Wie jetzt? Das kostet was?

(Von Print zu Online 2)

27.10.2009, 22:35 von Andrea Blome

Netzwerke würde ohne es nicht funktionieren. Vieles, was soziales und politisches Engagement ausmacht, lebt davon. Ehrenamt ist unverzichtbare und oft unterschätzte Leistung. Manchmal allerdings treibt sie an wundersamen Stellen Blüten.



Ist es eine besondere Schwäche von Klein-Unternehmerinnen? Insbesondere derer, die sich ehrenamtlich in Netzwerken engagieren? Oder einfach der allgemeine Gratis-Wahn? Diese Frage treibt mich um, seit ich für die Zielgruppe (Klein-)Unternehmerinnen Produkte anbiete. Eine Zeitschrift zunächst, jetzt eine Online-Plattform.

Letztere macht es übrigens nicht leichter, für eine Leistung Geld zu verlangen. Das hat mit dem Gratis-Modell Internet zu tun.
Das zu schelten, darum soll es hier nicht gehen. Menschen haben sich daran gewöhnt, Inhalte im Netz kostenlos zu finden. Das darf man durchaus bedienen. Aus unternehmerischer Sicht ist hier vielmehr Kreatitivät gefragt, wenn's darum geht, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Genau das versuchen wir mit existenzielle.de

Und genau das ist ein Experiment.

Aber: Ist jetzt das Gratis-Denken im Internet der Grund für wundersame Reaktionen der Kundinnen? Oder haben die ihre Wurzel ganz woanders?

 

Ein Beispiel: existenzielle.de bietet kostenlosen Lesestoff, allein der Eintrag auf dem Marktplatz kostet was. Mit einem Standardeintrag für 20 Euro im Jahr hat die Unternehmerin, die hier ihr Profil mit Foto, Text, Kontatdaten einpflegt, die Möglichkeit, auch aktuelle Termine zu veröffentlichen.
"Ich möchte gern unsere Netzwerktermine regelmäßig schicken. Können Sie diese bitte veröffentlichen?", fragt eine langjährige Leserin. Wir schlagen ihr vor: "Nutzen Sie doch den Marktplatz und tragen sich dort ein, dann können Sie die Netzwerktermine veröffentlichen und Userinnen landen beim Klick auf die Veranstaltung zuerst auf Ihrem Profil."
Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten. Empörung spricht aus den Zeilen, sie habe doch wohl richtig gesehen, dass das 20 Euro kostet, sie arbeite ehrenamtlich für das Netzwerk, wir könnten unser Glück ja mal bei der Pressestelle versuchen, vielleicht sei man dort gewillt, ob wir nicht sähen, dass unsere Seite profitiere, wenn dort attraktive Netzwerktermine veröffentlicht würden ... Nein danke, sagt die Business-Frau, die neben ihrem ehrenamtlichen Engagement Inhaberin einer Kreativ-Agentur ist.

 

Ein zweites Beispiel: Mich erreicht die Anfrage eines Unternehmerinnen-Netzwerks. Für eine Veranstaltung suche man eine Moderatorin und würde sich außerordentlich freuen, die Herausgeberin der existenzielle ... Die Podiumsrunde ist hochkarätig besetzt, die Veranstaltung findet in Berlin statt, schon vor zwei Jahren hatte ich dem Netzwerk eine Veranstaltung ohne Honorar moderiert. Das will ich ungern zur Gewohnheit werden lassen. Wieder Enttäuschung: Man engagiere sich schließlich ehrenamtlich, ja, auch die eigene Arbeitszeit sei für diese Tagung überhaupt nicht bezahlt. "Und das ist doch auch eine schöne Referenz für Sie." Netzwerkarbeit sei eben ehrenamtliche Arbeit.

Pardon, auch für mich? In Ihrem Netzwerk?
Nicht dass mich hier jemand falsch versteht: Ich habe nichts gegen freiwillige unbezahlte Arbeit, nichts gegen ein freundliches Entgegenkommen beim Honorar, auch nichts gegen ehrliches Feilschen.

 

Mir fällt ein Gespräch mit einer Kollegin ein. Sie erzählte von einer internen Auswertung innerhalb eines kleinen Unternehmerinnen-Netzwerks. Von den Frauen, die sich im Laufe der vergangenen Jahre im Vorstand engagiert hatten - ehrenamtlich versteht sich -, war keine mehr im Verband. Erschöpft, enttäuscht, ausgetreten.

