Die Folgen der Flut

Leben mit der Katastrophe

18.11.2011, 21:48 von Nicola Glass

Kein Tag ohne Fluten - und dabei habe ich noch Glück gehabt. Denn der Distrikt im Süden von Bangkok, in dem ich lebe, ist weitgehend verschont geblieben. Aber in anderen Teilen "meiner" Stadt war oder ist immer noch "Land unter". Es sind die schwersten Überschwemmungen seit 50 Jahren im Land. Für viele Thais ist nichts mehr so, wie es einmal war.



Bizarr daran ist: Man hat das Gefühl, in zwei Welten zu leben. Während weite Teile der Innenstadt trocken geblieben sind und etliche Menschen dort scheinbar unberührt ihrem Alltag und ihrer Arbeit nachgehen, Kaffee trinken oder Essen gehen, kämpfen andere um ihre nackte Existenz. Besonders schlimm hat es die Randbezirke Bangkoks und nahe gelegene Provinzen erwischt. Immer wieder klagen Bewohner darüber, dass sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Und der Zoff um Zuständigkeiten zwischen Regierung und Opposition hat den Frust verschärft.

Kinder und ihr selbst gebautes Boot / Foto: Holger Grafen

Kinder und ihr selbst gebautes Boot / Foto: Holger Grafen

Vor ein paar Tagen bin ich nochmal in den Bangkoker Westen gefahren, in eine Gegend, die ich Mitte Oktober schon einmal besucht habe. Nahe der Charansanitwong, einer langen Verkehrsrader, stand bis vor einiger Zeit alles unter Wasser. Ein paar Straßenzüge sind jetzt wieder einigermaßen trocken. Aber die Folgen der Flut sind noch überall spürbar: Über der gesamten Gegend hängt an diesem heißen, sonnigen Nachmittag eine Dunstglocke von Müll- und Abwassergestank. Mit Schrubbern und Schläuchen haben die Menschen angefangen, die Überreste des dunklen, teils verseuchten Wassers zu beseitigen. Viele Regale in den Läden sind gähnend leer - die Besitzer müssen wieder bei Null anfangen. Es ist ziemlich still in diesem Viertel - völlig untypisch für das ansonsten so quirlige Bangkok. Manche Bewohner arbeiten in verbissenem Schweigen, andere lächeln mich an.

 

"Ich habe Glück gehabt, das Wasser hat meinen Laden nicht erreicht", begrüßt mich Chartri Chainiramitkul erleichtert, der in seinem kleinen Geschäft Gebrauchsgegenstände aller Art verkauft und mich von meiner ersten Stippvisite wieder erkennt. Dafür aber sei sein Badezimmer drei Tage überschwemmt gewesen, erzählt er, weil die Wassermassen durch die Rohre hoch gedrückt wurden. Nur ein paar Meter von Chartris Ladeneingang entfernt sind Abschnitte der Charansanitwong immer noch überflutet. Busse und Militärtrucks bahnen sich nur langsam und mühsam ihren Weg durch die dunkle Brühe, die mit jedem Tag schmutziger wird. Auch wenn es niemand laut ausspricht, spüre ich deutlich: Die Menschen machen sich Sorgen. Und sie fragen sich, wie lange die Krise noch dauern wird.

Die Fluten haben die Randbezirke Bangkoks schwer getroffen, Foto: Holger Grafen

Die Fluten in Bangkok, Foto: Holger Grafen

Vor allem die freiwilligen Helfer schuften teils rund um die Uhr. Einer der Orte, wo die Nothilfe koordiniert wird, ist das "National Stadion" im Herzen Bangkoks. Die Freiwilligen möchten vor allem den Menschen das Leben ein bisschen leichter machen, die schon seit Wochen im stehenden, stinkenden Wasser ausharren. Zum Beispiel lagern im hinteren Teil des Stadions Berge von Bambusrohren. Geschickte Hände fügen diese zu einer etwa zwei mal zwei Meter großen Fläche zusammen. Anschließend werden darauf Dutzende, mit leeren Plastikflaschen gefüllt Säcke festgebunden - fertig ist das Floß. Nebenan gibt es außerdem ein kleines Depot schwimmender Toiletten, die bald ausgeliefert werden sollen.

Im National Stadion bauen Helfer ein Bambusfloss, Foto: Holger Grafen

Im National Stadion bauen Helfer ein Bambusfloss, Foto: Holger Grafen

Einen Katzensprung entfernt hat eine thailändische Stiftung eine Art Freiluftbüro eingerichtet. Einige Mitarbeiter mussten selbst vor den Fluten flüchten. So wie Nisha, eine junge Frau, die mich freundlich fragt, ob sie mir irgendwie weiterhelfen kann. Im Gespräch erfahre ich ihre persönliche Geschichte: Dass ihr Zuhause in Pathum Thani, einer Provinz nördlich von Bangkok, schon seit Wochen unter Wasser steht. Ihre Familie ist vorübergehend Richtung Südosten gezogen, dorthin, wo sie vor Überschwemmungen sicher ist. Nisha aber hat sich anders entschieden. Sie möchte anderen Betroffenen helfen, bis das Ärgste vorbei ist. Und hofft natürlich, dass auch sie dann möglichst schnell wieder nach Hause zurück kann.

Aufräumen nahe der Charansanitwong, Foto: Holger Grafen

Aufräumen nahe der Charansanitwong, Foto: Holger Grafen

 






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03.12.2011, 10:57
Frank Krumnöhler
Glückwunsch, Grüße und Dank von Frank

25.11.2011, 05:49
Maxi
Phantastisch, Niki! Du hast es geschafft! Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die tollen Eindrücke!

24.11.2011, 18:44
Anke
Danke! Und herzliche Grüße von Anke


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Es sind die "etwas anderen" Geschichten, die ich aus Bangkok, aus Big Mango, erzählen möchte, über Eindrücke, Begegnungen, Erlebnisse, die mich in Thailand und auf meinen Reisen innerhalb Südostasiens berührten. Die Spuren hinterlassen haben, weil sie mich froh, traurig, nachdenklich stimmten. In einer Zeit der immer schneller wechselnden Schlagzeilen finde ich es wichtiger denn je, auch über Themen zu schreiben, die sich dahinter verbergen. Und über die Freuden, Sorgen und Hoffnungen von Menschen jenseits des aktuellen Geschehens. Menschen, die für etwas stehen, die sich engagieren, die Interessantes zu erzählen haben. Südostasien gibt so viel her, wegen seiner Vielfalt an Ländern, Religionen und Ethnien. Diese meine Eindrücke möchte ich teilen.

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