Status? Interessiert mich nicht!

Karriere-Stolpersteine für Frauen

02.05.2012, 12:19 von Sigrid Meuselbach

Während Frauen bei der Partnerwahl äußerst feine Antennen für den gesellschaftlichen Rang eines Mannes haben, sind sie nahezu blind für ihren eigenen Status im Beruf. Sie denken dabei meist an protzige Dienstwagen und goldene Vielfliegerkarten und winken ab: All diese Dinge sind zwar ganz nett, aber nicht wirklich wichtig. Schließlich, so denken die meisten Frauen, geht es im Job um den fachlichen Erfolg und die Freude an der Arbeit.



Doch Status lässt sich nicht nur am schicken Auto, dem dicken Ledersessel oder der teuren Zigarre erkennen: Er kann sich auch aus unserem Auftreten, unseren Projekten und Kontakten ergeben - von uns Frauen vielleicht unbemerkt, aber für unser berufliches Umfeld deutlich wahrnehmbar. Je höher wir auf der Hierarchieleiter nach oben klettern, desto weniger werden wir an unserem Können gemessen, sondern an Einfluss, Beziehung und Macht - eben an unserem Status.

Geht etwa der Kollege häufig mit seinem Vorgesetzten zum Mittagessen, erscheint er anderen durch seine guten Kontakte nach oben einflussreicher. Frauen dagegen - das haben Studien gezeigt - vernetzen sich oft mit hierarchisch gleich oder niedriger gestellten Personen. Und so brutal das auch klingen mag: Damit schaden sie ihrem Status und ihrem Einfluss im Beruf.

Männer haben uns das Statusdenken voraus

Schon von Kindesbeinen an lernen Männer und Frauen ganz unterschiedliche Arten der Kommunikation. Mädchen wollen in Gesprächsrunden alle einbeziehen und sich nicht besonders hervorheben, da sie sonst von den anderen nicht gemocht werden. Kleine Jungen dagegen kreisen um die Statusfrage: Sie lernen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen darzustellen und andere herauszufordern, um die Machtverhältnisse zu klären. Bevor es um Sachthemen geht, wird erst mal das Territorium abgesteckt. Nie würde ein Junge einem anderen vorwerfen, zu „chefig" zu sein. Frauen aber fürchten genau das.

So kommt es, dass Frauen sich kaum für Statusfragen interessieren. Männer dagegen kennen sich bestens aus. Scheinbar instinktiv wissen sie, welche Projekte sie schneller nach oben führen und welche Tätigkeiten sie besser an andere delegieren. Frauen suchen sich ihre Aufgaben eher nach Inhalt und Interesse aus. Männer fahren auf prestigeträchtige Kongresse, während Frauen nur die Termine wahrnehmen, die ihnen inhaltlich nützlich erscheinen.

Das weibliche Verhalten führt nicht nur dazu, dass sich der eigene Status nicht erhöht. Das Fatale ist: Er sinkt sogar. Denn wer sich nicht um Chancen bemüht, mehr Einfluss und Prestige zu gewinnen, der verliert in einem zumeist männlich geprägten Umfeld an Ansehen. Frauen spüren das auch, wissen aber oft nicht, woran es liegt. Dabei ist es ganz einfach: Je höher der Status, desto mehr Einfluss wird der betreffenden Person zugeschrieben und desto eher sind andere bereit, sich für Sie und Ihre Ideen einzusetzen.

 

So steigern Sie Ihren Status: Die 7 besten Tipps

- Nutzen Sie Statussymbole wie den schicken Dienstwagen und das Büro mit der tollen Aussicht - auch wenn Sie Ihnen persönlich gar nicht so wichtig sind. Denn die Signale, die davon ausgehen, verschaffen Ihnen besonders in einem männlich geprägten Umfeld Respekt. Wer darauf verzichtet, signalisiert hingegen: Ich bin gar nicht so wichtig.

- Setzen Sie auf die Macht der Körpersprache. Wer aufrecht und trotzdem entspannt steht oder sitzt, strahlt Selbstbewusstsein und Stärke aus und hat bei Verhandlungen eine viel bessere Ausgangsposition.

- Suchen Sie gezielt Kontakt zu den Menschen, die im Unternehmen Einfluss haben. Verabreden Sie sich mit ihnen zum Mittagessen. Sprechen Sie mit ihnen über Ihre Ideen und finden Sie so wirkungsvolle Unterstützung für Ihre Projekte.

