Ikeas Zeitrechnung beginnt jetzt

Der neue Ikea-Katalog fordert auf, sich für Herbst und Winter neu einzurichten.

22.09.2009, 16:04 von Julia Nüllen

Jedes Jahr ist es das Gleiche: der Ikea-Katalog ist da und es wird über Neuanschaffungen nachgedacht. Auch wenn der Katalog dieses Jahr etwas anders aussieht, bleibt die Frage: Muss es immer Herbst sein, um neue Möbel zu kaufen?



Zwischen Ende August und Anfang September wird Deutschland in neue Zeitzonen eingeteilt. Dann läuft die Zeitrechnung nicht mehr nach dem Anno Domini oder der Koordinierten Weltzeit. Dann gibt es nur noch das Vorher und Nachher oder vielmehr das Zuerst oder Zuletzt. Meine Eltern hatten ihn zuerst, ich lag im guten Mittelfeld, meine Freundin war so ziemlich die letzte, die ihn hatte: den Ikea-Katalog. Ende August ist das Ikea-Jahr vorbei, die alten zerknitterten Kataloge können weggeworfen werden, wenn sie überhaupt noch auffindbar sind und im Stadtbild schießen die neuen aus dem Boden wie Pilze. 30 Millionen Kataloge liegen auf Türschwellen, in Hausfluren und Briefkästen.

Ikea Katalog 2010
Werbekampagnen auf allen Kanälen verkünden die frohe Botschaft: Der Katalog ist tot, lang lebe der Katalog.
In diesem Jahr ist dieser besonders neu, denn Ikea macht ein paar kleine und doch auffällige Veränderungen. Der Katalog zeigt auf dem Cover nicht mehr eine, sondern gleich acht Wohnwelten, auf einen Slogan wurde verzichtet (erinnern Sie sich: Sei wie du bist, lebe wie du willst),außerdem ist das Druckwerk geschrumpft und versucht sich jetzt im sogenannten pocket-size-Format: 18 Millimeter schmaler und 26 Millimeter kürzer passt er damit bequem in jede Handtasche. So steht’s in der Pressemitteilung. Natürlich passiert das alles im Zeichen des Umweltschutzes. Bei einer weltweiten Auflage von 199 Millionen Exemplaren ist Papiersparen sicherlich nötig.

Aber wer schleppt seinen Ikea-Katalog eigentlich in der Handtasche herum?
Jeder der sich auf den Winter vorbereiten will, Ikea sieht das nämlich so:
„Im Herbst verlagert sich das Leben von draußen wieder nach drinnen in die eigenen vier Wände. Das Zuhause wird für den Herbst und Winter präpariert und die Menschen räumen auf, trennen sich von alten Dingen und dekorieren die Wohnung um.“

Wen also Ende Juli schon ein Gefühl von Tatendrang überkommt und sich sagen hört: „Ich müsste Mal zu Ikea fahren …“, dem rief das schwedische Einrichtungshaus letztes Jahr sogar in einer ganzen Kampagne zu: „Warte bis September!“ Jetzt also der Startschuss.
Kaum ist der Katalog da, wird am Küchentisch gemeinsam in den Seiten geschmökert. Endlich können neue Pläne für ein Bett, ein neues Regal oder einfach nur neue Kissen geschmiedet werden.

Ich habe dieses Jahr nicht Ikeas Diktat befolgt und nicht auf den September gewartet. Und siehe da: Ikea ist im Umbau und hier und da sind die Neuheiten schon angekommen und zu kaufen. Mit dem Möbelhaus ist das eben nicht wie mit den Weihnachtsgeschenken, die über Nacht plötzlich auftauchen. Auch wenn jetzt die „Haben-wollen-Wochen“ sind, für mich und viele andere, die auch nicht gewartet haben, ist das Neue im Katalog schon nicht mehr so neu.
So fühlen sich wohl auch die Besucher großer Modenschauen. Die wissen schon im Winter, was im Sommer kommt. Trotzdem würde nie jemand im Winter schon ein Sommerkleid tragen. Man wartet brav, bis es soweit ist. Nach Ikea-Zeitrechnung ist das jetzt. Nicht der Frühling ist die Zeit des Neubeginns, sondern der Herbst. Wobei ein Klippan-Sofa oder ein Pax-Schrank im Frühjahr genauso gut in die Wohnung passen wie zu jeder anderen Jahreszeit auch und bei weitem nicht so absurd sind wie ein Pelzmantel im Hochsommer.






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Mode, das ist die schillernde Parallelwelt, von der gemunkelt wird, sie existiere irgendwo zwischen Paris, Mailand und New York. Wenn Designer und Trendsetter die Fashion-Weeks bevölkern, geht es um Haute Couture. Später steht das zusammengepresst zwischen glänzenden Magazinseiten. Doch war das schon alles? Was ist mit dem  alten Lieblingsrock, was mit dem Regenmantel, der wunderbar trocken hält, was mit der Handtasche, die ruft „Kauf‘ mich, kauf‘ mich!“ oder der lang gesuchten Lampe für das Wohnzimmer? Mode ist nicht nur auf den Laufsteg beschränkt. Mode kann Alltag und Ausnahme sein, Nutzgegenstand oder Zierde. Sie prägt den Lebensstil und gibt der Persönlichkeit eine Ausdrucksform. Sie ist Teil der Kultur, hat eine Historie und sie ist auch ein Wirtschaftszweig. Ist Mode wirklich unausweichlich und überall? Dieser Blog schaut sich gründlich um.

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