Urteile hören nur sich selber zu

oder: Warum sich die Mühe wirklich lohnt ...

29.08.2010, 21:02 von Katrin Oppermann-Jopp

Haben Sie sich schon einmal bei einem Ihrer letzten Gespräche beobachtet?
Ich meine jetzt nicht, wie Sie im Gespräch gewirkt haben, sondern was so alles an Gedanken in Ihrem Kopf aufgetaucht ist, beispielsweise als Ihr Gesprächspartner ein Gegenargument zu einem Ihrer gut gemeinten Vorschläge gebracht hat.



Haben Sie vielleicht gedacht: „Was für ein Ignorant", oder so was ähnliches wie: Ich glaub's nicht, wie kann man nur so denken?"
Wenn Ihnen dieser oder ein ähnlicher Film irgendwie bekannt vorkommt, dann geht es Ihnen wie den meisten von uns. Unser Geist hat die ständige Angewohnheit, alles was uns täglich zustößt, zu bewerten, es in gut oder schlecht zu kategorisieren, oder in angenehm oder unangenehm. Wir bilden Urteile.

Aber was passiert, wenn wir ständig die Dinge um uns herum bewerten, beispielsweise in einem Gespräch, einer Besprechung oder vielleicht im Kontakt mit der Nachbarin?
Was ist dann aus unserem Zuhören geworden? Aus unserer Fähigkeit wirklich in Kontakt mit dem anderen zu treten? Wenn wir ehrlich sind, ist unser Zuhören in solchen Momenten gleich Null.

Denn eigentlich hören wir ja nur uns selber zu, unseren Meinungen, unseren Urteilen, unseren Empfindungen, unseren Gegenargumenten.
Was können Sie tun, um in Zukunft die Qualität Ihrer Aufmerksamkeit zu verbessern?
Als erstes können Sie in einem Ihrer nächsten Gespräche einmal bewusst Ihren Urteilsprozess unter die Lupe nehmen.
Jedes mal, wenn ein Urteil hochkommt, werden Sie es wahrnehmen. Sie werden nichts tun, sondern es einfach nur freundlich registrieren. Wenn Sie sich das vornehmen, setzen Sie einen starken Bewusstmachungsprozess in Ihrem Kopf in Gang. Das heißt, Sie steigen bewusst aus, aus Ihrem Autopiloten, der so gerne sofort reagieren will.

Wählen Sie zum Üben mindestens ein Gespräch pro Tag aus. Schreiben Sie am Schluss des Gesprächs die „heftigen und lautstarken" Urteile nieder und notieren Sie Ihre Wirkungen auf Sie, die Sie wahrgenommen haben.

Üben Sie zunächst mit Gesprächspartnern, die Urteile äußern, die für Sie keine so große Herausforderung darstellen. Wenn Sie mehr Übung haben, steigern Sie die Herausforderung. Das Ziel ist, einen Punkt zu erreichen, an dem Sie selbst denen mit Neugier zuhören können, deren Ansichten Sie entschieden ablehnen.

 

Viel Erfolg!

 

www.oppermann-consulting.de

 






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