Migrantinnen gründen mehr

12.04.2010

Die Gründungsquote unter Migrantinnen ist drei mal so hoch wie die deutscher Frauen. Außerdem bilden sie häufiger aus. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie in NRW.



 

In Nordrhein-Westfalen arbeiten 40.000 Unternehmerinnen mit Zuwanderungsgeschichte. Sie sehen ihre Selbständigkeit oft als Möglichkeit, das eigene Einkommen und die soziale Anerkennung - und damit ihre Integrationschancen zu verbessern. "Gründerinnen mit Zuwanderungsgeschichte sollten deshalb noch besser unterstützt werden", sagte NRW-Integrationsminister Armin Laschet anlässlich der Veröffentlichung der Studie "Selbständig integriert?" am 9. April 2010 in Düsseldorf. 

Im Rahmen der Untersuchung "Selbständig integriert?" wurden vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim Daten des Mikrozensus und der Gewerbeanzeigenstatistik ausgewertet und deutsche, türkische, italienische, polnische und russische Selbstständige beiderlei Geschlechts befragt. So werden Vergleiche sowohl zwischen den verschiedenen Ethnien als auch zwischen Männern und Frauen möglich.

Die Untersuchung zeigt:

  • Die Gründungsquote von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte ist mit 203 Gründungen pro 10.000 Erwerbspersonen fast dreimal so hoch wie die der deutschen Frauen.
  • Das Motiv, durch die Selbständigkeit ein besseres Einkommen und ein höheres Ansehen zu erlangen und so gesellschaftlich aufzusteigen, ist bei Frauen mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere bei Türkinnen, sehr ausgeprägt: Für 39 Prozent der Frauen türkischer Abstammung war das bessere Ansehen, für 67 Prozent die Aussicht auf ein höheres Einkommen Anlass für den Weg in die Selbständigkeit. Bei deutschen Gründerinnen spielten diese Motive hingegen keine große Rolle (höheres Ansehen acht Prozent, mehr Einkommen 29 Prozent).
  • Unternehmerinnen, gleich welcher Herkunft, sind vor allem im Dienstleistungsbereich tätig. Selbständige Frauen aus Polen und Russland üben zu einem höheren Teil als andere wissensintensive Tätigkeiten vor allem im Gesundheitswesen (Ärztinnen und andere Heilberufe) aus, vereinzelt auch technische und Ingenieur-Dienstleistungen.
  • Die Ausbildungsbereitschaft von Unternehmerinnen mit Zuwanderungsgeschichte ist hoch. So bilden zum Beispiel 35 Prozent der türkischen Unternehmerinnen, aber nur zwölf Prozent der türkischen Unternehmer aus. Bei deutschen Inhaberinnen liegt die Ausbildungsquote bei 20 Prozent.
  • Frauen mit Zuwanderungsgeschichte haben mit mehr Hindernissen und Belastungen bei der Gründung zu kämpfen als Einheimische. Hierzu zählen sowohl die formalen und gesetzlichen Anforderungen an die Gründung als auch persönliche Faktoren wie beispielsweise das Fehlen kaufmännischer Kenntnisse. Die Ausweitung der Beratungsangebote in den letzten zehn Jahren hat eher die einheimischen Gründerinnen erreicht als diejenigen mit Zuwanderungsgeschichte.  So kommt es häufiger zu Unternehmensschließungen bei Frauen mit Zuwanderungsgeschichte.

 

Die Untersuchung "Selbständig integriert?" ist als Lang- und als Kurzfassung erhältlich. Beide Fassungen können unter den Bestellnummern 2009/MGFFI 1101 und 2009/MGFFI 1102 unter www.mgffi.nrw.de/publikationen angefordert werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, diese Veröffentlichungen unter dem oben genannten Link als pdf-Datei herunterzuladen.

 







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