Grande Dame der Fünfziger Jahre
Fini Pfannes, Werbefachfrau, Publizistin und Lobbyistin
Sie war eine Pionierin in der Werbebranche. Im Nachkriegsdeutschland setzte sie sich als eine der wenigen Frauen mit ihrer eigenen Agentur durch. Unternehmerisches und politisches Engagement gehörten für sie zusammen.
(aus: existenzielle 3/2006)
Fini Pfannes war eine streitbare und nie unumstrittene Persönlichkeit. Die Werbefachfrau, Publizistin und Präsidentin des Deutschen Hausfrauenbundes gilt als wichtigste Protagonistin der Nachkriegsfrauenbewegung. Ihre Weggefährten schildern die Grande Dame der Fünfziger Jahre als eloquent, sehr klug und von „großem Sachverstand.“ Andere bezeichnen sie als „sehr charmant und großzügig“. Sie konnte aber auch „regieren und dominieren“ und trat oft mit einer gewissen Arroganz auf. Zeitzeugen schildern sie aber auch als einsame Frau, die „Angst hatte, irgendwas an sich ran zu lassen“.
Nach dem frühen Tod ihres Mannes lebte Fini Pfannes ganz für ihre Arbeit. Sie hatte weder Familie noch enge Freunde. Überliefert ist jedoch ihr großes Interesse an Literatur, Theater, Konzerten und Reisen. Sie galt zudem als profunde Kennerin der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte. Den Grundstein hierzu legte Fini Pfannes selbst, als sie nach dem Ende ihrer Schulzeit die Literaturzirkel in ihrer Heimatstadt Braila besuchte und Privatkurse in Englisch und Französisch nahm.
Geboren wurde sie als Josefine Propper am 8. Dezember 1894. Sie wuchs als einziges Kind einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie in der rumänischen Industrie- und Handelsstadt Braila auf. Ihr Vater betrieb in der Donaumetropole ein Handelsunternehmen. Für die damalige Zeit ganz unüblich, besuchte die junge Fini – auf diesen Namen legte sie selbst sehr großen Wert – nach Abschluss der regulären Schulzeit eine private Höhere Töchterschule. Anschließend setze Fini durch, eine kaufmännische Ausbildung in einem großen internationalen Exporthaus machen zu dürfen. Später empfand sie diese Zeit als „große Bereicherung“, dort habe sich „ihr Weltblick“ erweitert.
Als Rumänien im August 1916 auf Seiten der Entente-Mächte Frankreich, Großbritannien und Russland in den Ersten Weltkrieg eintritt, endet ihre berufliche Tätigkeit. Doch mit dem Beginn der Besatzungszeit Rumäniens durch Deutschland und Österreich-Ungarn kommt es zur entscheidenden Wende in ihrem Leben. Sie lernt den deutschen Soldaten Carl Pfannes kennen. Nach zweijähriger Verlobungszeit heiraten Josefine Propper und Carl Pfannes am 12. Februar 1920 in Würzburg, der Heimatstadt der Familie Pfannes. Kurz nach der Hochzeit zieht das Paar nach Frankfurt.
Zu einer Zeit, als die Berufstätigkeit von Frauen alles andere als selbstverständlich ist, baut Fini Pfannes gemeinsam mit ihrem Mann einen Anzeigenvertrieb auf: „Er fand eine neue Betätigung im Reklamefach, wobei ich im weitgehensten Maße mitarbeitete und ihn bei der Errichtung einer neuen Lebensgrundlage unterstützte.“ Auch ihre eigene Karriere beginnt. Die Main-Gaswerke engagieren sie als Werbeleiterin. Fini Pfannes soll eine Service-Abteilung aufbauen, den Hausfrauendienst, um die Verbraucherinnen über den Umgang mit Gasgeräten zu informieren. Daneben schreibt Fini Pfannes für eine regelmäßig erscheinende Frauenbeilage einer Zeitung. Auch im zunehmend populärer werdenden Rundfunk ist sie mit einer täglichen Sendung zur Verbraucherinnenaufklärung zu hören. Binnen kürzester Zeit wird Fini Pfannes in Frankfurt zu einer „Institution“.
