Ach, ich weiß schon
Vorschnell urteilen kann unerwünschte Nebenwirkungen haben. Manchmal folgen die direkt auf dem Fuße, was wahrscheinlich am heilsamsten ist. Lassen Sie mich erzählen:
Eine Freundin sagte mir mal, als wir eines schönen Tages am Hotel Bristol in Bonn vorbeischlenderten: „Das ist ein echt gutes Hotel. Da bringe ich immer alle Leute unter, wenn ich mal für Übernachtungsgelegenheiten sorgen muss."
Monate später stand ihr Geburtstag ins Haus. Die Freundin reservierte mir ein Hotelzimmer und schickte mir die Unterlagen. Sie ahnen es: Ich wusste schon. Und so kam es, dass ich mit Sack und Pack vor dem Hotel Bristol stand. Der Portier war so liebenswürdig, mir das Gepäck hineinzutragen. Bloß ein Zimmer hatten sie nicht für mich. Sie waren ausgebucht. Häh? Wie konnte das denn sein? Zum Glück hatte ich ja immerhin die Unterlagen dabei. Und was soll ich sagen? Mit meiner absoluten Überzeugung war ich im IRRTUM! Sie hatte ein anderes Hotel ausgesucht. Einfach nicht zu fassen.
Das Hotel Bristol ist wirklich empfehlenswert, zumindest der Service. Die Zimmer habe ich ja nun nicht gesehen. Aber die freundliche Rezeptionistin erkundigte sich telefonisch für mich, und der Portier bot sogar an, mein Gepäck eigenhändig in das gebuchte Hotel zu tragen. Das habe ich dankend abgelehnt. Die paar Minuten Wegstrecke brauchte ich ganz für mich allein.
Seien wir doch mal kritisch mit uns selbst. Wie oft denken wir nicht, schon längst Bescheid zu wissen. Und dann fallen wir aus allen Wolken, wenn es nicht so kommt, wie wir glauben. Besser wäre es, mal genauer hinzusehen, mal besser hinzuhören, auf die Zwischentöne zu achten: Stimmt eigentlich, was wir uns einbilden? Nachfragen ist keine schlechte Methode.
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