„Reptilien eignen sich sehr gut"
So finden Sie ein Bürotier, das gut tut
Dr. Stefanie Heidbrink ist Tierärztin in Münster und auf Exoten spezialisiert. Sie gibt Tipps für die richtige Auswahl eines Kollegen aus dem Tierreich.
Foto: brit-berlin / pixelio
(aus: existenzielle 1/2009)
existenzielle: Welche Tiere eignen sich zur Haltung im Büro?
STEFANIE HEIDBRINK: Es kommt darauf an, was man von einem Tier erwartet. Katzen finde ich etwas schwierig, weil sie überall herumturnen. Bei Hunden muss man bedenken, dass sie oft raus müssen und Aufmerksamkeit brauchen. Aquarien wirken sehr beruhigend, Fische bieten manchen aber zuwenig Anreize.
Wie sieht es mit Ihren Lieblingstieren, den Reptilien, aus?
Reptilien eignen sich sehr gut. Es ist ihnen egal, ob ihr Terrarium in einer Wohnung oder im Büro steht. Viele Arten sind recht pflegeleicht. Schlangen etwa fressen nur einmal pro Woche oder seltener. Terrarien sind meistens mit einer Zeitschaltuhr ausgestattet, die morgens Licht und Wärme steigert und abends drosselt, so dass man die Tiere nachts und am Wochenende allein lassen kann.
Welchen Einfluss haben Tiere auf die Stimmung am Arbeitsplatz?
Ich glaube, dass die Wirkung von Tieren auf die Arbeitsatmosphäre sehr positiv ist. Man hat lebendige Natur im Zimmer, die interessanter ist als Pflanzen. Sich zwischendurch mit einem Tier zu beschäftigen, bietet eine schöne Entspannung.
Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, bevor man ein Bürotier anschafft?
Die Voraussetzung ist, dass alle Mitarbeitenden das Tier akzeptieren und niemand allergisch dagegen ist. Bei Kundenverkehr sollte die Möglichkeit bestehen, das Tier - sofern es nicht im Aquarium oder Terrarium lebt - in ein anderes Zimmer zu bringen.
Wie findet man ein Tier, das zum Team und zur Umgebung passt?
Man sollte sich viel Zeit nehmen, verschiedene Tiere anzugucken und sich in einer Zoohandlung nichts aufschwatzen lassen. Wer noch nie ein Tier hatte, sollte ein klassisches Anfängertier wählen: einen Hund, eine Katze oder bei den Reptilien eine leicht zu haltende Kornnatter oder eine Bartagame, eine Echsenart. Ein gutes Fachbuch und kompetente Beratung sind unerlässlich, um den Bedürfnissen des Tieres gerecht zu werden.
Gehört zu Ihrem eigenen Praxisteam auch ein Tier?
Ja, Cindy, die Jack Russel Terrierhündin meiner Helferin Sylvia Brinkmann. Sie ist schon älter und liegt meistens ruhig im Korb unter der Rezeption. Zuhause habe ich eine Rennmaus. Ich habe auch schon Schlangen und einen Gecko zu mir genommen, der im Supermarkt in einer Bananenkiste saß - wie das bei Tierärzten so ist.
Wie hat sich Ihre Vorliebe für exotische Tiere entwickelt?
Kontakt zu Exoten habe ich im Studium während meines einsemestrigen Praktikums in den USA bekommen. Ich war dort in einer Praxis mit vielen Exoten und habe mich dafür begeistert. Später habe ich fünf Jahre bei einem Tierarzt mit Schwerpunkt Reptilien gearbeitet. In Münster bin ich so ziemlich die einzige, die schwerpunktmäßig Exoten behandelt, zum Beispiel Schlangen, Frettchen, Schildkröten, Echsen und Papageien.
Interview: Gudrun Heyder



