Zurück zum Sinn
Spiritueller Tourismus – was ist das denn?
Die menschlichen Sinn-Fragen sind ein kollektives Phänomen geworden. Auf dem Reisemarkt wird das augenfällig. Pilgerreisen finden neue Märkte, Ökotourismus ist schon bald kein Nischenprogramm mehr. Ist der Spirituelle Tourismus ein Segen?
Das Reiseverhalten der Deutschen hat sich geändert. Zum einen ist weniger Geld da, und man überlegt sich schon, wie viel man wofür ausgibt. Aber zum anderen lässt sich auch eine deutliche Trendwende in der Zielsetzung erkennen. Wo es früher um mehr Fun, mehr Wellness, um weitere und exotischere Reiseziele ging, findet sich heute eine neue Tendenz. Es heißt nicht mehr „schneller, höher, weiter!“, sondern „zurück zum Sinn!“.
Spiritueller Tourismus ist das Schlagwort der Zukunft. Aber was bedeutet das? Um klarer zu sehen, besuchte ich vom 26. bis 28. November die 20. Eichstätter Tourismusgespräche und damit das 13. Kolloquium der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft. Dort verfolgte ich spannende Vorträge namhafter Tourismuswissenschaftler wie z. B. Prof. Dr. Jürgen Kagelmann, Dozent am Institut für Tourismus- und Freizeitforschung, HTW Chur, sowie Prof. Dr. Marianne Schlösser, Institut für Theologie der Spiritualität, Universität Wien.
Es gibt unterschiedliche Ansätze, den spirituellen Tourismus zu definieren. Die Spannweite reicht von stark religiös geprägten Pilgerreisen über naturnahe Urlaube unter besonderer Berücksichtigung des Ökotourismus oder außergewöhnliche Kultur-Erfahrungen bis hin zu Reiseformen, die die persönliche körperliche und seelische Gesundheit in den Vordergrund stellen. Gemeinsam ist allen Formen die Rückbesinnung auf die eigenen geistigen und seelischen Kräfte: hin zum Wesentlichen und weg von Ablenkungen.
Mit seinem Buch über „seinen“ Jakobsweg hat Hape Kerkeling förmlich eine „spirituelle Lawine“ losgetreten. Seitdem gehören Reisen mit christlich-religiösem Inhalt zum heutigen Freizeitverhalten. Dass der Papst ein Deutscher ist, verstärkt das Phänomen. Die Menschen begeben sich, und das nicht nur im stillen Kämmerlein, auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Diese Suche ist nichts Neues, und gewiss jeder Mensch stellt sich im Laufe seines Lebens die Sinn-Frage. Doch interessant ist, dass sie nun kollektive Ausmaße annimmt. Kaum nötig, auf das Zerplatzen der Finanzwelt-Seifenblasen hinzuweisen – viele Menschen machen sich auf einen Weg, der nichts mehr mit Geld zu tun hat. Die Suche nach einer neuen Erfüllung ist verführerisch.
Der spirituelle Tourismus versucht mit immer mehr und immer besseren Angeboten, diese Sehnsucht zu stillen: Pilgertourismus in den Alpen, Jesus-Erfahrungen in Orlando, Gesundheitstourismus in NRW, Spiritualität in Mekka …
Fluch oder Segen? Ist es ein Gewinn oder nur eine weitere touristische Masche, bei jede und jeder mal mitgemacht haben muss? Was meinen Sie? Ich würde mich über Kommentare freuen!
11.12.2009, 12:45
Eva Ihnenfeldt
Ohne Glauben, ohne Sinn, ohne Grund und ohne Vision ist der Mensch nicht viel mehr als eine leere Hülle mit Stoffwechselfunktionen. Alle Weltreligionen wussten das immer gut für sich auszunutzen... Ich bin sehr froh, dass wir heute in eine Zeit wachsen, in der jede/r für sich ihre/seine individuelle Kommunikation mit dem (universell gleich ausgerichtetem) Unterbewusstsein suchen - und finden kann! ich selbst nutze als Heilpraktikerin in Dortmund dafür Tarotkarten - und die Ergebnisse sind fast unheimlich - in einer einzigen Sitzung kann man sooooo viel herausarbeiten, es ist wunderschön



