Frauen und Weine
Eine besondere Weinprobe im Tresor
Neulich hatte mich die GV Treuhand in Essen zu einer außergewöhnlichen Weinprobe, einer Weinprobe von Frauen für Frauen, eingeladen. Natürlich war ich neugierig - eine Eigenschaft, die ich nicht verleugnen kann. Die Weine waren super, das Ambiente völlig erstaunlich, aber am tollsten waren die Frauen.
Es ist einfach immer wieder spannend zu sehen (und natürlich auch mein Thema überhaupt), was Frauen alles auf die Beine stellen. Was ist nicht alles möglich, wenn wir unsere Zaghaftigkeit ablegen und einfach handeln! Das heißt nicht, dass wir dabei unser Hirn abschalten sollen, aber wir sollten ruhig nach unseren Wünschen leben, damit wir dem Erfolg eine Chance geben.
Wein, Weib und Geld - für Frauen eine eher ungewöhnliche Kombination, während in der männlichen Geschäftswelt diese Konstellation durchaus nicht unbekannt ist. Frauen kommen erst allmählich auf den Geschmack. Es gibt wenige, die mit dem Brustton der Überzeugung von sich behaupten, sie seien Weinkennerin. Und auch Geld ist immer noch nicht so recht ein Frauenthema. Hauptsache es reicht irgendwie. Frauen kümmern sich um andere Dinge.
Dies weiß Christel Ettig, Vorstand der GV Treuhand, zuständig für Finanz- und Vermögensstrategie. Deswegen hat sie zehn interessante und interessierte Frauen eingeladen, sich in einem exklusiven, symbolträchtigen Raum zu einer Weinprobe zu treffen: im TresoRath in Essen.
Die geladenen Damen finden sich zu ihrer Überraschung tatsächlich im Tresorraum einer ehemaligen Sparkasse wieder. Hier können sie hinter Stahltüren und Gittern gelagerte Weine bestaunen und den Geruch von altem Geld und wohl gereiftem Wein schnuppern. Im Keller des denkmalgeschützten Rathauses von Heithausen hat sich die Sommelière Christine Dördelmann im Jahr 2011 ihren Traum erfüllt und gibt dort ihr Weinwissen und so manchen guten Tropfen weiter.
Wie viele weibliche Erfolgsgeschichten ist der Werdegang der Sommelière von Intuition und Fleiß geprägt. Als Au Pair hatte sie in einem 600 Jahre alten Haus in der Toskana gelebt und von ihrem Fenster aus ein Jahr lang den Blick auf Olivenhaine und Weinberge genossen. Doch die Initialzündung, die sie den Wert des Weines schätzen lehrte, brachte ihr Fiat Cinquecento. Der abgestellte Wagen machte sich selbstständig und zerstörte einen Rebstock. Das Drama war damals groß und „italienisch", und Christine Dördelmann begriff schlagartig, wie kostbar Rebstöcke sind. Wieder zurück in Essen reifte ihr Wunsch, Sommelière zu werden. Im Schloss Hugenpoet begann sie mit der Ausbildung als Restaurantfachfrau und vervollkommnete ihr Wissen in der Schule für Sommeliers in Koblenz.
Für die
Weinprobe im Tresor hatte sie eine besondere Winzerin eingeladen: die
Visionärin Anja Weber aus Südafrika, die seit 1996 in einer neuen unerfahrenen
Weinregion Wein anbaut. Ihr Weingut Springfontein ist zurzeit das südlichste
des Weinbaugebietes Walker Bay, fünf Kilometer vom Atlantik entfernt. Auch bei dieser
Frau beginnt der Beruf mit der Liebe zum Wein, denn eigentlich hat sie etwas
ganz anderes gelernt. Als Diplom-Geografin hat sie sich mühevoll mit
Unterstützung von Fachleuten ihren Weinberg und ihren guten Ruf erarbeitet.
Bevor die Weinproduktion überhaupt beginnen konnte, mussten die Anbauflächen
erst einmal von einem Dickicht lokaler Vegetation befreit werden. Die
kalkhaltigen Böden bringen nur einen geringen, aber hochklassigen Ertrag. Alle
Weine werden in Handarbeit produziert und in französischen Barriquefässern
gelagert.
Die eingeladenen Damen wussten am Ende gar nicht, was sie an diesem Abend besser finden sollten, die wunderbaren Weine oder die spannenden Lebensgeschichten. Sie haben wunderbare Weine gekostet, tolle Frauen kennengelernt, eine fabelhafte Art des Vernetzens ausprobiert und sind auf den Geschmack gekommen. Auch Christel Ettig ist sich sicher, dass es nicht der letzte Abend dieser Art war.
Brigitte Jülich, Erfolg Orange
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