Ethikbank mit Frauenspitze
Sylke Schröder, EthikBank
Ihre Bankkarriere begann im Sekretariat der Eisenacher Volksbank. Sylke Schröder ist seit März 2009 Vorstand der EthikBank. Ihr Ziel: "Ethische Bankgeschäfte sollen den Menschen so vertraut sein wie Bio-Lebensmittel."
existenzielle: Immer mehr Bankkunden fragen sich in Zeiten der Banken- und Finanzkrise, ob ihr Geld bei der Hausbank noch sicher ist und suchen nach Alternativen. Die Nürnberger Umweltbank hingegen konnte ihre Zuwachsrate an Kunden zum Vorjahr um über 15 Prozent steigern. Auch die GLS-Gemeinschaftsbank , die zweite große Alternativbank in Deutschland, gewinnt dazu und erhöhte jüngst ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 20 auf 25 Prozent. Wie sieht es bei der noch jungen EthikBank aus?
SYLKE SCHRÖDER: Auch wir sehen uns als Gewinner in der Krise. Selbst im vergangenen Jahr konnten wir unser Ergebnis steigern. Die Zahl unserer Kunden stieg um 15 Prozent. Es freut uns sehr, dass in den ersten Monaten dieses Jahres das Volumenwachstum schon jetzt so groß ist wie im ganzen Jahr 2008. Dabei gibt es seit geraumer Zeit eine sehr große Nachfrage nach Girokonten bei der Ethikbank. Das ist ein sehr positives Zeichen, denn es signalisiert, dass die Kunden mit ihren gesamten Bankgeschäften wechseln wollen und mehr suchen, als ein ökologisch korrektes Festgeldkonto.
Die Ethikbank wirbt damit, dass im Zentrum ihrer Arbeit der Mensch steht. Das tun viele andere Unternehmen auch. Was genau verstehen Sie darunter?
Wir sind für Menschen da, die Verantwortung in der Wirtschaft, für die Gesellschaft oder für die Umwelt übernehmen und ihre persönlichen Interessen mit ethischen Grundsätzen und Zielen vereinbaren und weitsichtig in die Welt künftiger Generationen investieren wollen. Wichtig ist uns auch, einen offenen Gedankenaustausch und eine gesunde Streitkultur zu unterstützen und untereinander zu pflegen. Obwohl wir eine Direktbank sind, pflegen wir einen engen und persönlichen Kontakt mit unseren Kunden. E-Mails unserer Kunden werden innerhalb von 24 Stunden ausführlich beantwortet. Außerdem suchen wir das Gespräch mit unseren Kunden auch über die herkömmlichen Bankgeschäfte hinaus. Dazu gehört unser regelmäßig erscheinender Newsletter in dem wir über aktuelle Themen informieren und zum Dialog einladen.
Und was zeichnet die Geschäftspolitik der EthikBank aus?
Transparenz, Transparenz und nochmals Transparenz. Das Herz der EthikBank schlägt in unserer sozialökologischen Anlagepolitik. Dabei legen wir bis ins Detail offen, wie und wo wir das Geld unserer Kunden anlegen. Dies gibt es bislang bei keiner anderen Bank. Im Rahmen unserer Anlagepolitik investieren wir das Geld unserer Kunden nur in Wertpapiere, die strengen ethisch-ökologischen Anlagekriterien genügen. Tabu sind für uns Unternehmen, die etwa Militärwaffen herstellen oder vertreiben, mit Gentechnik arbeiten oder Kinderarbeit zulassen. Wichtig ist uns hingegen, dass das Unternehmen sich aktiv für soziale und ökologische Ziele engagiert. Bei der Kreditvergabe achten wir darauf, dass das Geld in umweltverträgliche Projekte fließt. Mit dem ÖkoKredit sind nahezu drei Millionen Euro Umlauf.
Wer sind Ihre Kunden?
Männer wie Frauen gehören gleichermaßen zu unseren Kunden. Die meisten von ihnen sind überdurchschnittlich gebildet und betrachten die Welt ausgesprochen kritisch. Zahlreiche Kunden sind Akademiker, viele von ihnen leben in Berlin. Aber auch gemeinnützige Organisationen, Stiftungen und Mittelständler fühlen sich von uns angesprochen. Mehr als 90 Prozent der Kunden kommen aus den alten Bundesländern. Die meisten Kunden wollen Rendite mit dem ethischen Mehrwert verbinden.
Wie kam es zu der Idee, die Ethikbank zu gründen?
Die Idee hatte ich zusammen mit Klaus Euler, dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Eisenberg eG. Als ich die Folgen eines Sportunfalls auskurierte und etwas mehr Zeit hatte zu lesen, stieß ich auf einen Zeitungsartikel, der darüber berichtete, dass immer mehr Frauen in ethische Geldanlagen investieren. Das war der Anfang von allem. Die EthikBank wurde einige Jahre später – Jahr 2002 – als Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg eG gegründet.
