Himmel und Alltag
Zu Besuch im Bestattungsunternehmen InMemoriam

Den Tod ins Leben holen. Das ist für viele ein beunruhigender Gedanke. Mechthild Schroeter-Rupiper geht mit Weiterbildungsgruppen auch zu Bestattern. Bei InMemoriam in Aachen fand sie das, was sie suchte: Himmel und Alltag.
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Mit dem Vorsatz, immer wieder die vielfältigen Trauer-Themen zu wechseln, möchte ich während eines Seminars in Aachen einen weiteren Text für den Blog schreiben. Und nun erleben Sie eine Fortsetzung des vergangenen ...
Für die Servicestelle Hospizarbeit/Palliatives Netzwerk für die Region Aachen e.V. biete ich einen Qualifizierungskurs für Familientrauerbegleitung im Aachener Bildungswerk an.
In der Mittagspause besuche ich mit einer Teilnehmerin das Bestattungshaus InMemoriam, dessen Motto „bestatten begleiten begegnen" heißt. Dieses Haus möchte ich im Frühjahr mit allen Kursteilnehmern besichtigen, damit sie nicht erst zur persönlichen Trauerzeit einen Einblick in das Bestatterwesen bekommen.
Im Rahmen des Kurses und mit dieser Besuchergruppe kann ich dann die Fragen stellen:
- Darf ich einen Verstorbenen zu Hause aufbahren?
- Ist eine offene Aufbahrung auch bei Verstorbenen möglich, die einen Suizid begangen haben?
- Wie sieht jemand nach einem Tod auf den Eisenbahnschienen oder durch Erhängen aus?
- Was kostet ein Sarg? Was kostet eine Urne?
- Warum liegt im Sarg eine Decke? Der Tote friert doch gar nicht mehr ...?
- Woran muss ich denken, wenn jemand in meiner Familie stirbt?
- Nutzen Sie in Ihrem Bestattungshaus die Thanatopraxie?
D.h. den Austausch der Körperflüssigkeiten durch Einbalsamierungsflüssigkeit. Durch eine thanatologische Behandlung kann ein Verwesungsvorgang chemisch verringert werden. Unfall- oder Suizidtote können kosmetisch, operativ behandelt werden, was manchmal für einen guten Abschied notwendig ist.
Aber ... damit ist noch etwas ist wichtig zu wissen:
In jedem Bestattungshaus, in dem ein Leichnam OHNE Kühlung, sprich Klimaanlage über einen längeren Zeitraum, über Tage, aufgebahrt wird, wurde der Verstorbene wahrscheinlich thanatologisch behandelt. Die Körperflüssigkeiten ausgetauscht, alle Körperöffnungen durch manuelle Eingriffe verklebt oder vernäht.
Das wissen viele trauernde Angehörige nicht. Sie unterschreiben „Wir arbeiten mit der Thanatopraxie ...", in dem Glauben, das wäre bei Bestattern normal.
Nein, normal ist das nicht - es ist eine Spezialbehandlung, die aber in bestimmten Todesfällen eine gute Möglichkeit sein kann. Deshalb: Überlegen Sie gut, ob Ihr Verstorbener damit einverstanden wäre oder Sie es heute - mit diesem Wissen - sind.
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Nun zurück im InMemoriam: Wir öffnen die Tür des Bestattungshauses und werden direkt von Regina Borgmann und Christa Dohmen-Lünemann herzlich begrüßt. Gerade rechtzeitig sind wir da, um eine Führung durch die Räume mitzuerleben.
„Mitzuerleben", das ist hier der richtige Ausdruck! Es gibt Urnen in Ei-Form, die an Übergänge oder Wunder wie die Geburt und das Leben nach dem Tod erinnern.
Wandbilder aus Steinen gelegt - Zeichen von Trittsteinen in der Trauer, Zeichen der Erinnerungen. Aufbahrungsräume, in denen Trauernde beim Verstorbenen am offenen Sarg Abschied nehmen, d.h. erinnern, weinen, reden, umarmen, schimpfen, schweigen und auch lachen - also mit allen Sinnen den Tod begreifen können.
Es gibt einen Innenhof, der durch den offenen Raum einen Blick auf die Wolken - aber auch auf Nachbarhäuser freigibt.
Auf Wolken und Nachbarhäuser: Das heißt auch: Himmel und Alltag. Ja, beides kann manchmal so nah beieinander liegen. Das ist gut so.
Und dann gehen wir zum Schluss in den letzten Raum, den „Hygieneraum". Und dieser Raum ist eigentlich der Grund, warum ich heute eine Fortsetzung vom letzten Blog schreibe. „Hygieneraum" bedeutet bei vielen Bestattern: Ein gekachelter Raum, in dem eine übergroße Edelstahlspüle steht, auf der die Verstorbenen gewaschen oder abgeduscht werden.
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Aber: Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Tote gewaschen werden? Würde ich heute an einem Herzinfarkt sterben, glauben Sie mir, ich wäre nicht schmutzig. Und deshalb möchte ich auch nicht unbekleidet auf einer Spüle von Bestattern geduscht werden. Und - ich denke, Sie kennen nun schon meine Frage - ... Sie vielleicht?
Einen Verstorbenen zu waschen ist ein heilsames Ritual in der Trauer.
