Was bedeutet für sie Ruhestand? Was können sie (sich)  leisten? Verwirklichen sie alte Träume?
Ich bin mit 61 Jahren mitten drin in diesem spannenden Prozess. Ich weiß von meinen angestellten Freundinnen, dass sie ab 60 ihre Arbeit am liebsten zum Mond schießen würden. Dagegen scheinen sehr kreative Menschen wie Künstlerinnen gar keine Altersgrenze für Arbeit zu kennen.
Ich möchte gern mehr über die Schritte anderer selbständiger Frauen erfahren, die Arbeit und Gestaltungsmacht auch mit 60 noch lieben und sich nicht in das traditionelle weibliche Rollenmodell von Pflege- und Enkel-Arbeit, Bescheidenheit und Seniorenkino einfügen. Meine Neugier auf ihre Erfahrungen speist diesen Blog.

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