Was kostet das bei dir?

Warum der Equal Pay Day auch selbstständige Frauen was angeht

26.03.2010, 18:05 von Andrea Blome

Wer heute eine rote Tasche in der Hand oder am Revers trägt, zeigt: Ich protestiere gegen die Lohnungerechtigkeit, die Frauen widerfährt. Eine gute Initiative hat der BPW Germany damit vor drei Jahren in Deutschland in Gang gesetzt. Geht mich nichts an, könnte die denken, deren Gehalt nicht vom Chef gezahlt wird. Aber auch bei den selbstständigen Frauen zeigt sich: Sie verdienen weniger als selbstständige Männer.



Das Datum des Equal Pay Day markiert den Zeitraum, den eine Frau über den Jahreswechsel hinaus arbeiten muss, um den Jahresverdienst ihres männlichen Kollegen zu erreichen. Deutschland bildet damit nach wie vor eines der Schlusslichter in der Europäischen Union, in der Frauen nach jüngsten Statistiken im Durchschnitt 17,4 Prozent weniger verdienen als Männer. (Ergebnisse im Detail)

Selten allerdings tauchen in den Veröffentlichungen Vergleiche der Einkünfte Selbstständiger auf. Der 1. Gender Datenreport des Bundesfrauenministeriums verglich die Differenz der Erwerbseinkommen von Männern und Frauen auch bei den Einkünften der Unternehmer/innen: Um 13 Prozent niedriger war 2003 das Einkommen der Chefinnen im Vergleich zu den Männern.

Warum das so ist?

Weil auch bei den selbstständigen Frauen die Aspekte greifen, die den angstellten Frauen auf dem Arbeitsmarkt zum Verdienst-Verhängnis werden:

Sie gründen häufig später als Männer und beginnen in der Selbstständigkeit oft eine "zweite Berufstätigkeit".

Sie gründen häufiger als Männer in Teilzeit, da sie die Selbstständigkeit mit familiären Aufgaben verknüpfen.

Sie gründen häufiger im Dienstleistungssektor - und auch als Selbstständige lässt sich in sog. Frauenberufen weniger verdienen.

Sie gründen häufiger als Männer kleinere Unternehmen, die weniger schnell wachsen.

 

Grund genug, in der Diskussion um den Gender Pay Gap auch die (vielen Einzel-)Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen zu sensibilisieren.

"Rechnungen schreiben fällt den Frauen schwer", hat Katja von der Bey von der Weiberwirtschaft in Berlin mal in einem Interview gesagt.
Höhere Honorare zu fordern, den Wert der eigenen Leistung auch ins richtige Geld-Verhältnis zu setzen, dafür gibt es viele Anlässe im Jahr.

Der Equal Pay Day wäre schon mal ein guter Anfang.

Ein guter Anfang, um zum Beispiel mit den eigenen Honoraren und Honorarforderungen transparenter umzugehen.

"Was kostet das bei dir?", sollte unter Freiberuflerinnen eine nicht ungewöhnliche Frage sein.
Was kostet eine Beratungsstunde? Eine Website? Eine Behandlung? Ein Text? Eine Moderation? Eine Übersetzung?

Freiberuflerinnen und Einzelunternehmerinnen sind untereinander oft sehr verschlossen, wenn es um die Kommunikation der eigenen Honorare geht. Weil sie nicht wollen, dass andere ausrechnen können, wie hoch ihr Umsatz ist? Weil sie ihre Honorare vielleicht selbst zu niedrig finden und das lieber nicht öffentlich sagen? Oder weil sie hohe Honorare fordern und bekommen und Angst haben, andere könnten von dem Kuchen was haben wollen?

Dabei könnten Frauen, die von den Honoraren der anderen wissen, gemeinsam eine Marktmacht bilden.
Denn im Wettbewerb stehen sie ohnehin, den sollten sie nicht über den Preis führen.

"Ich brauche gar kein höheres Honorar, ich komme gut klar", ist auch so ein beliebter Satz, mit dem eine Anbieterin ihren günstigen Preis erklärt.
Dass sie Auftraggebern damit quasi erlaubt, auch die Preise der anderen zu drücken, ist ihr vielleicht nicht bewusst. Vielleicht egal.

Wenn wir das Einkommensniveau der Frauen steigern wollen - auch das der selbstständigen - dann sollte Transparenz eine gemeinsame Verantwortung sein.






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02.04.2010, 22:44
Christl D.
stimme voll der Kommentatorin E.Kirchner zu. Muss aber sagen, dass man, wenn man viel jünger aussieht als man ist, eine zusätzliche Hürde nehmen muss. Der Neu-Kunde checkt erst mal ab, was er voraussichtlich bekommt für sein Geld. Souveränes Auftreten, Fachkompetenz, aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten und Freundlichkeit helfen den Kunden zu überzeugen - und das nachhaltig.

02.04.2010, 21:28
christine stallinger
Aus meinem Umfeld eine Beobachtung dazu: Es gibt Unternehmerinnen, die als "Ziel" haben, nur soviel wie ein kleines Frauengehalt zu verdienen, die aus Null- oder niedrigen Einkommensverhältnissen gegründet haben und ein anderes Verhältnis zu Zahlen besonders zu größeren haben. Nicht zu vergessen die Frauen, die bei der Festlegung ihrer Honorare etc. so denken als wären sie selbst der Kunde, sie wollen nicht anecken und "beliebt" sein. Insofern ist das "Preis"- Thema bei selbstständigen Frauen zu verknüpfen mit der eigenen Wahrnehmung als UNTERNEHMERIN... Meiner Meinung nach führt der Weg darüber und über das Verständnis wie Kunden WIRKLICH sind- sie geringschätzen letztlich die Billiganbieterin, nehmen aber gerne die Ersparnis mit. Will ich solche Kunden? Nein. Ganz Frau Kirchners Meinung noch ein paar schöne Tage über Ostern.

01.04.2010, 20:59
elke kirchner
sehr gut. mir wird oft nachgesagt "du bist zu teuer!". ich finde nicht und ich habe aufgehört meine preise zu rechtfertigen. meine kundinnen und kunden bekommen qualität und die hat nun mal ihren preis. vielen dank


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Eine andere Öffentlichkeit für selbstständige Frauen, darum geht es der existenzielle. Frauen führen große, meistens aber kleine Unternehmen. Einzelunternehmerinnen und Freiberuflerinnen wissen: Ich bin mein Unternehmen. Erfolg ist für sie viel mehr als (nur) das wirtschaftliche Wachstum. Sie sind Frauen mit Ideen und Leidenschaft - und  könnten doch gelegentlich etwas größer denken!
10 Jahre lang ist existenzielle als Magazin gedruckt erschienen. Mit der Online-Plattform beginnt ein neues Experiment. Der Blog ist dabei wie eine regelmäßige Hausmitteilung - über das Experiment "Online", über Unternehmerinnen-Kultur und ihre Bilder in den Medien.

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