Muffinmütter

Wir hatten Ferien. Richtige Ferien diesmal. Ich habe gelesen, war laufen, saß in der Sonne. Auf der Heimfahrt habe ich mir vorgenommen, zu Hause das Gleiche zu tun. Also zwischendurch immer wieder mal zu lesen, zu laufen und in der Sonne zu sitzen. Das muss möglich sein, habe ich gedacht. Ich arbeite doch frei.
Noch beim Reinfahren in die Tiefgarage habe ich das gedacht. Monika, habe ich gedacht: Rette dein Feriengefühl in den Alltag hinein. Dann haben wir vier Koffer, vier kleine Rucksäcke, acht Paar Schuhe, zwei Laptops, mehrere Tüten mit Lego und Plüschtieren, Gummibärchen und Brotdosen und Wasserflaschen und all die Stofftaschen aus dem Bioladen, gefüllt mit Unerfindlichem, in die Wohnung geschleppt.
Ich leere Koffer und Rucksäcke, räume sie in den Keller, trage Wäscheberge ab, inspiziere den Kühlschrank, sauge den Staub weg, der sich auf alles gelegt hat, besorge zentnerweise Nahrungsmittel, gieße die braunen Überlebenden auf dem Balkon, beantworte gefühlte 250 E-Mails und ebenso viele Anrufe, öffne Leihfristüberschreitungsbriefe der Stadtbücherei und Kinderversandhausrechnungen und eine Kontenklärungserinnerung der Rentenversicherung. Ich vereinbare Arzttermine und Seminartermine und Interviewtermine und stelle fest, was sich alles überschneidet: die Theateraufführung mit dem Literaturtreffen, der Fußballkurs mit dem Augenarzt, der Besuch von Freunden mit der Lehrertagung.
Ein Termin jagt den anderen. Unser kleinerer Sohn hatte in den Ferien Geburtstag. Ich versuche, einen Nachmittag zum Nachfeiern zu finden. Mein Mann und ich vergleichen die Kalender. In drei Wochen vielleicht? Montag liege ich mit Kopfweh im Bett. Dienstag haben wir einen sehr langen Arzttermin, kaufen anschließend in der Innenstadt eine Muffinform, machen Teig und backen Muffins, 27 Stück, für die erste von drei Geburtagsnachfeiern.

Ich habe noch nie Muffins gebacken. Aber mein kleinerer Sohn hat sich Muffins gewünscht. Immer habe ich geglaubt, Muffins seien ruckzuck hergestellt. Die Muffinmütter sehen so entspannt aus. Aber ich kann das nicht ruckzuck. Es dauert drei Stunden. Die Küche ist verwüstet. Die Muffins sind klein und feucht und viel zu dunkelbraun. Bei manchen kriecht der Teig über den Rand. Der Zuckerguss ist seitlich runtergerutscht, die bunten Zuckerlis hängen am Rand. Wie andere Mütter im Dauerregen lächelnd 27 mit bunten Zuckerlis bestreuselte Muffins in die Grundschule transportieren, ist mir ein Rätsel.
Schließlich hat mein Mann das gemacht. Ich habe nicht gefragt, wie.
Mittwochabend wird er krank. Auch das größere Kind ist krank. Donnerstag das kleinere. Ohrentropfen, Schmerzsaft, Nasenspray, Eukalyptusspray, Brustbalsam, Fencheltee. Es regnet. Ich lese nicht. Ich laufe nicht. Ich sitze nicht in der Sonne. Ich sitze am Computer und komme nicht voran.
„Aber die Muffins", sagt mein Sohn, „waren geil. Backen wir gleich noch welche?"
Tweet
zurück
19.04.2010, 20:44
Monika Goetsch
Vielleicht hab ich ja ein bisschen Erkältung reingebacken. Kann ja vorkommen.
19.04.2010, 17:52
Ulla
Lieber Henry, selbst wenn die muffins schlecht gewesen wären, bekommt man davon keine Erkältungskrankheiten. Gruß Ulla
19.04.2010, 12:17
Anna
Ach, der hat nur transportiert ... :-)
18.04.2010, 14:53
Monika Goetsch
Lieber Henry, i wo, das ist ein Missverständnis. Mein Mann hat gar nicht mitgebacken. Hätte er das getan, wären die Muffins naturgemäß prächtig geworden wie alle Muffins, die Männer backen. Lg Monika Goetsch
16.04.2010, 08:29
Henry
so so, waren die muffins schlecht und ihr mann schuld? schöne neue welt, gg ... henry




