Können Frauen es besser?
Mit einer Quote für Aufsichtsräte könnten sie es zumindest schneller beweisen

Kompetenz oder Quote? In der Diskussion um mehr Frauen in Führungspositionen sind das die beiden Schlagwörter der Debatte. Wer will schon über einen Frauenbonus ins Amt? Aber: Dass Frauen kompetenter sind als die mageren Prozentchen in den Führungsetagen der Wirtschaft vermuten lassen, ist doch ebenfalls fraglos.
Männerclubs in Frankreich zerschlagen
In Frankreich wird zurzeit intensiv über die gesetzliche Einführung einer Quotenregelung in Unternehmen diskutiert. Bis 2015, so die Journalistin Margit Hilkmann in einem Beitrag für die Deutsche Welle, sollen 40 % der Führungsjobs mit Frauen besetzt sein.
Brigitte Grésy, Beamtin der Generaldirektion für Soziales hat den Bericht zur Situation der Frauen in der französischen Wirtschaft im Auftrag des Arbeitsministers erstellt. Ihr Plädoyer für die Quote ist eindeutig: "Es ist die einzige Möglichkeit, die Männerclubs der Unternehmensspitzen zu zerschlagen, die nach wie vor die Jobs unter sich verteilen."
Internationaler und weiblicher
In Deutschland schrieb die SPD eine Quote für Frauen in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen sogar ins Wahlprogramm 2009. Durchaus zur Überraschung der Initiative "Mehr Frauen in Aufsichtsräte" (FiDAR), die 2005 in Deutschland gegründet wurde. Eine Gruppe weiblicher Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft hat sich mit dieser Initiative zum Ziel gesetzt, die Beteiligung von Frauen in Aufsichtsratspositionen deutlich zu erhöhen. "Ein signifikant höherer Anteil qualifizierter Frauen in den deutschen Aufsichtsräten wird zu einer verbesserten Unternehmenskontrolle und Corporate Governance führen und den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen erhöhen", so die Initiative, die am 16. September zur bundesweiten Tagung "Frauen in die Aufsichtsräte: Eine gute Wahl" nach Berlin eingeladen hatte.
Die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, die für börsennotierte Unternehmen die Regeln guter Unternehmensführung festsetzt, erwägt ebenfalls die Einführung einer Frauenquote. Dass die Aufsichtsräte internationaler und weiblicher werden sollen, wurde in der Neufassung im Juni 2009 zumindest als Absicht formuliert.
Norwegen macht es vor
In Norwegen gibt es seit dem 1. Januar 2008 eine gesetzlich festgelegte Fraunquote in Kontrollgremien von 40 Prozent. „Norwegen hat mit der Einführung einer gesetzlichen Quote von Frauen in Aufsichtsräten sehr gute Erfahrungen gemacht“, betonte Sven Erik Svedman, Norwegischer Botschafter in Deutschland, in seiner Eröffnungsrede beim FidAR-Forum am 19. September 2009. „Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein gesellschaftlicher Prozess, der viel Zeit benötigt. Aber die norwegische Regierung hat auch festgestellt, dass nur der Druck des Gesetzgebers die alte Rollenverteilung aufbrechen kann. Eine breitere Vielfalt trägt zu größerer Flexibilität, mehr Innovation und zu einer besseren Umsetzungsfähigkeit bei. Heute sieht der überwiegende Teil der norwegischen Wirtschaft die Reformen positiv.“
25 % müssen sein
Eine Forderung, die FiDAR gerne aufgreift: „Wir brauchen kurzfristig eine verbindliche Quote von mindestens 25 Prozent Frauen in Aufsichtsräten", sagte FiDAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. Dies wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wirtschaft. Appelle sind nicht ausreichend, um grundlegende Veränderungen durchzusetzen.“ Die Neufassung des Corporate Governance Kodex setze ein Zeichen in die richtige Richtung. „Jetzt liegt es an den Unternehmen, in der Entsprechenserklärung
darzulegen, warum so wenige Frauen Führungspositionen besetzen. Aber dies ist nicht genug. Wir brauchen eine gesetzliche Quote, um diese Mauer zu durchbrechen.“'
Ausführliches Material zur FiDAR-Tagung.
Tweet
zurück
28.10.2009, 22:48
Birgit Unger
Ich denke, eine Quote ist richtig und wichtig. Ich wünsche mir aber auch, dass die Frauen, die bereit sind für diese Jobs , nicht vereinzelt agieren. Sie müssen sich Rückendeckung geben - das erhöht auch die Chancen, Männer zu aktivieren, die ein echtes Bedürfnis zur Veränderung der Unternehmenskultur haben. Ansonsten würde es bedeuten, dass Frauen die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen sollen und das werden sie nicht tun, erfahrungsgemäß. Ich habe im Rahmen des Verbands deutscher Unternehmerinnen an Aufsichtsratsschulungen teilgenommen und weiß, welch anspruchsvolle Arbeit mit einer solchen Tätigkeit verbunden ist. Außerdem ist wichtig zu wissen, dass die Schlampereien der letzten Jahre zu sehr verschärften Gesetzen in Bezug auf die Haftung der AufsichtsrätInnen geführt haben. Also überhaupt kein Sesselpuperjob mehr.