- Überlegen Sie, in welchen Gremien und Netzwerken Sie vertreten sein müssen, um an die richtigen Personen zu kommen. Treten Sie dort ein oder zeigen Sie Interesse an einer Einladung.

- Nehmen Sie jede Einladung zu wichtigen Veranstaltungen an und bringen Sie sich dort auch ein. Halten Sie zum Beispiel Vorträge oder beteiligen sich an der anschließenden Diskussion. Das zeigt: Sie haben etwas zu sagen.

- Konzentrieren Sie sich auf statushohe Projekte. Fragen Sie sich in Zukunft bei der Vergabe einer Aufgabe: Wird das meine Stellung im Unternehmen stärken? Wird mir dieses Projekt Aufmerksamkeit bringen? Können Sie diese Fragen mit „Ja" beantworten, schlagen Sie zu!

- Sagen Sie „Nein"! Den meisten Frauen kann man das gar nicht oft genug sagen: Lassen Sie sich keine Aufgaben aufbürden, für die sie nicht zuständig sind und die Sie nicht weiterbringen. Im Gegenteil: Delegieren Sie solche Aufgaben nach Möglichkeit an andere.

 

Wahrscheinlich ist der fehlende Mut zum „Nein" das größte Problem beim Thema Frauen und Status. Frauen sind deshalb beliebte Opfer, wenn es darum geht, eine wenig lohnende Aufgabe loszuwerden: Sie wollen niemanden vor den Kopf stoßen, die harmonische Zusammenarbeit liegt ihnen am Herzen. Männern fällt es da nicht schwer, entsprechende Köder auszuwerfen: Sätze wie  „Ohne Deine Hilfe schaffe ich es nicht" oder „Ich dachte, wir sind ein Team" sollen Schuldgefühle wecken und an die Kollegialität der Frauen appellieren. „Du traust dir das wohl nicht zu" unterstellt ihnen Schwäche.

Wenn Sie bei einem dieser Köder zuschnappen, haben Sie plötzlich mehr Arbeit am Hals und ärgern sich über sich selbst, während Ihre Kollegen sich Projekten widmen können, die ihnen mehr Prestige einbringen. Üben Sie das „Nein"-Sagen, um nicht in diese Falle zu tappen! Gehen Sie entsprechende Gesprächssituationen mit Freunden durch. Legen Sie sich Sätze zurecht, mit denen Sie Ihren Konkurrenten Paroli bieten können.

Streben Sie nach Anerkennung, nicht nach Beliebtheit!

Und scheuen Sie sich nicht, ähnliche Strategien anzuwenden wie Ihre männlichen Kollegen. Sie möchten zu einem wichtigen Kongress, haben aber den Schreibtisch voll mit Arbeit? Versuchen Sie, unwichtige Aufgaben an andere zu delegieren. Sie können dafür ähnliche Köder auslegen wie das die Herrenwelt um Sie herum auch tut. Eine Beliebtheitsmedaille werden Sie dafür nicht bekommen, aber die Anerkennung Ihrer Kollegen ist Ihnen sicher.

Vielen Frauen behagen diese Tricks und Machtspiele der Männer zunächst nicht, sie wollen lieber außen vor bleiben. Aber es ist leider so: Wer nicht mitspielt, hat schon verloren. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, Chefin und Freundin gleichzeitig sein zu können. Gerade wenn Sie Männer führen wollen, dürfen Sie nicht auf Sympathie und Höflichkeit setzen, sondern müssen durchsetzungsstark sein. Und haben Sie keine Angst, dass Sie mit Konflikten sich und dem Unternehmen schaden könnten. Wie heißt es in einem chinesischen Sprichwort: „Kein Fisch überlebt, wenn das Wasser zu sauber ist."

www.meuselbach-seminare.de

 

 






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In vielen Unternehmen schlummert eine Vielzahl von hochqualifizierten Mitarbeitern mit großem Know-how. Besonders im Bereich der Führungspositionen werden oftmals die Potenziale gerade von Frauen nicht ausgeschöpft und nicht genug gefördert.
Sigrid Meuselbach hat sich auf die Förderung von Frauen in Führungspositionen spezialisiert und bringt seit über 25 Jahren Frauen erfolgreich in Führung. Damals war von Quote noch keine Rede. Mit viel Praxiserfahrung schreibt sie in ihrem Blog darüber, wie geschlechterspezifische Führung gelingt, damit Menschen ihre Talente entfalten können.

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