existenzielle lernt online
(Von Print zu Online 3)

Ein halbes Jahr ist es her. Da musste ich entscheiden, dass wir es nicht schaffen, existenzielle weiterhin als gedrucktes Magazin zu veröffentlichen. Die Entscheidung, online weiterzumachen, war zunächst eher ein trotziges: "Wir geben nicht auf!" als der überzeugte Wunsch, ein Netz-Magazin zu machen.
All die Leserinnen, die bedauerten, dass es nun nicht mehr gemütlich sei, auf dem Sofa existenzielle lesend einen Samstagnachmittag zu verbringen ... streuten Salz in die Wunde. Ja, habe ich oft geantwortet, ich habe auch lieber was Gedrucktes in der Hand.
Und jetzt? Acht Wochen nach dem Online-Start? Da klingt der Text über unsere Plattform schon ganz anders. Längst ist die Online-Publikation keine Notlösung mehr, sondern ein journalistisches und unternehmerisches Lernfeld mit schönen Erkenntnissen:
1. Ein Online-Magazin hat kein Platzproblem. Fragten die Autorinnen früher nach Zeichen- und Zeilenvorgaben und schrieben am besten "auf Zeile", so bekommen sie auch heute noch eine ungefähre Vorgabe. Ob ein Text mehr oder weniger Platz braucht, eine Passage überflüssig ist und gekürzt werden muss, lässt sich jetzt rein inhaltlich entscheiden. Redaktioneller Luxus.
2. Vier Mal im Jahr erschien die existenzielle gedru ckt. Da war so manche Nachricht schon alt, bevor wie sie endlich veröffentlichen konnten. Jetzt geht beides: Aktuelles melden und Hintergründe beschreiben.
3. In fast jedem Magazin gibt es eine Kolumne. Die hatten wir früher auch und wissen: Viele Leserinnen fangen dann hinten an zu lesen, weil sie genau auf diesen Text warten. Das ist immer noch so: Es gibt Leserinnen, die kommen nur wegen des Küchenblogs von Ilke S. Prick auf unsere Seite, andere lesen nur den Trauerblog von Mechthild Schroeter-Rupieper.
Im Online-Lesen wird das noch offensichtlicher. Denn das heißt gezielt nach Lesestoff zu suchen. Dafür neue Angebote für unsere sehr spezielle Zielgruppe zu stricken, das macht Spaß und ist ein spannender Prozess: Es sollen noch mehr Freiberuflerinnen an dieser Stelle von ihrer Arbeit erzählen.
3. Beraterinnen bloggen auf unserer neuen Plattform. Sie geben in ihrem Fachgebiet Tipps, Anregungen und Informationen. Die Anfragen: Könnte ich einen Fachartikel schreiben? Ich möchte als Expertin meinen Ansatz erklären ... konnten wir kaum bedienen. Denn jede Beraterin hat - ganz zu Recht - immer auch ein PR-Interesse. Und das wiederum wollten wir im gedruckten Magazin begrenzen. Mit den Blogs haben wir eine schöne Form gefunden, den Beraterinnen eine Plattform zu bieten: Sie werben und überzeugen mit Inhalten, ohne dass die Leserin zwischen den Zeilen lesen muss: Kommen Sie zu mir ...
4. Auch den Anzeigenkunden können wir mit mehr Platz im Netz andere Möglichkeiten der werblichen Präsenz bieten. Banner mit Partnerseiten zu verbinden, ist auf einer Online-Plattform leichter. In einem journalistisch gemachten Heft sollte der Platz für derlei gekaufte Inhalte begrenzt sein. Online ist das ein Klick- und Informationsangebot, eine Seite weiter - und trotzdem transparent als Werbung zu erkennen.
5. Wo was zu finden ist, zeigt unseren Leserinnen das Farbleitsystem: Rot ist das redaktionell gemachte Magazin, blau schreiben die Beraterinnen, grün präsentieren sich Unternehmerinnen auf dem Marktplatz.
6. Es gibt noch keine existenzielle-Gruppe bei Xing, Sie können auf Facebook noch nicht existenzielle-Fan werden, Sie werden in jüngster Zukunft keine existenzielle-Nachrichten per Twitter bekommen. Ausschließen würde ich weder das eine, noch das andere. Wir werden herausfinden, was zu uns passt und wo wir uns online weiter vernetzen.
7. Auch als Herausgeberin einer Online-Plattform habe ich meinen News-Konsum nicht komplett ins Netz verlegt. Meine Tageszeitungen lese ich bis heute nicht am PC, sondern mit Papier raschelnd am Küchentisch. Sonntags auch gern mit einer Tasse Kaffee im Bett.
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