Neulich war Montag

28.01.2010, 17:08 von Monika Goetsch

Neulich war Montag. Es heißt ja, man gewöhne sich an alles. Aber die Montage kenne ich inzwischen schon ziemlich lange. Gewöhnt habe ich mich an sie noch nie. Früher, als ich noch festangestellt war, kroch das Montagsgefühl schon am Sonntagnachmittag in mich hinein. Diese Vorahnung, dass es eine Welt da draußen gibt. Termine. Pflichten. Herausforderungen, vor denen man sich ein bisschen fürchtet.



Das Montagsgefühl: Es ist ein Frösteln vor der Welt. Das Wochenende ist am Montag oder besser: Am Sonntagnachmittag, wenn sich das Montagsgefühl einstellt, ungefähr so weit weg wie der Himalaya von München Hasenbergl. Man liegt mit einer Tasse Tee im Bett und verzweifelt darüber, dass es so was gibt: Montage.

Inzwischen habe ich Kinder und seit ich Kinder habe, muss ich keinen einzigen Montag mehr ins Büro, weil ich zu Hause arbeite. Meine beruflichen Termine lege ich mir grundsätzlich auf die Dienstage, nicht aber auf die Montage, und dabei sehe ich innerlich zum Beispiel einen hübschen kleinen Buchladen, Paris, Montmartre, vor mir, der auch den Montag grundsätzlich zu hat und finde, dass ich mit meinem freien Montagmorgen auf der richtigen Seite bin. Auch viele Geschäfte bei uns im Viertel machen montags inzwischen später auf. Eine gute Sache, so ein bedächtiger Start in die Woche.

Meine Kinder sind allerdings seit einiger Zeit Schulkinder. Ich weiß nicht, ob alle Schulinder laufend zählen, wie viele Tage es noch bis zum Wochenende sind. Meine tun das jedenfalls. Und wirklich: Sonntag, gegen Abend, kriecht das Montagsgefühl in sie hinein. Es ist mit den Händen zu greifen. Sie räumen das Spielzimmer auf, sie baden, sie packen ihre Schulranzen, sie gehen pünktlich ins Bett, alles, damit der Montag gebahnt und ordentlich vorbereitet ist. Aber statt satt und zufrieden von einem langen, gammeligen Wochenende zu sein, grämen sie sich schon am Sonntag über den Montag. Und Montagmorgen, wenn sie ihr Müsli löffeln, sind sie eine ganze Ecke müder und stiller als sonst. Und ich bin auch stiller. Denn es ist gar nicht so einfach, den eigenen, blauen Montag zu genießen, wenn man bereits um Viertel vor sieben aufsteht, Müsli und Brotzeiten und Klamotten richtet und zwei kleine Jungs aufzumuntern versucht, die ihren Montagsblues haben.

An diesem Montag, der neulich war, hat wieder der Nachbarjunge bei uns geklingelt, um unseren Erstklässler abzuholen. Der Nachbarjunge sah für einen Montagmorgen erstaunlich gut gelaunt aus. Er wirkte geradezu fröhlich.

Es ist schon schlimm, habe ich zu dem Nachbarjungen gesagt, so ein Montag. Findest du nicht?

Er hat mich aus großen Augen angestarrt, als hätte er nie einen größeren Unsinn vernommen.

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29.01.2010, 16:52
Nina Mayerhoff
Mein Mann arbeitet auch am Wochenende, bei ihm gibt es das nicht so ausgeprägt, aber ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Allerdings ist es wirklich abhängig von dem, was einen erwartet und wie man sich dem stellt. Derzeit bin ich in Elternzeit, montags gehen meine Tochter und ich zum Babyschwimmen. Es gefällzt uns beiden sehr - inzwischen freue ich mich daher schon immer auf den ersten Tag der neuen Woche!

28.01.2010, 19:55
Franca Di Matteo-Pierre
Hallo, Ihr Beitrag gefällt mir sehr gut und Sie haben sooo Recht. Die gute Laune vom Wochenende schwindet meist am Sonntag Nachmittag, egal ob man berufstätig, in Elternzeit oder arbeitslos ist. Man sollte sich ein Beispiel an den Südländern nehmen: bei denen fangen die Arbeitstage, und insbesondere die Montage, wesentlich geschmeidiger an. Man könnte meinen, dass Sie die Tage in vollen Zügen genießen, da sie die Mahlzeiten richtig zelebrieren und oft den Abend zur Nacht werden lassen.


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Kinder haben und berufstätig sein: das passt nicht ganz so gut zusammen wie Pommes und Ketchup. Kinder patschen auf der Tastatur herum, schreien, wenn Mama telefoniert und werden grundsätzlich krank vor wichtigen Terminen. Sind sie größer, belauschen sie jedes Telefonat, linsen einem beim Tippen neugierig über die Schulter und stellen anspruchsvolle Fragen: „Was arbeitest du eigentlich, Mama? Du sitzt doch immer nur am Computer herum!" Kinder sind nun mal lustige Zeitgenossen, die einem mehr übers Leben und Lieben verraten als so mancher Erwachsene. Und das Beste ist: Sie mischen den Laden nicht nur gut auf. Sondern sind bisweilen sogar ziemlich inspirierend.

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