Keine naiven Weltverbesserer

Wie Social Entrepreneurs gesellschaftliche Probleme lösen

Für Konstanze Frischen, die Gründerin von Ashoka Deutschland, werden Unternehmer, die Gutes tun, immer wichtiger. Sie sind gefragt, weil die Politik nicht mehr alle Probleme der Gesellschaft lösen kann.



(aus: existenzielle 4/2008)

Sind Social Entrepreneurs Wohltäter oder Unternehmer?
KONSTANZE FRISCHEN: Der Gegensatz ist konstruiert. Social Entrepreneurs sind beides: Sie lösen gesellschaftliche Probleme auf unternehmerische Weise – sie erfinden neue, effizientere Wege, jugendlichen Arbeitslosen in die Selbständigkeit zu verhelfen, Straftäter zur dauerhaften Abkehr von Hass und Gewalt zu bewegen oder Kinder aus bildungsfernen Schichten zu fördern. Und sie wollen wachsen. Sie sind nicht damit zufrieden, nur in einem Stadtteil tätig zu sein. Sie möchten ihre Methode landesweit verbreiten.
 
Warum brauchen wir den Begriff Social Entrepreneur?
Um das Schlaglicht auf Persönlichkeiten zu werfen, die historisch lange Zeit nicht oder nur als Randfiguren wahrgenommen wurden – von Ausnahmen abgesehen wie z.B. Maria Montessori.
 
Was unterscheidet Social Entrepreneurs von anderen Unternehmern und Unternehmerinnen?
Social Entrepreneurs verfolgen kein Profit-Motiv.
 
Sind Social Entrepreneurs damit weniger unternehmerisch tätig als andere Unternehmer?
Auf keinen Fall weniger: Die Herausforderungen eines Social Entrepreneurs, z.B. Kindern aus bildungsfernen Schichten bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen oder die Situation von Migranten zu verbessern, sind gewaltig. Jeder Social Entrepreneur braucht eine gehörige Portion Kreativität, taktische und strategische Intelligenz, Mut und Hartnäckigkeit – von letzterem sogar besonders viel, denn der Überlebenskampf im sozialen Sektor ist besonders hart, weil es ungleich schwerer ist, sich zu finanzieren.
 
Worin unterscheiden sich die Methoden und Strategien der Social Entrepreneurs von anderen Unternehmern?
Social Entrepreneurs befriedigen nicht nur Bedürfnisse ihrer Kunden – sie ändern Haltungen und Einstellungen. Der Ashoka-Fellow Murat Vural z.B. trägt entscheidend dazu bei, dass Kinder mit Migrationshintergrund Schule "cool" finden, Deutsch lernen und Spaß am Leben bekommen, und dass sich die Beziehung zwischen Deutschen und Migranten verbessert.

Welche Strategien sind für Social Entrepreneurs entscheidend?
Da gibt es keine allgemeingültige Antwort. Was wir von Ashoka sehen: erfolgreiche Social Entrepreneurs trauen ihren "Kunden" viel zu und stärken sie, anstatt sie mit Almosen zu bedenken. Beispiel Muhamad Yunus, Gründer der Grameen Bank und Friedensnobelpreisträger: Er vergibt in Bangladesh mittlerweile auch an Bettler Mikrokredite und macht sie zu Kleinstunternehmern. Der deutsche Ashoka-Fellow Norbert Kunz hilft arbeitslosen Jugendlichen erfolgreich in die Selbstständigkeit – indem er ihnen zwar entscheidende Hilfestellung vor, während und nach der Gründung gibt, sie aber gleichzeitig bestärkt, ihre eigenen Ideen auf Erfolg zu testen und ihnen keinen Arbeitsschritt abnimmt. Social Entrepreneure sehen auch vermeintlich schwache Menschen als stark an – und sie helfen ihnen, ihre Kräfte zu wecken und ihr Potenzial zu entfalten.
 
Wie muss eine Unternehmerin mit einem sozialen Ziel vorgehen, um ihre Idee voranzutreiben und erfolgreich zu sein?
Das lässt sich nicht verallgemeinern. Aber: Erfolgreiche Social Entrepreneurs sind keine naiven Weltverbesserer. Sie kennen ihren "Markt", ihre "Kunden". Sie wissen, welche Stakeholder sie ansprechen müssen. Sie sind realistisch und konkret: Sie entwerfen nicht am Schreibtisch Meta-Pläne zur Rettung der Welt, sondern unternehmen einen Schritt nach dem anderen.

Interview: Katja Gartz

 

Info: Ashoka Deutschland
Ideen für den Wandel

Die Ashoka Deutschland gGmbh mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft von Ashoka International. Konstanze Frischen hat Ashoka in Deutschland gegründet und aufgebaut. Ashoka unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit innovativen und effektiven Ideen, gesellschaftliche Probleme lösen. Im Rahmen eines Fellow-Programms fördert Ashoka jährlich die innovativsten Social Entrepreneurs Deutschlands.
Getragen wird Ashoka Deutschland von einem Netzwerk aus Familienunternehmern, Venture Capitalists, führenden Managern und Wirtschaftsexperten. Gegründet wurde die internationale Organisation von dem ehemaligen McKinsey-Berater Bill Drayton, die Zentrale befindet sich in der amerikanischen Hauptstadt Washington. Der Name Ashoka geht auf einen indischen Fürsten des dritten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung zurück, der sich nach Jahren kriegerischer Herrschaft für Versöhnung, Toleranz, Freiheit und ökonomischen Wohlstand einsetzte.

http://germany.ashoka.org

 

 

 








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