Auszeiten - Glückszeiten
Legen Sie sich einen Glücks-Vorrat für harte Zeiten an

Eine natürliche Begabung von Kindern ist es, Trauer und Freude nebeneinander zu leben. Sie nehmen auch in schweren Zeiten wahr, dass es Dinge gibt, die dennoch Spaß machen. Dadurch nehmen sie sich ungefragt eigene Auszeiten. Das hilft, extreme Krisenzeiten psychisch gesund zu überleben. Viele Erwachsene haben das oft verlernt. Nicht nur in Trauerzeiten, auch im Alltag, wenn Arbeit, Familie, Stress etc. drohen, einen immer mehr - ganz und gar? - einzuvernehmen.
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Ich weiß aktuell, wovon ich rede. Erst recht, weil ich heute einen Urlaubstag auf dem Berg hatte. Bilderbuchmäßig. Eine gute Skipiste. Das Skilaufen nicht verlernt. Mittagspause an einer Berghütte, drum herum Schnee, am Himmel - Sonne ... erst hinter den Wolken, dann kam sie richtig raus.
Ich saß dort in der Pause, die Skier abgestellt. Im Liegestuhl. Über die Kopfhörer hörte ich ein gutes Lied, schickte noch eben per Gedanken einen versprochenen herzlichen Gruß in ein graues Arbeitszimmer und genoss meine Auszeit.
Als Trauerbegleiterin zu arbeiten und nicht auf Auszeiten, gute Momente, Fröhlichkeit, ja auch auf Sonne - und wenn sie „nur" hinter Wolken ist - zu achten, wäre schade. Wie wollte ich da Menschen eine Unterstützung geben, wenn ich einseitig leben würde? Wie wollte ich selber in schwierigen Zeiten überleben?
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Als Trauernder nur die Trauer zu leben, kann lähmen, blind machen für gute Momente, die tatsächlich auch dort sind, wo zur Zeit. überwiegend Traurigkeit herrscht.
Schön wäre es, Stück für Stück zu lernen, wenigstens einmal am Tag die Trauer beiseite zu schieben, um einmal nachzufühlen, was es sonst noch so gibt, um mich herum, manchmal sogar ganz in der Nähe - manchmal weiter weg, aber vielleicht über eine Mail, einen Brief, ein Telefonat schnell erreichbar.
Besonders hilfreich ist es natürlich, wenn ich als Trauernder in meinem Leben schon vor der Trauer gute Momente, das Gefühl von Glücklichsein, Fröhlichkeit, Liebe, Auszeiten, Genuss ... kennengelernt habe. Dann weiß ich - und wenn es nur im Hinterkopf ist, dass es außer der Traurigkeit noch etwas gibt, was es auch schon vorher in meinem Leben gab. Was mir auf der einen Seite Kraft geben kann und auf der anderen Seite vielleicht Ansporn ist, auch wieder darauf hin zu arbeiten.
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Um Glück auch in Trauerzeiten empfinden oder zumindest ahnen zu können, muss man vorarbeiten. Glücksprävention im „ganz normalen" Alltag, ja auch im Arbeitsalltag, begehen.

Das könnte u.a. ein Urlaubstag sein, eine Fahrradtour, der Blick an den Abendhimmel, eine gute Unterhaltung, eine nette Mail, eine gute Musik, Momente mit Freunden, Familie, mit sich alleine, kleine Arbeitspausen, eine gute Tasse Kaffee oder das frisch gezapfte Bier. Es kann auch Arbeit sein, wenn der Ausgleich stimmt. Es muss nichts „Großes" sein, Glücksmomente lassen sich ja nicht unbedingt an der Größe messen.
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Kennen Sie das Bilderbuch „Frederik" von Leo Lionni? Darin
sammeln die Mäuse einen Vorrat für den Winter: Nüsse, Samen ...
Die Maus Frederik
sammelt in dieser Zeit andere Reserven: Farben, Worte ... weitere Dinge, die zum
Überwintern (Überleben) wichtig sind.
Nur Körner - könnten zu wenig sein. Nur Bilder allerdings auch.
Nur Glück allein oder nur permanenter Stress geht auch nicht.
Bei mir ist es zurzeit der Schnee, die Sonne und die Zeit zu haben - ja, jetzt und hier für die existenzielle zu bloggen. Weil der Ausgleich grade stimmt.
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Ich wünsche Ihnen neben einer frohen und gesegneten Osterzeit auch im Alltag schöne, manchmal aufregende, manchmal beruhigende aber immer wieder gute Auszeiten.
Legen Sie sich einen Vorrat für harte Zeiten an, schaden kann es nicht.
... und eines würde mich ja tatsächlich interessieren, auch als Erfahrungsbeispiele zum Weitererzählen: Wie sorgen Sie vor?
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03.04.2010, 15:29
Thomas
Musik hören und Musik machen können bei mir Glücksgefühle auslösen, ausdrücken oder zumindest gut tun. Aber ehrlich, das war mir bisher noch nicht so bewußt, dass ich mir dadurch auch etwas "Gutes" in schweren Zeiten gönnen kann. Aber es ist logisch, wenn ich das lese. Danke, Gruß Thomas
02.04.2010, 18:30
Agnes Hümbs, Ethik Consult
Liebe Frau Schroeter-Rupieper! Gute Frage, die mit dem Vorsorgen. Ich z. B. lebe gerne nach dem Wetter. Wenn der Regen auf mein Dachfenster prasselt, sitze ich gerne darunter und lese. Wenn es windet, sitze ich gerne im Garten windgeschützt im Strandkob und döse. Das Glücksgefühl dieser Momente hält manchmal Tage lang. Beste Grüße Agnes Hümbs, Ethik Consult www.ethikconsult.de www.gesund-mit-krebs.de




