Den Laden schmeißen

Barbara Sichtermann, Marie Sichtermann,Brigitte Siegel
Den Laden schmeißen.
Ein Handbuch für Frauen,
die sich selbständig machen wollen,
Frauenoffensive 2005
273 S.
EUR 19,90



Vor fast 20 Jahren war das Buch der erste Ratgeber für Kleingründerinnen überhaupt. 1988 erschien „Den Laden schmeißen“ erstmals, wurde drei Mal neu aufgelegt und war immer wieder vergriffen. Den Klassiker unter den Gründerinnen-Büchern gibt’s jetzt in einer vollständig überarbeiteten Neuauflage. Das „Handbuch für Frauen, die sich selbständig machen wollen“ ist auf wohltuende Weise kein klassischer Gründungsratgeber. Die Autorinnen verzichtet auf die üblichen Checklisten, Zahlenkolonnen und Erfolgsrezepte. Stattdessen erzählen sie die ganze Geschichte. In der kommen die Planung und das Wissen um betriebswirtschaftliche Grundlagen, steuer- und versicherungsrechtliche Fragen, Rechtsformen, Marketing und Werbung nicht zu kurz, sind aber eingebettet in die Fragen, die das Leben mit einer (kleinen) Gründungsidee schreibt. Wie viel Zeit eine für ihr Unternehmen mitbringen kann, welche Erwartungen Geschäftspartnerinnen aneinander haben und wie sie das vereinbaren sollten, wie eine sich die Geheimnisse der Buchführung erarbeiten kann und  was bei der Einstellung von Mitarbeiterinnen zu beachten ist. Ein Handwerksbetrieb, ein Coaching-Unternehmen, ein Buchladen und ein gemeinnütziger Verein sind die konkreten Angelpunkte für den informativen Stoff. Der Ratgeber bleibt bei allem Optimismus in Bezug auf das Potenzial von Kleingründungen realistisch: „Viele Ideen für kleine Unternehmen enden bei der Feststellung: Es rechnet sich nicht – oder nicht sicher.“ Und auch dafür gibt es keine Patentlösung, sondern die Frage an die Leserin: „Was würdest du an ihrer Stelle tun? Positiv denken? Warum nicht?“
Schade allerdings, dass die Autorinnen dem Kapitel „Unternehmerinnen mit Kindern“ so wenig Raum geben und es sich – für meinen Geschmack – zu einfach machen mit ihrem Rat: „Allen Frauen, die im Begriff sind, eine Firma zu gründen, sei von einer Schwangerschaft abgeraten.“ Hilfreicher als der Verweis auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, traditionelle Rollenmuster und den „Grundkonflikt der Emanzipation“, der Selbstständigkeit und Schwangerschaft schwer miteinander verbinden lässt, wären Strategien zur Vereinbarkeit von Existenz- und Familiengründung gewesen, die die Unternehmensplanung direkt berühren. Solche gibt es, sie lassen sich darstellen und zwar ebenso konkret wie in allen anderen Kapiteln, wo die Leserin sich ihre Bausteine aus den angebotenen wählen kann.
„Den Laden schmeißen“ ist ein dennoch Buch, das Mut macht und „nichts anderes will, als die Zahl der (Klein-)Unternehmerinnen vergrößern“. Es macht Spaß darin zu lesen und daraus zu lernen. Eines ist auf jeden Fall so geblieben wie es 1988 schon war: Die Leserin wird auch weiterhin freundlich geduzt.
Andrea Blome

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