Darf's auch ein bisschen mehr sein?
Wachstum lässt sich (nicht) beschleunigen
Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz ist da. Ob nun Wachstum durch Gesetze beschleunigt werden kann. Oder größer, schneller, schöner elementare Kategorien des guten Gemeinschaftslebens sind. Das soll hier nicht diskutiert werden. Eins ist jedoch klar: Das Gesetz wird keinen Einfluss auf das Kosmetikstudio von Karin haben. Dabei würde sie gerne ein wenig wachsen. Doch sie hat gerade diesen unternehmerischen Entscheidungskater: Ich müsste, dann würde, aber ... Ergebnis: Ich weiß nicht.
Das Studio prosperiert. Das dritte Geschäftsjahr wartet mit überraschend hohen Umsatzzahlen auf. Erhöhte Aufwendungen für Werkzeuge und Fortbildungen halten Karins Gewinn allerdings künstlich so klein, dass sie noch weiterhin beitragsfrei in der Familienversicherung bleiben kann.
Die Arbeit macht der Unternehmerin große Freude, sie will mehr. Zeit hat sie auch, da die beiden Kinder mittlerweile in der Ganztagsbetreuung sind.
Und dann kommen viele große und kleine Aber:
Ein größerer Kundenverkehr in der Wohnung ist nicht mehr möglich. Räume anmieten kostet Kaution, Renovierung, Einrichtung, Miete, Nebenkosten, Fahrten.
Um mehr Kundschaft zu bekommen, steigt der Aufwand an Zeit und Geld für die Werbung.
Verdient Karin mehr, dann muss sie eigene Beiträge in die Krankenversicherung zahlen.
Eigentlich will sie nur ein bisschen wachsen und langsam - aber mit eigenen Räumen muss sie richtig viel Materie und Menschen in der Welt bewegen.
Wird ihr Umsatz auch in einer Weise steigen, dass sich das lohnt? Ist der Aufwand so groß, dass die Arbeit hinterher vielleicht keine Befriedigung sondern nur noch Stress bringt?
Mal überwiegt die Hoffnung, dann wieder der Zweifel. Für alles lässt sich ein Gegenargument finden.
Karin hat vergessen, dass sie einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Geschäftsentwicklung hat. Wenn Sie mehr Kundschaft braucht, um die höheren Kosten zu decken, kann sie dies planen, entscheiden und durch eigenes Handeln auf den Weg bringen.
Indem sie auf den Standort des Studios achtet.
Indem sie ausrechnet, wie viel Kundschaft tatsächlich mehr kommen muss.
Indem sie mögliche Maßnahmen der Werbung im Vorfeld konkret plant.
Indem sie das Angebot und die Preisgestaltung überprüft und nachbessert.
Indem sie Ausschau hält nach Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Geschäftsfrauen für gemeinschaftlich genutzte Räume oder gemeinsames Marketing.
Seltsamerweise weiß sie das eigentlich. Sie hat es bei der Gründung auch so gemacht. Und es hat funktioniert. Karin hat gelernt und einfach wieder vergessen, dass sie die Macht hat, ihren Geschäftsverlauf stark zu beeinflussen - wenn sie sich genügend Zeit für die vorbereitenden Entscheidungen lässt. Es lässt sich nicht wirklich beschleunigen. Damals hat es auch zwei Jahre gebraucht von der ersten Geschäftsidee bis zur Eröffnung des Studios.
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