Zurück auf Start

Anne Koark
Zurück auf Start
Mein neues Leben nach der Insolvenz
Eichborn Verlag 2010
192 S., EUR 14,95



Wie ist das, wenn alles zusammenbricht? Wenn weder Besitz, noch Einkommen bleiben? Wenn nichts mehr selbstverständlich ist, nicht das Handy, das Bankkonto, die EC-Karte? Anne Koark hat 2003 alles verloren. Sie musste für ihre Firma „Trust in Business" Insolvenz anmelden, für sie bedeutete das zugleich die Privatinsolvenz.
„Die Insolvenz war damals wie eine Wand für mich, die ich nicht aufhalten konnte", schreibt sie in ihrem neuen Buch „Zurück auf Start". „Ich dachte, dass die folgenden sechs Jahre einfach unbezwingbar wären."

Sie hat sie bezwungen. Mit einem unbändigen Willen, sich von der Krise nicht in die Knie zwingen zu lassen, dem Ziel, das Thema Insolvenz aus der Tabuzone zu holen und in Deutschland zu einer Kultur des Scheiterns beizutragen.

Während ihre Firma abgewickelt und ihre Konten gesperrt wurden, sie ihre Eigentumswohnung verkaufen und Renten- und Lebensversicherungen auflösen musste, um all das in die Insolvenzmasse einzubringen, begann Anne Koark ein Buch zu schreiben. „Insolvent und trotzdem erfolgreich" erschien 2004 als Tagebuch ihrer Insolvenz.

Es brachte endlich die erhoffte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, für die die Autorin schon bald nach der Pleite angefangen hatte zu kämpfen. Sie wollte einfach von ihren Erfahrungen berichten und zwar dort, wo es um nichts anderes geht als um Erfolg, Unternehmertum und Risiko: Bei Unternehmerverbänden, Netzwerken und Wirtschaftsclubs. „Die Antworten waren vielfältig, aber meistens ablehnend. Häufig hieß es, man kümmere sich nicht um Bauchlandungen, sondern um Wege zum Erfolg."

Anne Koark gelang es, das Tabuthema Pleite in die Medienöffentlichkeit zu tragen, über sie erschienen Beiträge in großen Zeitungen, sie war zu Gast in Talkshows und erlebte zugleich einen Spagat, der kaum größer sein könnte: Als „Pleitier", der die Veranstalter bitten muss, Fahrkarte und Hotelkosten vorab zu bezahlen, zu Gast in den besten Hotels am Platz.

Anders als in ihrem ersten Buch erzählt Anne Koark hier keine Chronologie der Ereignisse. „Ich wollte den Menschen erzählen, woran ich mich in dieser Zeit festgehalten haben", sagte sie im Interview. Und das waren Entdeckungen in der Literatur, das Nachdenken über Sprache, Begegnungen mit Menschen, Gespräche auf Zugfahrten, Hilfe von Freunden.

Die allein erziehende Mutter hatte entschieden, die Insolvenz als Projekt zu begreifen und dieses so unternehmerisch und professionell zu Ende zu bringen wie es einer Unternehmerin nur möglich ist. Dass letztlich von den 184.993,56 Euro, die sie in die Insolvenzmasse eingebracht hat, nur ein Bruchteil bei den Gläubigern angekommen ist, war enttäuschend und ist ein Fehler im System, so ihre Überzeugung. Sie fordert eine vielfältige Reform des Insolvenzrechts und hat sich dafür in Vorträgen und in Gesprächen mit der Politik immer wieder eingesetzt. So plädiert sie für eine prozentuale Pfändung statt der festgelegten Pfändungsgrenze. „Vielleicht könnte man ihm beispielsweise 60 Prozent von allem lassen, was er verdient, und 40 Prozent für die Gläubiger nehmen." Der Anreiz etwas zu tun, mehr zu arbeiten und mehr zu verdienen, wäre viel größer.

Warum die Entschuldungsphase nicht ein Jahr wie in England oder 18 Monate wie in Teilen Frankreichs dauert, ist eine der vielen Fragen, denen Anne Koark in ihrem Buch nachgeht. Und warum sind Insolvente die Einzigen in Deutschland, die schon vor dem Verfahren als Schuldner, als schuldig gelten?

Anne Koark hat ein Buch für Menschen in der Krise geschrieben. Und das ist ihr gelungen. Mut machen ist ihr Programm: die Krise als Chance begreifen, kleine Schritte gehen, die Kraft nicht verlieren und vor allem nicht den Humor. „Der ist nicht pfändbar."

 

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