„Wir sind auf dem Weg in eine neue Business-Welt“

Ein Plädoyer für mehr Spiritualität in der Wirtschaft

Die amerikanische Trendforscherin Patricia Aburdene ist davon überzeugt, dass spirituelle Werte in der Weltwirtschaft immer wichtiger werden und Unternehmen von diesem Wandel profitieren können. 



Patricia Aburdene(aus: existenzielle 1/2006) 

existenzielle:In Ihrem Buch „Megatrends 2010“ sprechen Sie vom Aufstieg eines „bewussten Kapitalismus“. Welche Rolle spielt Liebe im Business?
PATRICIA ABURDENE: In der heutigen Zeit spielt Liebe in der Geschäftswelt eine immer größere Rolle. Ende 2007 war ich bei einer Veranstaltung und wir sprachen über die Bedeutung von Werten im Rahmen einer bewussten Unternehmensführung. Der Präsident eines Acht-Milliarden-Dollar-Unternehmens sagte: „Nun, das, worum es geht, ist Liebe.“ Bei der Verleihung des International Spirit at Work Awards referierte Stephan Bode vom Bio Seehotel Zeulenrola, das zu den ausgezeichneten Unternehmen gehörte, über die Management-Praxis in seinem Haus und erwähnte ebenfalls das Wort Liebe. Zwei Mal in nur einem Monat kam das Gespräch auf das Thema Liebe, und erstaunlicherweise beide Male durch Männer. Hieran zeigt sich, dass wir wirklich auf dem Weg sind in eine neue Business-Welt.

Was sagen Sie Kritikern, die glauben, im Geschäft gehe es um Geld, nicht um Emotionen?
Ich bedauere jeden, der glaubt, im Business ginge es alleine darum, Geld zu machen. Wer so denkt, wird keinen Spaß an der Arbeit haben. Und außerdem nicht wirklich viel Geld verdienen. Erfolg erwächst aus Leidenschaft, Überzeugung und Kreativität. Das sind alles sehr emotionale Dimensionen. Warum? Weil diese Werte den Menschen ausmachen. Und Menschen, sei es als Kunden, Führungskräfte, Arbeitnehmer, Investoren oder Zulieferer, sind es, die ein Unternehmen erfolgreich machen – nicht eine „Es geht alleine um den Profit“-Mentalität.

Was bedeutet es, wenn wir die Messlatte „Liebe“ auf unternehmerisches Wirken anlegen?
Vor allem für Frauen ist es wichtig, zunächst einmal zu definieren, was Liebe wirklich ist. Es geht nicht darum, sich aufzuopfern oder anderen immer nur gefällig zu sein. Im Business gibt es Dinge, die getan werden müssen – aber man sollte sie aus einer Haltung des Mitgefühls tun. Wenn man beispielsweise gezwungen ist, Mitarbeiter zu entlassen, ist es sehr hilfreich, das mit der gebotenen Fairness zu tun, indem man die Gründe für die Entscheidung transparent macht und mit einem Gefühl für die Sorgen und Ängste der Betroffenen agiert.

Kann man seine innere Berufung, also die Liebe zum eigenen Business zu einem Mehrwert für mögliche Kunden werden lassen?
Absolut! Das ist sogar essenziell. Das eigene Unternehmen einwandfrei zu führen, ist eine Voraussetzung, um im Business zu bleiben. Aber die persönliche Leidenschaft und die eigenen Werte sind es, die es unverwechselbar machen. So entstehen wirkliche Alleinstellungsmerkmale. Liebe, Goodwill, Mut und andere transzendente menschliche Werte verwandeln sich so in konkreten Erfolg.

Wie können Unternehmerinnen ihre spirituelle Haltung im Business zeigen?
Es gibt immer noch viele Menschen, die mit dem Thema Spiritualität überhaupt nichts anfangen können, aber das bedeutet nicht, dass man deshalb seine eigenen Ambitionen unter den Teppich kehren sollte. Spiritualität ist für alle Menschen eine Lebenskraft – ob sie sich selbst nun als spirituell ansehen oder nicht. Der einfachste Weg, zu anderen auf dieser Ebene eine Verbindung herzustellen, ist es, sich um sie zu kümmern und Interesse für sie zu zeigen. Wenn man Menschen fragt, wer sie sind und was sie sich wünschen, nimmt man auf einer spirituellen Ebene Kontakt auf, ohne groß darüber reden zu müssen.

Manchen Unternehmerinnen fehlt vielleicht der Glaube daran, dass das funktioniert. Was kann man dieser Selbstzensur entgegensetzen?
Hierzu braucht es Vertrauen, und das gewinnt man nur durch Mut, indem man kontinuierlich am Ball bleibt und sich der Unterstützung von Menschen versichert, die die eigenen Werte teilen. Unternehmerinnen sollten mit gleich gesinnten Geschäftsfrauen Netzwerke aufbauen, die es ihnen erleichtern, ihrem Weg treu zu bleiben. Und: Man sollte bei aller Liebe nicht vergessen, seine fachlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Ich gebe Unternehmerinnen immer den Rat, die Fähigkeiten, die sie am wenigsten beherrschen, aufzulisten und sich ihnen dann konsequent zu widmen, um sie zu meistern.

Im Alltag stellt sich leicht das Gefühl ein, dass man sich erst einmal um den Umsatz kümmern muss, bevor man sich den eigenen Idealen zuwenden kann. Wie kann man mit diesem inneren Kampf umgehen?
Rationale Erwägungen wie diese sind hilfreich, um die Dinge, die wir lieben, besser zu machen. In erster Linie sollte man tun, was man liebt, und dann sehen, wie man gängige Business-Tools nutzen kann, um diesen Prozess zu optimieren. Man sollte nie die notwendigen Mittel mit der Liebe verwechseln! Als Frauen, die täglich mit Herausforderungen konfrontiert sind – und diese Herausforderungen lassen sich nicht leugnen! –, müssen wir unsere Vorstellungen von Erfolg überdenken. Tiefgreifende Erfolge beinhalten zwar auch finanzielle Aspekte, aber genau so wichtig sind Bedeutung und Erfüllung. Als Unternehmerin ist es notwendig, mit den Regeln der Geschäftswelt vertraut zu sein. Aber das ist etwas anderes als zu denken, man muss erst Profit machen, bevor man seine Werte leben kann. Lebe deine Werte von Anfang an und sei geduldig, dann stellt sich der Gewinn auf ganz natürliche Weise ein.

Interview: Dr. Nadja Rosmann

Zur Person
Patricia Aburdene
ist eine weltweit führende Trendforscherin. Sie berät seit über 25 Jahren internationale Unternehmen in Transformationsprozessen und hält Vorträge bei globalen Businesskongressen. Ihre Karriere als Wirtschaftsjournalistin begann sie 1978 bei Forbes, und in den neunziger Jahren entwickelte sie am Radcliffe College in Cambridge, Massachusetts, neue Modelle für Leadership. Ihr aktuelles Buch heißt „Megatrends 2010 – The rise of conscious capitalism. Seven trends that will transform how you work, live and invest“.








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