In Ihrem ersten Beruf waren Sie Sekretärin. Heute sind Sie nicht nur Bankerin mit Leib und Seele, sondern auch Mitglied des Vorstands der EthikBank. Wie kam es dazu?
Eine Bankkarriere gehörte gewiss nicht zu meiner Lebensplanung. Ich war ausgebildete Sekretärin, arbeitete in einer Töpferei und wollte die bewegte Wendezeit nutzten, um nach einer neuen Aufgabe zu suchen. Es war Zufall, dass ich damals eine Stelle als Vorstandssekretärin bei der Volksbank Eisenberg bekam. Es hätte genauso das Vorzimmer des Verwaltungsdirektors einer Universitätsklinik oder ein Baubetrieb sein können. Ich glaube aber daran, dass die wirklichen Meilensteine im Leben immer aus einem vermeintlichen Zufall heraus entstehen. Heute bin ich sehr froh, dass es so gekommen ist.
Im Vorstand der EthikBank arbeiten zwei Frauen, auch die große Mehrheit der Mitarbeiter der Bank ist weiblich. Ist das Zufall?
Wenn wir Mitarbeiter einstellen, suchen wir keine Frau, sondern den besten Bewerber. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Unsere jahrelangen Erfahrungen zeigen allerdings, dass Frauen meist das Rennen machen. Möglicherweise sind soziale Neigungen wie Empathie und kommunikative Fähigkeiten bei Frauen stärker ausgeprägt.
Die EthikBank ist gegenwärtig eine von drei nachhaltig denkenden und arbeitenden Banken. Schauen Sie sich genau an, was Ihre Konkurrenz macht?
Ich bin ein sehr intuitiver Mensch. Wenn ich von einer Idee überzeugt bin, dann glaube ich daran. Was andere machen, interessiert mich in dem Moment nicht, es würde mich nur ablenken. Mein Ziel ist es, die EthikBank im Dreigestirn der ethischen Banken in den nächsten Jahren fest zu etablieren. Daher wollen wir uns in diesem und dem kommenden Jahr auf den Vertrieb konzentrieren. Zwar bewegen wir uns noch in einer Nische. Doch immer mehr Menschen haben die Nase voll von Banken, die ausschließlich auf die Eigenkapitalrendite schauen und suchen nach Alternativen. Natürlich ist es auch unser Ziel, Geld zu verdienen – aber nicht um jeden Preis. Ich wünsche mir, dass ethische Bankgeschäfte für immer mehr Menschen so vertraut sind wie heute die Bio-Lebensmittel. Das Bewusstsein für eine sozialökologische Wertekultur in breiten Bevölkerungsschichten zu schaffen, ist für mich eine Herzensangelegenheit.
Frau Schröder, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Interview: Nicola Schuldt-Baumgart
Zur Person:
Sylke Schröder
Zur Bankerin ist Sylke Schröder relativ spät geworden. 1966 in Jena geboren und in Ostthüringen aufgewachsen, machte sie von 1982 bis 1984 eine Ausbildung als Bürokauffrau. 1984 bis 1987 arbeitete sie als Sekretärin im Büro des Generaldirektors im Kombinat VEB Keramische Werke Hermsdorf und bildete sich zur „staatlich geprüften Sekretärin“ weiter. Nach der Geburt ihres Sohnes 1987 nahm sie ein Jahr später eine Stelle als Sekretärin in der Töpferei „Alt Bürgeler blau-weiß“ an. 1992 begann sie als Vorstandssekretärin bei der Volksbank Eisenberg, stieg zur Direktionsassistentin auf, kümmerte sich um den Aufbau der Marketing- und Vertriebsorganisation und erhielt schließlich im Jahr 2000 Prokura. Inzwischen ist sie ausgebildete Bankkauffrau, diplomierte Bankbetriebswirtin und hat zudem die Prüfungen zur Marketingleiterin Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) und Vertriebsleiterin ADG erfolgreich bestanden. Ihre fachliche Vorstandsqualifikation erwarb sie in den Jahren 2006 bis 2007 an der ADG in Montabaur.
Die EthikBank
Die EthikBank als eine Direktbank und in Deutschland und Österreich tätig. Die EhtikBank wurde im Jahr 2002 als Zweigniederlassung der thüringischen Volksbank Eisenberg eG gegründet, einer der kleinen Volksbanken Deutschlands. Kurz nach ihrem Markteintritt im Dezember 2002 zählte die Bank 1000 Anleger zu ihren Kunden mit einem Einlagenvolumen von 25 Mio. Euro. Im vergangenen Jahr verwaltete die Bank ein Einlagenvolumen von knapp 70 Mio. Euro, während der Kundenkreis auf 7.500 angewachsen ist. www.ethikbank.de
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