Wuff!

Ein tierischer Nachtrag zum Thema „Familienfreundlichkeit"

10.06.2010, 12:43 von Andrea Blome

„Jetzt sage ich Ihnen mal, warum ich mich wirklich selbstständig gemacht habe", sagt die Interviewpartnerin nach einigem Eiern im Gespräch. „Ich bin auf den Hund gekommen."



Ich hatte wissen wollen, was für sie, die lange Jahre sehr erfolgreich in großen Unternehmen angestellt gearbeitet hatte, den Ausschlag für die Gründung gegeben hatte. Und sie antwortete ganz stereotyp wie alle Gründerinnen, die öffentlich danach gefragt werden: Dass sie die Unabhängigkeit und Flexibilität schätze, dass sie ihre umfassenden Kompetenzen bündeln könne, dass sie eine neue berufliche Herausforderung suche ... Was frau eben so sagt, wenn sie sich gut darstellen will - und was immer auch stimmt.

CurlyAber in diesem Fall ist die Geschichte doch näher am wirklichen Leben. „Ich bin auf den Hund gekommen", sagte die 44-Jährige und zeigt ein Foto von einem sehr süßen kleinen Kerl. Bei ihrem letzten Arbeitgeber sei es kein Problem gewesen, den Hund mitzubringen. Nach einem Umzug stand sie vor der Frage, ob sie mit Hund einen neuen Arbeitsplatz findet. „Den zu suchen, wollte ich mir nicht antun", sagt sie ganz ehrlich. Und dann beginnt die Gründungsgeschichte, an deren Ende ein sehr überzeugendes und schon nach einigen Monaten erfolgreiches Konzept steht. Als Dienstleisterin sitzt sie viel am Schreibtisch, der Hund ist immer dabei. „Ich kann morgens meinen Spaziergang mit Hund ohne Zeitdruck machen, das tut richtig gut."

Als sie bei der Präsentation um einen Unternehmerinnenpreis im Vorgespräch den Hund als Motivationsschub für die Gründung erwähnt, wird ihr geraten, diesen Aspekt vor der Jury doch lieber nicht zu erwähnen.

Schade eigentlich! Denn diese Geschichte mit dem Hund hat verschiedene Aspekte:

  • Für Menschen, die mit Hunden leben (das mag uns Hundelosen schwer nachvollziehbar sein), sind die Vierbeiner Teil der Familie.
    Wenn wir über familienfreundliche Arbeitsbedingungen reden, dann ist es gut, dass neben den Vereinbarkeitsfragen der Mütter und Väter jetzt auch die der pflegenden Angehörigen thematisiert werden. Noch besser wäre es, wenn auch die Tiere einen Platz in der Diskussion bekämen. Denn es ist ja nichts Ungewöhnliches, dass ein Mensch Verantwortung für ein Tier übernimmt.
  • Der Wunsch nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Privatem ist eine starke Motivation für die selbstständige Arbeit. Das sagen gerade Frauen immer wieder. Die Motivation für die Existenzgründung ist manchmal viel näher am alltäglichen Leben als so mancher (angestellte) Experte sich das vorstellen kann. Und die macht eine Gründungsidee und einen Businessplan nicht weniger überzeugend.
    Der Hund muss ja nicht im Konzept stehen - aber man wird doch wohl drüber sprechen dürfen ... 





zurück


11.06.2010, 15:34
Andrea Blome
Liebe Beate Schmöller, dann sollten wir auch den Link ergänzen, oder? Die Geschichte mit Ipo gibts nämlich auch bei uns: http://www.existenzielle.de/cms/Magazin/Specials/Erfolg-in-der-Nische/index-b-1-57-69.html

11.06.2010, 15:21
Beate Schmöller
Ich kann die Entscheidung zur Selbständigkeit wegen einem Hund sehr gut verstehen. Als vor fünfzehn Jahren ein Golden Retriever Welpe bei uns einzog, war es für mich ebenfalls der Anlass mich als Marketing-Spezialistin selbständig zu machen. Unser Golden Retriever Ipo schläft selbst in hektischen Zeiten ruhig unter dem Schreibtisch und erinnert an die täglichen Gassirunden. Bei mir ging die Liebe so weit, dass ich die heiter, lustigen Geschichten aus dem Leben mit unserem Vierbeiner nieder schrieb und einen mittlerweile sehr erfolgreichen Verlag für Hundebücher etabliert habe. Dank Vierbeiner habe ich also ein zweites berufliches Standbein entwickelt. Beate Schmöller, Aloha Ipo Verlag

