Mein Abendtermin

02.02.2010, 13:07 von Monika Goetsch

„Du schläfst dich aus, ich nehm' die Kinder", hat mein Mann gestern gesagt. Das war sehr entgegenkommend. Ich hatte nämlich einen beruflichen Abendtermin. Solche Abendtermine sind selten. Ich bin Abendtermine nicht gewöhnt.



Nach einem Abendtermin brauche ich manchmal Stunden zum Einschlafen. Es wühlt mich zu sehr auf. Zu dem Abendtermin, der seine Zeit kostet, kommt also immer noch die Zeit, in der ich den Abendtermin innerlich abbaue. Darum der Satz meines Mannes: damit ich am Morgen nach meinem Abendtermin nicht so unausgeschlafen und grantig bin.

Ich war also gestern Abend mit dem Zug in Fürth bei einer Theaterpremiere. Es war ein sehr schöner Abendtermin. Aber weil ich nach meinem Abendtermin wie immer aufgewühlt war und nicht einschlafen konnte, brannte noch lange nach Mitternacht Licht an meinem Bett.

Irgendwie hat der kleinere unserer Jungs gespürt, dass da Licht brennt und also was los ist bei mir. Darum ist er gegen zwei Uhr mit wehenden Haaren durch den Flur zu mir gerannt, um sich in Embryonalposition, das heißt: die spitzen Knie in meinen Nieren, an mich zu kuscheln und meine Haare wie eine Nabelschnur zu zwirbeln.

Trotzdem bin ich irgendwann eingeschlafen, selbst die größte Aufgewühltheit nach einem Abendtermin findet ja mal ein Ende. Gegen sechs Uhr morgens hat mich dann allerdings der Hausmeister mit seiner gewaltigen Schneeschippe aus dem Bett geschaufelt. So viel Schnee ist über Nacht gefallen, dass der Hausmeister ganz früh mit einer sehr konsequenten Schaufelei beginnen musste. Auch den kleineren unserer Jungs hat er vor der Zeit rausgeschaufelt und nach und nach die ganze Familie, und dann haben wir Tee getrunken und Müsli gegessen und all das ist mir sehr, sehr schwer gefallen. 

Mein Mann sagt: Ihn habe es viel schlimmer getroffen. Gegen vier Uhr früh sei ein Münchner Schneeräumwagen blinkend und piepend über sein Bett gerollt, vor und zurück, vor und zurück. Aber er hat gut reden. Er hatte ja keinen Abendtermin.






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06.02.2010, 21:35
SPG
Its funny because its true! P.S.: Sehr schöner Artikel über besagtes Theaterstück in Fürth im Tagesspiegel!


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Kinder haben und berufstätig sein: das passt nicht ganz so gut zusammen wie Pommes und Ketchup. Kinder patschen auf der Tastatur herum, schreien, wenn Mama telefoniert und werden grundsätzlich krank vor wichtigen Terminen. Sind sie größer, belauschen sie jedes Telefonat, linsen einem beim Tippen neugierig über die Schulter und stellen anspruchsvolle Fragen: „Was arbeitest du eigentlich, Mama? Du sitzt doch immer nur am Computer herum!" Kinder sind nun mal lustige Zeitgenossen, die einem mehr übers Leben und Lieben verraten als so mancher Erwachsene. Und das Beste ist: Sie mischen den Laden nicht nur gut auf. Sondern sind bisweilen sogar ziemlich inspirierend.

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