20 Jahre Kleinunternehmerinnen in Europa
Über Europa wird in diesen Wochen wieder viel gesprochen und geschrieben. Endlich ist das gesamteuropäische Vertragswerk von allen Staaten akzeptiert. Dass große Teile der Politik längst in Brüssel gemacht werden, ist im Alltag kaum gegenwärtig.
Die "Frauen europäischer Mittel- und Kleinbetriebe", kurz FEM, haben das allerdings schon vor 20 Jahren erkannt. Sie gründeten einen Verband, der als Dach vieler kleiner nationaler Vereine fungiert - für eine starke Stimme in Europa.
Im Jahr 2009 vertritt FEM 15 Organisationen aus neun Ländern. Ihr Ziel war und ist der grenzüberschreitende Austausch von Erfahrungen bei der Verbesserung der sozialen und gesellschaftlichen Stellung der mittätigen und selbständigen Unternehmerfrau. Denn diese sind in vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland, bis heute in ihrem Status kaum abgesichert. Selten treten sie als Mitunternehmerinnen auf.
Gemeinsam für den Betrieb
Dabei ist das Modell "Unternehmerfrau" kein historisch bedingtes Auslaufmodell - auch nicht in Zeiten einer höheren Ausbildungs- und Erwerbsquote von Frauen. Gerade in kleinen Handwerksbetrieben sind es oft die Ehefrauen, die ihren erlernten Beruf eintauschen gegen den heimischen Arbeitplatz und das Engagement fürs Familienunternehmen. Dem Betrieb tut das gut, dem Paar auch - so lange Krisen fern bleiben.
Krisen treffen Unternehmerfrauen doppelt
In Zeiten Zeiten der wirtschaftlichen Krise sind es häufig ihre Gehälter, an denen ein kleiner Bertrieb spart. Den Gürtel enger schnallen, das kennen Gastronomen und Handwerker - da zieht die ganze Familie mit.
Bei persönlichen Krisen bis hin zur Trennung spüren die Unternehmerfrauen erst recht, wie ungesichert ihr Status ist. Mit dem Ende der Paarbeziehung endet häufig das Arbeitsverhältnis, ohne Ansprüche und oft auch ohne nachweisbare Ausbildung. Denn auch wenn Unternehmerfrauen als die heimlichen Managerinnen gelten, die Finanzen im Griff haben, das Personal führen und die Kundenkontakte pflegen, sie galten offiziell eben nicht als Unternehmerin. Beruflich fängt sie dann ganz neu an.
Jubiläums-Tagung: Thema Krise
"Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Frauen in Handwerk und kleinen und mittleren Unternehmen" war das Thema der Jubiläumskonferenz Anfang November in Berlin. "Wirtschaftliche Probleme beherrschen momentan den Alltag – zögernde Kreditvergabe der Banken, zahlungsunfähige Kunden, Auftragsrückgänge. Was passiert dadurch mit der sozialen Absicherung und Fortbildung der Unternehmerfrauen?", lautete die Frage der Tagung. "Wird auch hier gespart, damit die Bilanz für die Bank besser aussieht?"
Status verbessern - Öffentlichkeit schaffen
Es gibt in den europäischen Ländern viele gute Beispiele, wie Unternehmerinnen und mitarbeitende Ehefrauen besser gestellt werden können. Die Französinnen sind den Deutschen um einiges voraus und einen besseren rechtlichen Status. Sie können sich zum Beispiel im Handels- oder Handwerksregister eintragen lassen und verfügen über eine anerkannte Ausbildung.
Deutsche Verbände, die im FEM organisiert sind, sind zum Beispiel die Unternehmerfrauen im Handwerk e.V. mit über 7.000 Mitgliedern bundesweit, die Frauen im Gastgewerbe oder die in der Praxis mitarbeitenden Arztfrauen. Sie alle kämpfen nicht nur für einen besseren rechtlichen Status, sondern auch für eine andere Anerkennung und Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit.
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