11.06.2010, 13:15
Ruth Steinert
Ich kann das sehr gut verstehen. Die ersten 5 Jahre meiner Selbständigkeit hatte ich auch eine Hündin. Leider ist sie dann verstorben und ich habe mir bis jetzt keinen neuen Hund zugelegt. Das ist aber nur aufgeschoben. Manchmal war es schon stressig einen Platz für sie zu finden, gerade wenn Seminare oder Veranstaltungen anstanden, die den ganzen Tag dauerten. Mir tat sie dann immer so leid, wenn sie den ganzen Tag im Auto - außer mittags zum Gassi gehen -, meist in einer Tiefgarage verbringen musste. Die Tiefgarage hatte zwar den Vorteil, dass sie da sicher aufgehoben war, keine Sonneneinstrahlung, aber ich denke es war für sie auch langweilig. Mir hat dieser Beitrag sehr gut gefallen und er ist auch sehr ehrlich. Ich kann einen Hund als Begründung für eine Selbständigkeit sehr gut aktzeptieren. Grüße Ruth Steinert

11.06.2010, 13:12
C.K.
Mein Hund ist auch für mich eine Überlegung, in die Selbständigkeit zu gehen. In der Firma, in der ich arbeite, ist ein Hund nicht erlaubt. Dabei würde mein Hund ganz brav unter dem Schreibtisch liegen. Abgesehen davon ist es per Studie erwiesen, dass ein Hund in einer Firma gut für das Klima ist und alles positiver beeinflussen kann. Ich finde das Unverständnis in Sachen Hund, dass immer noch bei vielen herrscht, nicht gut. Derzeit muss ich noch per Tiersitter den Tag organisieren, aber ich hoffe, dass das bald vorbei ist. CK

11.06.2010, 12:37
Antinéa A. Euler
Ich beziehe mich auf die Jury und staune immer wieder wie hundefeindlich unsere Welt doch ist, im geschäfltichen wie auch im privaten Bereich. Mein 4jähriger Jack-Russel-Terrier ist kinderkompatibel und ausgesprochen lieb. Trotzdem wird oft erst mal komisch geschaut, wenn ich ihn zu beruflichen Terminen mitbringe. Im privaten Bereich ist es nicht besser. War ich doch neulich auf einer Hochzeit eingeladen und hatte ihn im Auto gelassen. Es war sehr warm. Der Wagen stand zwar im Schatten, die Fenster waren auf und er hatte seinen Wassernapf. Aber ich war die ganze Trauungszeremonie über sehr unruhig, ob es nicht doch zu heiss werden würde. Hätte ich ihn doch mit hineingenommen. Er hätte sicher mucksmäuschenstill zu meinen Füssen gelegen - ganz anders als die 16 Kinder im Alter von 0-5 Jahren, die in der Kirche Halligalli machten, so laut, daß man kaum etwas von der Zeremonie mitbekam. Da sagt aber eigenartigerweise keiner etwas. Glücklicherweise kann ich als Selbständige (Tänzerin, Tanzpädagogin, Choreografin) ihn fast überall hin mitnehmen. Leider aber eben auch nur "fast überall".

11.06.2010, 12:20
Anja-M. Szukat-Wagner
Ich finde es schön, dass hier so eine Thematik erwähnt wird, denn genau dies war auch der Grund für mich als ich mich vor 16 Jahren selbstständig gemacht habe. Anja-M. Szukat-Wagner


Ihr Kommentar

Name:
E-Mail:
Sicherheitsabfrage: Bitte addieren Sie 5 und 2.

 




Eine andere Öffentlichkeit für selbstständige Frauen, darum geht es der existenzielle. Frauen führen große, meistens aber kleine Unternehmen. Einzelunternehmerinnen und Freiberuflerinnen wissen: Ich bin mein Unternehmen. Erfolg ist für sie viel mehr als (nur) das wirtschaftliche Wachstum. Sie sind Frauen mit Ideen und Leidenschaft - und  könnten doch gelegentlich etwas größer denken!
10 Jahre lang ist existenzielle als Magazin gedruckt erschienen. Mit der Online-Plattform beginnt ein neues Experiment. Der Blog ist dabei wie eine regelmäßige Hausmitteilung - über das Experiment "Online", über Unternehmerinnen-Kultur und ihre Bilder in den Medien.

ANZEIGE



Neues von unseren Beraterinnen

Gibt es den Gründerinnen-Typ?

Wie ausschlaggebend sind Charaktereigenschaften für eine Gründung? mehr...

Kein Ende für politisches Engagement

„Scheitern, besser scheitern, weitermachen ..."  mehr...

Ihre Waffe ist ihr Wissen

Wie Literaturagenten beim Schreiben und Vermarkten helfen mehr...

Gambia

Licht - Lebensfreude - Freundlichkeit - und -bumsters mehr...

Chaoslos ins neue Jahr

mehr...

Das Jahr ist schnell zu Ende

Von Fristen, Verträgen & Co. mehr...

Der Sprung ins kalte Nass

Wie Erfahrung im Ausland stark macht mehr...

Sterben 

Ein einschneidender Übergang mehr...

Was Männer wirklich über Frauen denken

... und wie sie zu Frauenverstehern werden können mehr...

Geschlechterspezifisch führen

Alle Blogbeiträge von Sigrid Meuselbach mehr...