Schwertkämpfe

16.02.2010, 14:26 von Monika Goetsch

Meine Kinder haben Ferien. Eine große Sache: Ferien. Ich habe keine Ferien, ich kann nicht vierzehn Wochen Ferien im Jahr machen. Vierzehn Wochen!



Natürlich haben die Ferien der Kinder auch für mich ihre Vorteile: Morgens schlafe ich länger, abends bin ich weniger streng. Ich spare mir all das Bringen und Holen und die Brotzeitschmiererei. Und das Feriengefühl der Kinder: das hat ja auch etwas Ansteckendes. Ein Hauch von Bullerbü weht durch die Wohnung. So jedenfalls stelle ich mir das vor.

Leider muss ich mich, wenn Ferien sind, vor dieser Bullberbüansteckung schützen und die Arbeitszimmertür zumachen. Ich sitze am Schreibtisch. Im Flur tobt ein Schwertkampf. Ich tippe ein paar Zeilen. Geschrei. Ich versorge die Verletzten und tippe weiter, es macht Spaß, mehr als gedacht. „Hunger!" sagt mein kleiner Sohn und zeigt auf seinen Bauch. Ich schmiere Marmeladenbrote. Tippe.

„Wir wollen einen Film drehen!" sagt mein großer Sohn. Meine Kinder haben ein Projekt, denke ich. Ein richtiges Ferienprojekt. Das ist ganz wundervoll, denke ich.  „Wo ist deine Videokamera?" Ich sage, wo meine Videokamera ist und tippe. „Wo ist das Ladegerät? Wo ist eine Cassette? Wie funktioniert das eigentlich?" Ich weiß es nicht, ich weiß nichts, ich tippe. „Drückt man da drauf?" Ja, man drückt wahrscheinlich da drauf. Und die Cassette? Die Kinder suchen. Ich suche. Wir haben keine Cassette.

Die Kinder sind grantig. Sie müssen an die Luft. Ich überwache das Ankleiden. Schneeanzug, Stiefel, Handschuhe, die nicht zusammen passen, all das. Endlich. Ich tippe. Es klingelt Sturm. Die Kinder stapfen mit ihren Schneestiefeln durch die Wohnung und holen ihre Schwerter. Ich wische den Boden. Ich tippe. Im Hof klacken die Schwerter. Geschrei. Sturmklingeln. Verletztenversorgung. Ich tippetippetippetippetippe.

„Hunger!" Mittagessenkochen. Ferienprojekt. Schwertkampf. Verletztenversorgung. „Hunger!" Sturmklingeln. Dann stehen sie da, mitten in meinem Arbeitszimmer. Meine Ferienkinder. Das größere und das kleinere. Sie sehen ganz lieb und freundlich aus. „Dürfen wir jetzt", fragen sie sanft, „an deinen Computer?"






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Kinder haben und berufstätig sein: das passt nicht ganz so gut zusammen wie Pommes und Ketchup. Kinder patschen auf der Tastatur herum, schreien, wenn Mama telefoniert und werden grundsätzlich krank vor wichtigen Terminen. Sind sie größer, belauschen sie jedes Telefonat, linsen einem beim Tippen neugierig über die Schulter und stellen anspruchsvolle Fragen: „Was arbeitest du eigentlich, Mama? Du sitzt doch immer nur am Computer herum!" Kinder sind nun mal lustige Zeitgenossen, die einem mehr übers Leben und Lieben verraten als so mancher Erwachsene. Und das Beste ist: Sie mischen den Laden nicht nur gut auf. Sondern sind bisweilen sogar ziemlich inspirierend.

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