Nur noch gestresst?

Jakob Schrenk
Die Kunst der Selbstausbeutung
Wie wir vor lauter Arbeit unser Leben verpassen
Dumont Verlag
Köln 2007
200 S.
EUR 16,90
Haben Sie eigentlich einen planbaren Feierabend? Oder erreicht der Kundenanruf Sie sogar im Supermarkt? Und wann beantworten Sie Ihre Mails? Auch noch abends um 22 Uhr? Schließlich liegt Ihnen das Projekt am Herzen, es geht um einen wichtigen Kunden – wer würde da den Griffel fallen lassen?
Arbeit ist nicht länger lästige Pflicht, sondern knappes Gut geworden, und wir tun längst alles, um sie zu behalten. Ob Arbeitnehmerin oder Selbständige, oft ist kein definiertes Ende in Sicht. Jakob Schrenk hat in seinem Buch „Die Kunst der Selbstausbeutung“ weniger die neuen Selbstständigen im Blick als die Generation der Young Professionals in den angesagten Jobs der New oder der Old Economy. Doch die theoretisch fundierte und eloquent formulierte Analyse der herrschenden Befindlichkeiten und Einstellungen – immerhin ist der Autor nicht Journalist, sondern unterrichtet und promoviert am Münchner Institut für Soziologie – trifft auch die Lebenswirklichkeit vieler Unternehmerinnen. Wir stylen uns und unserer Leben marketinggerecht, wir vernetzen uns, wir halten unseren „Body“ fit, wir sind grenzenlos mobil für die Arbeit, wir sind gestresst und halten dies noch für Selbstverwirklichung. Denn schließlich tun wir dies nicht für den „Klassenfeind“, sondern für uns selbst, unsere Herzensangelegenheit. Schrenks Thesen sind nicht von der Hand zu weisen. Schade finde ich nur, dass er sich im Bemühen, dem gesellschaftlichen Selbstbetrug den Boden zu entziehen, die positiven Chancen außen vor lässt.
Astrid Hochbahn
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