„Ich war klug genug, im Schatten zu bleiben“, schildert Fini Pfannes später die Zeit des Nationalsozialismus. Eine Emigration scheitert an der Krankheit ihres Mannes. Mit seinem Tod 1940 verliert sie den letzen persönlichen Schutz, den ihr die Ehe mit ihrem nicht-jüdischen Ehemann geboten hatte. Fast fünf Jahre lebt sie nun hinter „fest zugezogenen Gardinen“ in ihrem Haus in Frankfurt unter schwierigsten finanziellen Bedingungen. Jederzeit bereit, Selbstmord zu begehen, sollte sie „abgeholt“ werden. Sie überlebt, verliert aber 1945 im Zuge der Enteignungen unter der amerikanischen Militärverwaltung ihr Haus und nahezu ihre gesamte Habe. Einmal mehr beginnt sie ganz von vorn, und hat „ohne Behörden und sonstige Personenkreise zu belästigen – mein Schicksal selbst in die Hand genommen und gemeistert“ und sich selbstständig gemacht.
Im Deutschland der Wirtschaftswunderjahre war Fini Pfannes eine der ersten Frauen, die mit einer eigenen Agentur in der auch heute noch männerdominierten Werbebranche erfolgreich Fuß fasste. Ihr Werbedienst wurde zu einer der besten Adressen der Branche. Zu ihren Kunden zählten namhafte Unternehmen aus dem Haushalts- und Ernährungsbereich. Ihre Werbung galt als „ausgesprochen gekonnt, denn an die Produkte, für die sie warb, stellte sie hohe Anforderungen und testete sie genau“. Fini Pfannes Herz hing jedoch an ihrer publizistischen Arbeit. Die "kulinarische Schriftstellerin" veröffentlichte mehrere Kochbücher, die zu Standardwerken mit hohen Auflagen wurden. Bereits 1955 machte Fini Pfannes Umsätze in Millionenhöhe und beschäftigte fünfzehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Neben ihrer unternehmerischen Arbeit engagierte sie sich auch politisch. Für sie war klar, dass „ohne die aktive Teilnahme der deutschen Frauen kein demokratisches Deutschland entstehen kann“. Da der „vielfältige Überlebenskampf der ersten Nachkriegsjahre“ überwiegend von (Haus-)Frauen geführt wurde, war es für sie nur folgerichtig, sich in den allseits entstehenden überparteilichen Frauenverbänden zu engagieren und gemeinsam mit anderen Frauen den Deutschen Hausfrauenbund (DHB) aus der Taufe zu heben. Wichtig war ihr dabei, „die Bildung der Hausfrauen auf ihrem ureigenstem Gebiet, dem Haushalt, zu vervollständigen.“
Wegen ihres extravaganten Kleidungs- und Lebensstils und der Eloquenz, mit der sie ihre öffentlichen Auftritte absolvierte, galt Fini Pfannes bald als „Paradiesvogel“. Nicht wenige empfanden ihre Erfolge als Provokation. Der SPIEGEL ging in einer Ende 1955 veröffentlichten Titelgeschichte gar so weit, über das „stilvolle Bettgehäuse ihres Schlafzimmers“ zu schreiben und Fini Pfannes als „Perle in der Muschel“ zu diskreditieren. Auch die Nähe ihres unternehmerischen Engagements zu ihrer Arbeit für den DHB wurde Fini Pfannes immer wieder angelastet. Die Vorwürfe führten 1956 zu ihrem Rücktritt als Präsidentin des DHB.
Die kurz nach ihrem Tod 1967 gegründete Fini Pfannes Sitftung ist ihr einziges Vermächtnis. All ihre persönlichen Unterlagen, ihre Bibliothek und weitere Zeugnisse ihres Lebens sind verschollen. Auch die Unternehmerin Fini Pfannes und ihre politische Arbeit sind heute fast vergessen. Dabei war sie ihrer Zeit weit voraus. Verstand sie es doch auf beeindruckende Weise, ihre berufliche Arbeit mit ihrem gesellschaftlichen Engagement zu verbinden. Damit zählt sie auch heute noch zur Avantgarde.
Autorin: Nicola Schuldt-Baumgart
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