Urteile hören nur sich selber zu
oder: Warum sich die Mühe wirklich lohnt ...
Haben Sie sich schon einmal bei einem Ihrer letzten Gespräche beobachtet?
Ich
meine jetzt nicht, wie Sie im Gespräch gewirkt haben, sondern was so
alles an Gedanken in Ihrem Kopf aufgetaucht ist, beispielsweise als Ihr
Gesprächspartner ein Gegenargument zu einem Ihrer gut gemeinten
Vorschläge gebracht hat.
Haben
Sie vielleicht gedacht: „Was für ein Ignorant", oder so was ähnliches
wie: Ich glaub's nicht, wie kann man nur so denken?"
Wenn Ihnen
dieser oder ein ähnlicher Film irgendwie bekannt vorkommt, dann geht es
Ihnen wie den meisten von uns. Unser Geist hat die ständige
Angewohnheit, alles was uns täglich zustößt, zu bewerten, es in gut oder
schlecht zu kategorisieren, oder in angenehm oder unangenehm. Wir
bilden Urteile.
Aber was passiert, wenn wir ständig die Dinge um
uns herum bewerten, beispielsweise in einem Gespräch, einer Besprechung
oder vielleicht im Kontakt mit der Nachbarin?
Was ist dann aus
unserem Zuhören geworden? Aus unserer Fähigkeit wirklich in Kontakt mit
dem anderen zu treten? Wenn wir ehrlich sind, ist unser Zuhören in
solchen Momenten gleich Null.
Denn eigentlich hören wir ja nur
uns selber zu, unseren Meinungen, unseren Urteilen, unseren
Empfindungen, unseren Gegenargumenten.
Was können Sie tun, um in Zukunft die Qualität Ihrer Aufmerksamkeit zu verbessern?
Als erstes können Sie in einem Ihrer nächsten Gespräche einmal bewusst Ihren Urteilsprozess unter die Lupe nehmen.
Jedes
mal, wenn ein Urteil hochkommt, werden Sie es wahrnehmen. Sie werden
nichts tun, sondern es einfach nur freundlich registrieren. Wenn Sie
sich das vornehmen, setzen Sie einen starken Bewusstmachungsprozess in
Ihrem Kopf in Gang. Das heißt, Sie steigen bewusst aus, aus Ihrem
Autopiloten, der so gerne sofort reagieren will.
Wählen Sie zum
Üben mindestens ein Gespräch pro Tag aus. Schreiben Sie am Schluss des
Gesprächs die „heftigen und lautstarken" Urteile nieder und notieren Sie
Ihre Wirkungen auf Sie, die Sie wahrgenommen haben.
Üben Sie
zunächst mit Gesprächspartnern, die Urteile äußern, die für Sie keine so
große Herausforderung darstellen. Wenn Sie mehr Übung haben, steigern
Sie die Herausforderung. Das Ziel ist, einen Punkt zu erreichen, an dem
Sie selbst denen mit Neugier zuhören können, deren Ansichten Sie
entschieden ablehnen.
Viel Erfolg!
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