Vorarbeiten für den Sommer

09.07.2010, 11:14 von Monika Goetsch

Draußen ist Sommer, ich habe zu tun. Ganz viel sogar. Es ist nämlich so: Die ersten Auftraggeber fahren jetzt in den Süden. Sie wohnen in irgendeinem Bundesland, in dem schon Ferien sind. Vielleicht haben sie auch keine Kinder und sausen davon, bevor es zu spät ist. In die Ferien fahren gehört ja immer noch zum Besten, was es gibt.



Leider sieht keiner, was diese Glücklichen in den vergangenen Tagen alles durchmachen mussten. Sie haben gerackert und geschuftet. Die Zeit ist ihnen knapp geworden. Sie haben To-Do-Listen geführt und zeitgleich nach T-Shirts mit Lichtschutzfaktor gegoogelt. Sie haben herauszufinden versucht, welche Flip Flops wirklich bequem sind, formschön und noch bei vierzig Grad wie ein kühles, weiches Bett. Sie haben daran gedacht, ihre Zeitung abzubestellen und den Nachbarn wegen der Blumen Bescheid zu sagen und eine Out-of-office-Mail einzurichten.

Und sie haben ein besonderes Bedürfnis entwickelt, endlich sämtliche Kellerleichen zu sichten und vernichten. All das haben diese bedauernswerten Kollegen ZUSÄTZLICH zur eigenen Arbeit verrichtet, die einem ja auch kein anderer abnimmt, und zugleich haben sie versucht, herauszufinden, was in den kommenden Wochen zu arbeiten sein wird. Wahrscheinlich haben sie dann, je nach ihren Möglichkeiten, sogar vorgearbeitet.

Foto: Günter Havlena / pixelio.deUnd irgendwann, im höchsten Stress, haben sie den Tag ihrer Rückkehr vor sich gesehen. Das schwächende Jetlag. Der Kaltstart nach drei viel zu kurzen Wochen am Meer. Sie betreten ihr Büro. Alle wirken geschäftig. Briefe und Manuskripte stapeln sich bis zur Decke, Hunderte von Emails fluten den Computer. Dazu finden die Rückkehrer das Schlimmste vor, was sie alpträumen können: Planungslücken in den Magazinen und Zeitungen, große, leere Flächen, die sie zu verschlingen drohen.

In ihrer Verzweiflung rufen sie mich an, gerade noch rechtzeitig, bevor ihr Flieger geht. Delegieren ist das Geheimnis, denken sich die Redakteure. Also delegieren sie. So bin ich zu einer Reihe schöner Aufträge gekommen. Allerdings habe ich versprochen, alle vor Beginn meiner Ferien zu erledigen. Ich muss mich also ein bisschen beeilen. Zeitgleich werde ich versuchen herauszufinden, welche Flip Flops ich kaufen soll und wie man eine Out-office-Mail einrichtet, ich werde darüber nachdenken, ob ich den vor zwei Jahren recherchierten und vor einem Jahr angefangenen Artikel noch schreibe oder mich besser endlich dafür entschuldige, ihn nicht zu schreiben.

Ich werde ein paar Wochen ganz arm dran sein, weil ja noch dazu zwei Schulfeste zu feiern sind und das Nachbarschaftsfest und das Hoffest, das Mittagsbetreuungsfest und das Fußballturnierfest und außerdem ein paar Durchreisende bei uns übernachten und man ab und zu mit Freunden und Kindern im Biergarten hocken will, ja doch, das auch.

Aber dann, wenn alles ab- und vorgearbeitet ist, geht der Sommer richtig los. 






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11.07.2010, 12:04
Monika Goetsch
Liebe Frau Stelzer, wie gut, dass es anderen auch so geht. Aber Ferienhaus in Norwegen: Das klingt, bei gutem Mückenschutz, doch großartig! Viel Spaß und gute Nerven vorab, Ihre Monika Goetsch

11.07.2010, 11:56
Sonja Stelzer
Liebe Frau Goetsch Einfach perfekt beschrieben, die tägliche Überlegung vor dem eigenen Urlaub (Ferienhaus in Norwegen, Ende Juli). Auftrag 2 Tage vorher anzunehmen oder abzulehnen, Kindergarten Ferien, Mama, Mama!!! Kann ich eine Verabredung machen????? Wo bekomme ich Personal her? Gibt es einen Internetzugang im Haus am Fjord? Stehen die nicht angerührten Wäscheberge unter Naturschutz? Eine schöne, entspannte Urlaubszeit wünscht Sonja Stelzer


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Kinder haben und berufstätig sein: das passt nicht ganz so gut zusammen wie Pommes und Ketchup. Kinder patschen auf der Tastatur herum, schreien, wenn Mama telefoniert und werden grundsätzlich krank vor wichtigen Terminen. Sind sie größer, belauschen sie jedes Telefonat, linsen einem beim Tippen neugierig über die Schulter und stellen anspruchsvolle Fragen: „Was arbeitest du eigentlich, Mama? Du sitzt doch immer nur am Computer herum!" Kinder sind nun mal lustige Zeitgenossen, die einem mehr übers Leben und Lieben verraten als so mancher Erwachsene. Und das Beste ist: Sie mischen den Laden nicht nur gut auf. Sondern sind bisweilen sogar ziemlich inspirierend.

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