Unternehmerinnen in der Pflicht

Corporate Social Responsibility – mehr als nur ein Modewort?

Anke Steinbach, Inhaberin von nonprofit business consult, erklärt, wie sich bürgerschaftliches Engagement und ökonomisches Handeln effizient verbinden lassen.



Anke Steinbach, nonprofit business consult(aus: existenzielle 1/2006)

existenzielle: Was verstehen Sie unter „Corporate Social Responsibility“?
ANKE STEINBACH: Im Kern geht es darum, dass Unternehmen ihr Handeln sozial und ökologisch verträglich gestalten und eine aktive Rolle in ihrem Umfeld einnehmen. Das geht los mit dem Produkt und umfasst den gesamten Prozess, von der Herstellung bis zur Verwertung. Im Mittelpunkt steht immer die Frage: Welche Wirkungen erzielen wir mit dem, was wir tun? Mit CSR sollen positive Wirkungen genutzt und negative minimiert werden.

„Für einen selbstständigen Unternehmer ist CSR so alt wie die Grundlagen der Europäischen Zivilisation“, kontern Familienunternehmerinnen wie die BJU-Vorsitzende Karoline Beck. Ist die gesamtgesellschaftliche Verantwortung im Unternehmertum tatsächlich so selbstverständlich verankert?
Das glaube ich nicht. Sonst gäbe es eine ganze Reihe von Problemen nicht, was etwa die ökologischen Herausforderungen oder Themen wie Kinderarbeit in Entwicklungsländern  betrifft. CSR ist aus dem gewaltigen Einfluss heraus entstanden, den Konzerne heute weltweit haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in Familienunternehmen Faktoren wie Wertebewusstsein, langfristiges Handeln und positive Beziehungen zum Umfeld eine große Rolle spielen. Die Verankerung der unterschiedlichen Facetten von CSR und eine ökonomische Ausrichtung ist aber auch dort bislang kaum die Regel.

Gibt es Beispiele für vorbildliche Entwicklungen?
Unilever setzt sich für bestandserhaltende Fischerei ein, BP investiert in erneuerbare Energien, Herlitz engagiert sich für die nachhaltige Förderung der Lehr- und Lernkultur. Ein Bäcker in Düsseldorf holt regelmäßig Schulklassen zum Backen, damit sie erfahren wie Brot hergestellt wird und um sie für den Beruf zu begeistern. Dort gibt es nämlich echte Nachwuchssorgen. Entscheidend ist, dass die Initiative auch zu dem Unternehmen passt. Die Aktivitäten müssen einen klaren Geschäftsbezug haben und in einem sinnvollen Aufwand-Nutzen-Verhältnis stehen. Das gilt für Konzerne wie für kleinere Betriebe. Erst kürzlich sprach ich mit der Chefin einer Möbelspedition, in der man sich Gedanken um den gigantischen Kartonverbrauch gemacht hat. Auch da geht es um die Frage, welche Art von Wirkung man hat. In diesem Fall wird zum Beispiel überlegt, ob der negative Effekt durch Wiederaufforstungsaktionen kompensiert werden könnte.

Um damit zugleich das Image aufzupolieren.
Unternehmen engagieren sich, weil es ihnen was bringt: Neue Kunden, viel versprechende Zukunftstechnologien, Kostenersparnisse. Das ist auch nicht verwerflich, so lange es glaubwürdig ist. Viele Aktionen sind allerdings in erster Linie an imageträchtigen Themen ausgerichtet und weniger an dem, was für das Unternehmen sinnvoll wäre. Der langfristige Schaden solch unstimmiger PR-Kampagnen ist jedoch dauerhafter als der schnelle Imagegewinn.

Wie finde ich als Unternehmerin eine am Gemeinwohl orientierte Strategie, die zu meiner Firma und zu meinem Stil passt?
Was ist unser Kernanliegen? Diese Frage steht immer im Mittelpunkt. Welche Themen sind für unsere Kunden relevant? Wo liegen unsere künftigen unternehmerischen Herausforderungen, wenn es um soziale und ökologische Fragen geht? Wesentlich ist manchmal schon die Erkenntnis, dass systematisch entschieden werden muss, wofür man sich engagiert. Firmen werden heute überschüttet mit Anfragen. Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl besteht letztlich aber auch darin, Ressourcen da einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden. Auf der anderen Seite steht allerdings auch jeder einzelne als Konsument in der Pflicht. Wir müssen uns interessieren für das, was Firmen tun und was sie unterlassen  - und dementsprechend kaufen! Schließlich sollten wir vom Unternehmer nicht mehr Moral verlangen als von uns selbst.

Interview: Gunda Achterhold

Zur Person:
Anke Steinbach
ist Volkswirtin und lebt in Düsseldorf. Mit ‚non profit business consult’ berät sie Unternehmen zu CSR-Themen und Nonprofit-Organisationen zu Management-Fragen.








ANZEIGE



Neues von unseren Beraterinnen

Vergleichen macht klein

oder Wann ist es eigentlich genug? mehr...

 3 Tipps damit es mit der Akquise noch besser klappt!

Eindrücke vom Hamburger Impulstag "Neukundengewinnung" mehr...

Du liebe Familie!

Sie sind Tierärzte, Landwirtinnen, Hausfrauen: Manche Anteilseigner haben wenig mit dem Familienunternehmen zu tun, in dem Sie mit bestimmen. Wie kann das gut gehen? mehr...

Neu auf dem Marktplatz

Christine Kempkes

Christine Kempkes Coaching
Profil ansehen...

Kerstin Andresen

public roses
Profil ansehen...

Sonja Wegner

Geschichte & Kommunikation
Profil ansehen...