Es bedeutet, einen toten Menschen gut zurecht machen; das vielleicht verschwitzte Gesicht zu waschen oder auch die Hände oder die Füße. Ja, vielleicht auch eine Einlage zu wechseln, was man vielleicht auch schon in der Pflege zu Hause gemacht hat. Meist keine unbekannte Handlung.
Und beim Waschen begreifen Sie: Mein geliebter Mensch bewegt sich nicht mehr, er antwortet nicht auf die Fragen, die Vorwürfe, die Liebesbekundungen. Er ist kalt, vielleicht sogar steif (die Leichenstarre legt sich nach einigen Stunden wieder), er ist wohl tot ... ja, er ist tot.
MEINEN Mann, MEINE Frau, MEIN Kind, MEIN Elternteil waschen und anziehen, kann eine wichtige Re-Aktion in der Trauer sein. Vielleicht auch ein Liebesdienst, ganz sicher ein bewusstes Abschied-Nehmen, Abschied-Geben.
Es kann gut tun - auch wenn der Anlass so traurig ist.
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Zurück nach Aachen in den Hygieneraum vom „InMemoriam".
Ich blicke umher, suche die „Spüle". Sehe nur ein Waschbecken.
Ich frage nach ... und erhalte die Antwort: „Unsere Verstorbenen sind in der Regel nicht schmutzig. Wir haben hier ein Waschbecken, in dem Schrank dort hinten liegen Waschlappen, Seife und Handtücher. Oft liegt der Verstorbene im Sarg, wenn wir mit einem feuchten Waschhandschuh ihm noch einmal „durchs Gesicht" gehen. Aber das dürfen natürlich auch die Angehörigen machen. Eltern sind das bei ihren Kindern gewohnt, ebenso Angehörige, die den Verstorbenen zu Lebzeiten gepflegt haben. Warum nicht auch jetzt hier, das letzte Mal?"
Ja natürlich. Wie normal. Und wie schön, dass ich hier Bestatterinnen treffe, die mit Verstand, Unternehmergeist, mit Herz und Seele, ja, mit Waschlappen und Seife in ihrem Geschäft sind.
Unglaublich! Ich fasse es nicht! Wie wunderbar, Leute aus meiner „Szene" zu treffen, die ähnliches Denken und Handeln lebbar machen! Ganz einfach - ganz besonders.
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... ah ja, aber vielleicht doch noch ein Test: Ich sage: „Hören Sie mal: Was mich auch noch interessiert: Wie transportieren Sie die Verstorbenen aus dem Haus. Mit dem Sarg oder auf einer Bahre in so einem Plastiksack?"
Die Antwort lautet: „Wissen Sie, der Transport in einem Sarg, das wäre zu sperrig und schwer. Wir nehmen da die Bahre. Aber, schauen Sie sich ruhig um: einen Sack zum Transportieren werden sie hier nicht finden. Das brauchen wir nicht. Klar, wenn wir beim Abholen dabei sind, können wir als Frauen nicht so schwer tragen, wie es oft Männern möglich ist. Aber wir fragen manchmal auch die Angehörigen, ob sie mithelfen möchten. Und, die, denen das möglich ist, machen das auch. Auch das ist eine Art anzufangen, Trauer anzupacken, zu verarbeiten.
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Liebe Leserinnen und Leser! Wissen Sie, was ich Ihnen rate: Schauen Sie sich Bestattungshäuser in Ihrer Umgebung schon heute - okay - oder morgen an. Nicht erst, wenn ein Todesfall da ist.
Ist der Tod bei einem Angehörigen eingetreten, wird es Ihnen gut tun, zu wissen, welchen Bestatter oder welche Bestatterin Sie anrufen und um Hilfe und Unterstützung fragen. Und wie schön, wenn auch der Bestatter oder die Bestatterin Sie kennt, weil sie schon miteinander gesprochen haben.
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Es gibt da einen simplen Vergleich. Als ich schwanger war, schaute ich mir Krankenhäuser für die anstehende Geburt an. Beim meiner letzten Geburt wollte ich gerne eine Unterwassergeburt haben. Dafür musste ich mir ein Krankenhaus VORHER aussuchen. Das war wichtig! Denn ich kann ja nicht mit Presswehen in das nächstbeste Krankenhaus hereinkommen, in den Kreissaal gehen und entsetzt sagen: „Ach, hier kann ich gar nicht in die Wanne zur Geburt gehen? Dann gehe ich eben woanders hin..." Wer Presswehen kennt, weiß, dass die Chance in diesem Moment, für diese Geburt vertan ist.
... und beim Tod ist es ähnlich. Im Trauerschmerz habe ich oft nicht die Kraft, den Bestatter zu wechseln. Wenn Sie den Tod aus Ihrem Leben nicht ausgrenzen, dann stehen Ihnen viele Möglichkeiten offen. Vielleicht auch ein Haus wie „InMemoriam". Ja, so ein Haus ist selten, aber nicht einzigartig - zum Glück!
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15.12.2009, 19:48
Georg R.
Es ist immer wichtig, sich auch über Bestattungsgeschäfte zu informieren. Und das InMemoriam in Aachen kennen zu lernen, lohnt sich wirklich.




