femity verabschiedet sich
Online-Community für Frauen schließt

Mehr als 16.000 registrierte Nutzerinnen, mehr als 162.000 Beiträge in Foren, Blogs und Magazin. Das ist femity. Das war femity. Denn am 8. Juli beginnt der schrittweise Abschied einer Online-Community, die lange vor Facebook und Twitter zum Mitmachen im Web aufforderte. Im September 2010 geht die Plattform dann endgültig vom Netz.
Eine "kleine, ehemals sehr enthusiastische und idealistische Internetära geht zu Ende", schreibt femity-Gründerin Pia Mayen zum Abschied.
Zwei große Bewegungen definiert sie, um zu erklären, warum es für femity Zeit ist, in den "Ruhestand" zu gehen:
- Die Art und Weise wie die Internetnutzer in Online-Netzwerken
agieren, sei heute anders als noch vor wenigen Jahren. "Die einen, vor
allem jüngere Frauen, haben einen Teil des Lebens ins Internet
verlagert, wo sie twittern, Fotos hochladen und regelmäßig News an ihr
Netzwerk schicken. Andere lehnen das ab, und beginnen hektisch, die
Einträge, die sie in Foren und Profilen hinterlassen haben, aus dem Netz
zu löschen um ihre Privatsphäre zu schützen. Kleine fachspezifische
Foren 'verwaisen' dagegen mehr und mehr und werden nur noch im akuten
Fall einer dringenden Frage frequentiert. Man 'lebt' nicht mehr in
diesen Foren, oder höchstens so lange, wie ein bestimmtes Thema unter
den Nägeln brennt.
Netzwerke mit weitreichenderen Möglichkeiten für Akquise, Kontaktpflege mit Kunden und Kooperationspartnern, Arbeitgebern oder Experten haben den femity-Foren, die noch immer stark auf den alten Grundsatz 'Give & take' ausgerichtet waren, 'den Rang' abgelaufen."
- "Wir als femity Team haben aber auch den Eindruck, dass die Zeit der Frauen-Businessnetzwerke ihren Zenit lange überschritten hat. Spätestens seit man in allen Frauenzeitschriften die neuesten 'Online-Networkingtipps' bekommt, scheint die Epoche des Business-Networking von Frau zu Frau in Wahrheit eher zu Ende zu sein. Frauen suchen für den Karrieredialog - so wie die männlichen Nutzer - vermehrt die großen gemischten Social Networks auf oder orientieren sich thematisch, aber suchen nicht mehr so gezielt wie vor wenigen Jahren noch im Internet nach 'Geschlechtsgenossinnen'."
Dass schließlich mit sinkenden Nutzerinnenzahlen auch schwerer ein Geschäft zu machen ist, tat sein Übriges.
Ich habe Pia Mayen vor vielen Jahren kennengelernt. Mir als Printjournalistin war ihre Pionierinnen-Arbeit im Netz anfangs ganz fremd. Aber wir wollten kooperieren und so versuchten wir, ihre Online-Plattform und unser gedrucktes Magazin zusammenzubringen. So richtig geklappt hat das damals nicht. Zu verschieden waren diese Plattformen und ihre "Taktung" im Netz und am Kiosk.
Als ich im vergangenen Jahr das Printmagazin einstellen musste, habe ich auch Pia um Rat gefragt. Sie hat mir mit vielen Ideen geholfen, war eine gute und vor allem realistische Gesprächspartnerin. Gemeinsam war uns das Engagement für eine andere Öffentlichkeit für Frauen im Beruf und in der Wirtschaft. Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres weiß ich, wie schwer es ist, ein Projekt gehen zu lassen, dass nicht (mehr) erfolgreich sein kann. Ich wünsche Pia Glück und Erfolg mit neuen Ideen, Projekten und Wegen.
In
einem Punkt hoffe ich, dass ihre Einschätzung nicht ganz zutrifft.
Ich bin überzeugt, dass Frauen es auch weiterhin schätzen, voneinander
zu hören und zu lesen. Dass eine lebendige Unternehmerinnen-Kultur auch
von Frauen geführte Plattformen und Netzwerke braucht. Und dass diese
mehr sind als ein Zuschussgeschäft weniger Idealistinnen.
So lange es noch online ist: So begründet femity-Gründerin Pia Mayen den Abgang ihrer Plattform: lesen bei femity
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