Brief an mein Leben

Miriam Meckel
Brief an mein Leben
Erfahrungen mit einem Burnout
Rowohlt 2010
224 Seiten
18,95 EUR



Eine Frau erzählt von ihrem Burnout. Von ihrem Weg aus dem Burnout. Von der Therapie in einer Klinik im Allgäu. Von Gruppenprozessen, Gesprächen, Grenzerfahrungen, Schweigezeiten, Meditationen und Schlafentzug. Menschen, die eine Therapie erlebt haben, vielleicht auch einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, wird vermutlich wenig von dem überraschen, was sie hier lesen. Dass die Vergangenheit eine große Rolle spielt, Erinnerungen, das Gewordensein, Trauer, Familie, Beziehungen. Dass Rollen gespiegelt werden, Fremd- und Selbstwahrnehmung. Dass ein Leben, das aus den Fugen gerät, mühsam neu definiert werden muss, mit seinen Werten und Wichtigkeiten, Gefühlen und Beziehungen, Verantwortung und Loslassen.

Davon schreibt Miriam Meckel in ihrem „Brief an mein Leben" und lässt die Leserin dabei sehr nah an sich heran. Der Buchmarkt und das Feuilleton sind in Aufruhr, die zweite Auflage wird schon gedruckt. Kein Blatt, das nicht im Interview oder einer Rezension die 220 Seiten-Schrift unters Brennglas legen würde. Schließlich ist die Autorin Miriam Meckel, die ehemals jüngste Professorin Deutschlands, Shooting-Star unter den PR-Profis als Sprecherin der Staatskanzlei in Düsseldorf, Staatssekretärin, dann wieder Professorin, Autorin, Vortragende, TV-Talkerin und schließlich auch die Lebensgefährtin von Anne Will. Ist es das, was die Neugier auf das Buch so antreibt? Der Voyeurismus, etwas aus dem Innenleben einer Prominenten zu erfahren? Oder ist es echte Betroffenheit, dass das Leben auf der Überholspur auch für die Erfolgsverwöhnten irgendwann menschliche Grenzen hat?

15 Jahre lang war Miriam Meckel mit Vollgas unterwegs, war „um die Welt gereist, hatte gearbeitet, geredet, geschrieben, akquiriert, repräsentiert, bis der Arzt kam. Im Wortsinne. Ich habe keine Grenzen gesetzt, mir selbst nicht und auch nicht meiner Umwelt, die zuweilen viel verlangt, mich ausgesaugt hat wie ein Blutegel seinen Wirt. Und das meiste von dem, was ich gemacht habe, hat mir tatsächlich Freude gemacht." Genau das ist die Falle derer, die arbeitend über ihre Grenzen gehen und vor lauter Leidenschaft - und Getriebensein - nicht spüren, dass die Kraft nicht mehr reicht.

Miriam Meckel brach nicht ohne Vorwarnung zusammen. Ihr Körper hatte ihr schon monatelang signalisiert, dass das Pensum zu groß ist, mit Konzentrationsstörungen, Schweißausbrüchen, Schmerzen. „Schwerer Erschöpfungszustand in Verbindung mit einer Infektion der Stoffwechselorgane", lautet die Diagnose des Arztes. Das Wort „Burnout" mag sie nicht. „Der Burnout gehört zum erfolgreichen Berufsleben wie das Eigenheim zur Vorbildfamilie", schreibt sie und zitiert die Süddeutsche Zeitung, die den Burnout beschreibt als „Edel-Variante der Depression und Verzweiflung, die auch im Moment des Scheiterns das Selbsxtbild unangetastet lässt".

Miriam Meckel aber will ihr Selbstbild antasten, dorthin geht sie einen langen Weg. Schließlich gehörte auch sie zu den Erfolgsmenschen, denen Psychokram suspekt war. Bei der Ankunft in der Klinik sieht sie Patienten mit Wolldecken unterm Arm durch die Eingangshalle gehen und denkt sich „Meine Güte".

Die Frage, die ihr Journalistinnen (in Spiegel online) stellen, muss sie sich dennoch gefallen lassen: „Sie schreiben ein Buch über eine Krankheit, die durch zu viel Kommunikation entsteht, und tragen mit einem Buch dazu bei, selbst wieder mitten in einen Diskurs zu geraten. Warum tun Sie das?" Die SZ online nennt sie „Frau Nimmersatt", deren Problem die Gier ist, denn auch aus dem Burn-out schlage sie noch Kapital.

Für Miriam Meckel ist diese Buch-Veröffentlichung Teil der Therapie, wie sie sagt. Was sie mit ihrem Buch vor allem zeigt: Kein Mensch muss aufhören zu denken und seine Arbeit zu tun, nur weil er einen Zusammenbruch hatte. Die Antwort auf das Zuviel muss nicht der komplette Ausstieg aus dem bisherigen Leben sein. Es kann auch anders weitergehen.
Miriam Meckel tut das, was sie am besten kann und am liebsten tut: denken, schreiben und kommunizieren. So ist ihr Buch. Ein sehr filigranes Stück aus Literatur, Philosophie und Persönlichkeit.

Dass es sich gut verkauft, mag man für einen PR-Coup in eigener Sache halten. Man kann ihr den Erfolg aber auch einfach gönnen.

Andrea Blome

 

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