Allein zu Hause

19.08.2010, 12:42 von Monika Goetsch

Ich habe eine Woche für mich allein. Das passiert einmal im Jahr. Mein Mann und die Kinder fahren zur Oma. Ich bleibe zu Hause. Ich arbeite. Ich sitze in Cafés. Ich mache Sport. Dann arbeite ich wieder. Ich arbeite abends. Frühmorgens. Manchmal auch nachts. Es ist wunderbar, jederzeit arbeiten zu können. 



Ich habe eine Woche für mich allein. Das passiert einmal im Jahr. Mein Mann und die Kinder fahren zur Oma. Ich bleibe zu Hause. Ich arbeite. Ich sitze in Cafés. Ich mache Sport. Dann arbeite ich wieder. Ich arbeite abends. Frühmorgens. Manchmal auch nachts. Es ist wunderbar, jederzeit arbeiten zu können.

Nachmittags habe ich regelmäßig das Gefühl: Jetzt ist es genug. Du wirst keine Zeile mehr schreiben können. Der Rücken tut weh. Es ist vorbei. Aber dann ruhe ich mich eine Weile aus, esse etwas Einfaches, falte das bisschen Wäsche, das ich in dieser Woche zu waschen habe, und fange wieder zu arbeiten an.

Ich habe nicht ausgerechnet, wie viele Arbeitsstunden ich dadurch gewinne, dass ich allein bin. Es müssen unendlich viele sein. Alles fällt weg: Haushalt, Kocherei, Kinder trösten. Bettgehrituale, Aufweckrituale, alles. In dieser einen Woche im Jahr fühle ich mich so, wie sich die Frauen fühlen müssen, für die es all die Zeitschriften gibt. Schöne, gerade richtig gut beruflich strapazierte Frauen, die nach der Arbeit nach Hause kommen, hellrosa Wellnessklamotten und dicke Wollsocken anziehen und es sich, wie es in den Frauenzeitschriften heißt, „auf dem Sofa gemütlich machen". Die Sonne geht dann langsam unter. Der Tee dampft in der Tasse. Ein gutes Buch liegt auf dem Holzparkett. Soll man wirklich lesen? Mit einer Freundin ins Kino gehen? Oder eine nährende Crememaske auflegen? Das sind die Fragen, die sich die Leserinnen der Frauenzeitschriften stellen. Es sind auch meine Fragen, in dieser Woche.

Foto: bbroianigo / pixelio.deZum Beispiel gestern Abend. Als es geregnet hat. Gegen fünf kam ich von einem Termin. Ich habe die Jacke in den Flur geworfen und auf den Anrufbeantworter geschaut. Ich habe Mails gecheckt und mein Handy begutachtet. Ich war aufgeregt. Ich wusste nicht, wie ich von der Aufregung runterkomme. Man kann doch nicht immer lesen und schreiben. Gegen sechs habe ich eine Freundin angerufen. Ob sie, eventuell, wenn der Himmel aufklart, eine Runde mit mir walken geht. Oder, wenn der Regen bleibt, einen Cocktail trinkt. Oder so. Ich habe gewartet. Die Freundin hat nicht zurückgerufen. Also gut, habe ich gedacht. Mach es dir gemütlich. Ich habe keine schönen Wellnessklamotten, aber etwas Ähnliches, Graues.  Das hab ich angezogen. Aber gemütlich gefühlt habe ich mich nicht.

Also habe ich entschieden, nützlich zu sein. Wenn du den Abend schon nicht genießen kannst, sei wenigstens nützlich, habe ich gedacht und Altpapier zusammen gesammelt. Auf dem Weg zum Müll habe ich eine Nachbarin getroffen: „Seid ihr noch nicht verreist?", wollte die Nachbarin wissen. „Mein Mann und die Kinder sind weg. Ich nicht", habe ich gesagt. „Das ist meine gute Woche", habe ich gesagt. „Die Woche, auf die ich mich 51 Wochen im Jahr freue." Ich hätte das nicht sagen sollen. Es klang nicht echt. „Oh", hat die Nachbarin gemacht. Dann ist sie mit Behagen an der Seite ihres Mannes zu ihren Kindern ins Haus geschlendert. Eine Woche, habe ich gedacht. Gut, dass es nicht länger ist.






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23.08.2010, 17:21
Monika Goetsch
Liebe Barbara, danke für deinen Hinweis, das klingt mindestens genauso stressig wie ein Leben mit Kindern und Beruf. Wahrscheinlich gibt es die Wellnessklamottensockencouchtage gehäuft nur in den Magazinen, wie viele andere Dinge auch. Ich wünsch dir jedenfalls, dass du so bald wie möglich einen hast!

23.08.2010, 17:14
Barbara
Ich finde es sehr interessant welche Vorstellungen Mütter vom Leben einer Frau ohne Kinder haben. Selbstverständlich haben Mütter das stressigere Leben, sind von Morgens bis Abends für Ihre Kinder, Männer und ihre Arbeit da und da bleibt kaum Zeit für sich selbst. Doch ich als ledige Frau kann nicht sagen, dass ich oft Zeit habe für diese Wellnessklamotten-Tage. Außer ich habe Urlaub, dann wird erst einmal alles liegengebliebene abgearbeitet, danach fängt irgendwann die Entspannung an und kaum hat man sich versehen ist der Urlaub auch schon wieder um. Ich arbeite täglich zwischen 12 und 14 Std., stehe früh auf, räume die Küche vom Vorabend auf und fahre zur Arbeit. Der Tag hat begonnen, die Stunden laufen an mir nur so vorrüber und dann ist´s schon wieder 21:00 Uhr und ich \"kann\" nach Hause fahren. Jeden Abend stellt sich die gleiche Frage, \"was mache ich oder mein Partner zu Essen und wieviel Zeit habe ich dafür, habe ich alle Lebensmittel die gebraucht werden oder lohnt sich das Gericht zeitlich nicht mehr zu kochen? Gehst du jetzt duschen oder nach dem Essen, wenn du gerade merkst dass du es nicht mehr in die Dusche schaffst?\" So oder so ähnlich geht es fünf Tage die Woche und am Wochenende steht Buchführung, Haushalt, Einkaufen und Garten auch noch auf dem Plan. Also keine Sorge an all die Mütter da draußen..., uns selbstständigen Frauen bleibt der Wellness-Klamotten-Socken-Couch-Fläätz-Tag auch öfter verwehrt wie gedacht. ... Wünsche allen noch viele schöne angenehme W-K-S-C-F-Tage

21.08.2010, 15:41
Mechthild
Unglaublich! Ich sitze hier und muss so lachen ... weil es so klasse geschrieben ist, ... und sich bestimmt viele wieder erkennen werden. Ich z.B. ... und muss trotzdem lachen. :-)


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Kinder haben und berufstätig sein: das passt nicht ganz so gut zusammen wie Pommes und Ketchup. Kinder patschen auf der Tastatur herum, schreien, wenn Mama telefoniert und werden grundsätzlich krank vor wichtigen Terminen. Sind sie größer, belauschen sie jedes Telefonat, linsen einem beim Tippen neugierig über die Schulter und stellen anspruchsvolle Fragen: „Was arbeitest du eigentlich, Mama? Du sitzt doch immer nur am Computer herum!" Kinder sind nun mal lustige Zeitgenossen, die einem mehr übers Leben und Lieben verraten als so mancher Erwachsene. Und das Beste ist: Sie mischen den Laden nicht nur gut auf. Sondern sind bisweilen sogar ziemlich inspirierend.

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