Es müssen kreativere Modelle her. Nicht nur für eine Online-Plattform.
Auch Netzwerke brauchen ein Geschäftsmodell. Wer könnte da kreativer sein als Unternehmerinnen, die sich zusammentun?






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12.06.2010, 11:36
Martina Föhre
Ja, das ist leider auch typisch in Frauenzusammenhängen. Das ist auch ein Grund, warum manche "Unternehmungen" von Frauen nicht funktioneren. Frauen beuten sich selbst zu weilen aus und verlangen dies auch von anderen Frauen - das kann es für ein erfolgreiches Unternehmen nicht sein. Wer kennt das nicht - wenn Etwas nichts kostet, kann es auch nichts WERT sein! Da ist doch was wahres dran...

30.10.2009, 14:07
Ninette Pett
Guten Tag, Sie sprechen mir mit Ihrem Beitrag aus der Seele. Ehrenamtliche Arbeit ist etwas wunderschönes, macht Spaß, bringt Erfahrungen, Referenzen, neue Kontakte und eine gewisse Bestätigung, ohne die wohl keine Frau gern auskommt. Ich selbst engagiere mich neben meiner Arbeit als Referentin für Presse-und Öffentlichkeitsarbeit als Vorstand, Veranstaltungsorganisator, Fundraiser, Öffentlichkeitsarbeiter, Pressesprecher, Moderator - die Liste ließe sich wohl endlos fortsetzen. Viele Anfragen nimmt man gern an, weil sie vielleicht eine persönliche Herausforderung darstellen. Doch es wird zunehmend schwerer, die Grenze zu ziehen. Ab wann ist die Leistung Geld wert? Immer - schließlich sind wir Profis und uns entstehen Arbeitszeit und Kosten. Aber: manche Aufträge verbuchen wir unter Spaß, Freude, Herausforderung u.ä. Daher obliegt jeder engagierten Frau selbst die Entscheidung, ob und wann sie für eine Leistung Geld möchte und wann nicht. In einem Moderatorinnen-Fall, wie Sie ihn beschrieben, bot man mir die Kostenerstattung für Spesen und Fahrtkosten an - ein netter Zug, den ich gern annahm. In anderen Fällen, in denen mir durch eine Leistung Zeitdruck und Kosten entstehen, wäge ich genau ab. Eher nehme ich in Kauf, dass mir dadurch eine nette Anfrage platzt, als dass ich mir Stress mache, wo ich keinen brauche. Gelernt habe ich dieses in meiner Showtanzgruppe: seit 10 Jahren führe ich ein junges Showtanzensemble in meiner Freizeit. Es ist schon fast ein Teilzeitjob und alle Beteiligten stecken Unmengen Geld und Zeit in dieses Hobby. Deswegen nehmen wir seit vielen Jahren schon Geld für die Auftritte, was schon einige Male zu Überraschungen bei Anfragen und auch zu laut geäußertem Unmut geführt hat, frei nach dem Motto: da wollen sie auch noch Geld mit verdienen. Falsch. Keine von uns bekommt das Geld, es fließt zurück in den Verein und wird durch Kosten oder Anschaffungen, die sonst alle selbst bezahlen müssten, wieder ausgeschüttet, wie bspw. Fahrtkosten, Kostüme, Übernachtungskosten etc. Dieses Vorgehen habe ich mir als Regel genommen: wenn ich selbst noch Geld mitbringen muss, wäge ich sehr sorgsam Zeit und Nutzen ab. Ist das nicht der Fall, entscheide ich nach Spaßfaktor. Viele liebe Grüße, Ninette Pett Agentur für Texte mit PR.ofil www.pett-pr.de


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Eine andere Öffentlichkeit für selbstständige Frauen, darum geht es der existenzielle. Frauen führen große, meistens aber kleine Unternehmen. Einzelunternehmerinnen und Freiberuflerinnen wissen: Ich bin mein Unternehmen. Erfolg ist für sie viel mehr als (nur) das wirtschaftliche Wachstum. Sie sind Frauen mit Ideen und Leidenschaft - und  könnten doch gelegentlich etwas größer denken!
10 Jahre lang ist existenzielle als Magazin gedruckt erschienen. Mit der Online-Plattform beginnt ein neues Experiment. Der Blog ist dabei wie eine regelmäßige Hausmitteilung - über das Experiment "Online", über Unternehmerinnen-Kultur und ihre Bilder in den Medien.

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