Idee des guten Geschmacks

Marmelade aus der Backstube

Die Bäckerei stand jahrelang leer. 170 Quadratmeter Wohn- und Arbeitsfläche. Angela von der Goltz radelte hier täglich vorbei. Kontakt zu dem ehemaligen Inhaber hatte sie längst aufgenommen.



Aber dann wurde nichts draus – und die Inhaberin der Marmeladenmanufaktur baute ihr Unternehmen in ihrer angemieteten Küche und in ihren Privaträumen weiter aus.

Zentnerweise Obst und Zucker

Heute sagt sie: „Das waren logistisch wahnsinnige Umstände.“ Wer sie heute in ihren Geschäftsräumen besucht, kann sich kaum vorstellen, wie das war, tausende von Marmeladengläsern, zentnerweise Obst und Zucker aus dem Keller zu schleppen, von einem Ort zum anderen, zum Spülen, zum Kochen, zum Abfüllen, zum Verkauf.
Irgendwann sah Angela von der Goltz wieder Bewegung in der ehemaligen Backstube – und dann ging alles relativ schnell. Seit Anfang September 2009 hat die Mutter zweier Kinder hier nicht nur einen Laden und aus der ehemaligen Backstube Produktionsräume gemacht, sie ist auch gleich mit der ganzen Familie eingezogen.

Die Marmeladenmanufaktur

„Esskultur!“ Angela von der Goltz braucht nur ein Stichwort auf die Frage, wie aus einer Kulturwissenschaftlerin eine Marmeladenunternehmerin wird. „Die Marmeladenmanufaktur“, 2007 in Münster gegründet, vermarktet Esskultur in Reinform. Circa 80 Produkte hat Angela von der Goltz bislang in ihrem Sortiment, süße und süß-pikante Marmeladen, Gelees, Fruchtsaucen, einige Chutneys und Ketchup. Allesamt handgemacht mit frischen und saisonalen Produkten aus der Region, mit viel Frucht, wenig Zucker und ohne jegliche Zusatzstoffe. Gute Produkte in einer ästhetisch schönen Verpackung, die Marmeladenmanufaktur verkörpert die „Idee des guten Geschmacks“.

"Handgemacht" spricht für Qualität

Damit ist Angela von der Goltz in guter Gesellschaft und durchaus auf einem Trend- und Wachstumsmarkt unterwegs. Die internationale Organisation Slowfood hat die Kultur des guten, bewussten und regionalen Essens längst salonfähig gemacht. „Handgemacht“, das spricht für Qualität, für die Kunden bereit sind, durchaus tiefer in die Tasche zu greifen. Und doch: in jedem Supermarkt gibt es einige Marmeladen-Meter, selbst in Bioläden können Kunden zwischen vielen Sorten und Marken wählen. Und dann noch eine Marmelade?

Nicht einfach Erdbeermarmelade ...

“Was ich mache, ist anders“, sagt Angela von der Goltz und beginnt ihre Marke zu erklären. Blutorange mit Wodka, Saure Kirschen mit weißer Traube und Sherry, Rhabarber mit Orange und Walnuss oder Feige Senf mit Petersilie – die ausgefallenen Kreationen sind die Basis des Unternehmenskonzeptes von Angela Süren. Nicht einfach eine Erdbeermarmelade, sondern Erdbeere mit Minze, nicht einfach Himbeermarmelade, sondern Himbeere mit weißer Schokolade. Die Rohstoffe kauft die Unternehmerin möglichst bei Bauern in der Region, häufig in Bioqualität, und kooperiert mit den Streuobstwiesen des Naturschutzbundes. Dass sie ihre Marmeladen mit wenig Zucker, reinem Apfelpektin statt mit dem üblichen Gelierzucker und ganz ohne chemische Zusatzstoffe herstellt, heißt nicht, dass sie eine Biomarke etablieren will. „Mit einem Biolabel müsste ich schnell überregional einkaufen und vermarkten“, so die Einschätzung der Unternehmerin, die den Biomarkt in ihrem Segment für gesättigt hält.

Angela von der GoltzStattdessen setzt sie auf eine andere Strategie, ihr „Dienstleistungsangebot“. Angela von der Goltz verkauft ihre Marmeladen nicht nur auf dem Wochenmarkt oder bei Handelspartnern, sie bietet Kunden wie Hotels oder Feinkostgeschäften die Kreation von Hausmarken an. Für die Feinkosthändlerin Agnes Meile in Münster hat sie drei Marmeladen entwickelt, die diese unter ihrem eigenen Label verkauft. Eine Strategie, die auch bei Hotels aufgehen soll, und mit der Angela von der Goltz ihre Produkte national und auch international platzieren will.

Mit Lebensmitteln experimentieren

Dass sie überhaupt auf die Marmeladenidee kam, hat mit ihrer zweiten späten Babypause zu tun. Angela von der Goltz hatte bis dahin viele berufliche Erfahrungen gesammelt, sie war mal Krankenschwester in leitender Position, hat dann neben dem Studium im Feinkosthandel und Restaurants und als freie Mitarbeiterin bei Hörfunk und Fernsehen gearbeitet. Gemeinsam mit ihrem früheren Ehepartner führte sie ein Computerfachgeschäft und sagt von sich, dass sie schon immer eine Genießerin war, die nicht nur gerne isst, sondern auch ständig mit Lebensmitteln experimentiert. Als sie in der Babypause 2006 literarische Lesungen mit Buffets konzipierte und ihre Gäste die selbstgemachten Marmeladen, die es zum frisch gebackenen Brot gab, kaufen wollten, stellte sich Angela von der Goltz die Frage: „Was mache ich beruflich daraus?“ Für ein Veranstaltungsangebot „Lesen und Essen“ schien ihr der Markt in Münster zu klein, die Idee der Marmeladenmanufaktur hingegen weckte ihren Unternehmerinnengeist.

"Deutschlands Edelmarke"

Am Küchentisch in der Wohnküche erzählt Angela von der Goltz, wie sie es geschafft hat, mit ihrer selbstgemachten Marmelade nicht nur in der Region Aufsehen zu erregen. „Ich habe das Produkt Marmelade komplett modernisiert“, sagt sie. „Selbstgemachte Sachen in stylisher Verpackung“ – dafür gibt es einen Markt. Aus hochwertigen und möglichst regionalen Rohstoffen kreiert sie individuelle Rezepturen und bindet das Produkt in einen coolen Unternehmensauftritt ein. Daraus soll „die Edelmarke in Deutschland werden“. Die Gründerin glaubt an ihre Vision, weil sie an sich und ihre Fähigkeiten glaubt. Und die sind nicht nur in form von 80 kreativen Rezepturen in einer Ideen-Kladde gut aufgehoben.

Warum nicht nach Dubai?

An Visionen und Mut mangelt es ihr nicht. Das Produkt international zu platzieren, hält Angela von der Goltz für absolut machbar. Warum also nicht nach Dubai? Schließlich schätzt man dort deutsche Qualitätsprodukte. „Das dauert vielleicht noch ein, zwei Jahre“, lacht die Inhaberin der Marmeladenmanufaktur. „Manchmal bin ich in Gedanken schneller als in der Realität.“


(Unternehmerinnenbrief NRW, 2009)

Die Marmeladenmanufaktur wurde mit dem Unternehmerinnenbrief NRW ausgezeichnet.








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