Wasserblau

Monika Goetsch
Wasserblau
Roman
Dörlemann Verlag, Zürich 2010
240 Seiten, EUR 18,90

 



Ein heißer Sommer in den 1970er Jahren in einem Dorf irgendwo in Süddeutschland. Hier verbrachte Ellen ein halbes Jahr ihrer Kindheit. Hierher zog sie mit ihren Eltern, die den Traum vom Neuanfang verwirklichen wollten. Im Reihenhäuschen in der Provinz, mit sauberen Vorgärten, aufgeräumten Terrassen, wachsamen Nachbarn. Der Vater als Rechtsanwalt in der Hoffnung auf Erfolg in seiner Kanzlei, die Mutter zurückgeworfen auf die Rolle der Hausfrau mit einem und bald zwei kleinen Kindern. 

An diese Zeit will sich Ellen erinnern. An diesen Ort kehrt sie zurück. Sie, die mit Mann und Kind in Hamburg lebt, mit dem zweiten schwanger ist. In der Überforderung des Alltags folgt sie einer inneren Unruhe und einem Anruf, der sie in die Vergangenheit zieht. 

Die Tochter begibt sich auf Spurensuche. Sie taucht ein in die Geschichte ihrer Familie. Sie entdeckt das Leben ihrer Mutter und findet darin auch ihr eigenes. 

Dass ihre Mutter an dem Idealbild ihrer Zeit fast zugrundegeht, erschließt sich die Protagonistin Stück für Stück. Vorbei "an den verdammten Vorhängen" der Siedlung, in der ein Haus wie das andere aussieht, folgt sie dem Weg zurück. Sie entdeckt ein Leben in der Überforderung, Ängste und Sehnsüchte, Verletzungen, die bis in den Krieg zurückreichen. Die Flucht in Alkohol und Depression, in eine neue Liebe. Und schließlich eine Familientragödie, die ihr bis ins Erwachsenenenleben verschwiegen worden war.

Monika Goetsch hat einen berührenden Roman über ein Familienleben in den 1970er Jahren geschrieben, in der die Hollywood-Schaukel im kleinen gepflegten Garten Symbol des Traums vom besseren Leben war. In der verschwiegen und versteckt wurde, was nicht sein durfte. Und so ist ihr Buch viel mehr als eine Mutter-Tochter-Geschichte oder der spannende Roman einer Familientragödie, es ist ein faszinierendes Bild einer Zeit, die auch im Privaten oft bleiern war. 

Monika Goetsch ist Journalistin, sie ist auch Krimi-Autorin. Wasserblau ist ihr erster Roman. Und der kommt in einer klaren, schnörkellosen Sprache daher. Monika Goetsch braucht nicht viele Adjektive, diese manchmal aufdringlichen Stimmung erzeugenden Beigaben, um die Leserin in die Atmosphäre einer Generation mitzunehmen. Sie erzählt sensibel und eindringlich ein trauriges literarisches Stück Wirklichkeit.

Andrea Blome


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