„tausche Quark-Stulle gegen Salami-Brot"
Barbara Schreiter, Agentur für kreative PR
Ein Gespräch über kreative Ideen für Unternehmen mit starken Werten, Persönlichkeiten im Hintergrund und die Zusammenarbeit von Alt und Jung.
existenzielle: Frau Schreiter, welche PR-Kampagne ist Ihnen zuletzt aufgefallen, bei der Sie gedacht haben: Ach, die hätte ich auch gern gemacht?
Barbara Schreiter: Guerilla-Stricken finden wir Klasse. Dieser Trend ist auch in Berlin angekommen und macht einfach Spaß. Eine PR-Lady, die früher schon einmal als Praktikantin bei uns war und in 2010/2011noch einmal ein längerfristiges Volontariat bei uns absolviert hat, ist auch in so einer Guerilla-Strick-Gruppe aktiv. Sie erzählte mir, dass sie in ihrer Gruppe gerade Stoffpuppen für Amnesty International genäht haben. Die Organisation weist damit in einer aufmerksamkeitsstarken Aktion auf Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen hin.

Und über welche Ihrer eigenen Aktionen haben Sie sich besonders gefreut?
(lacht) Über alle natürlich! Wir machen so viele tolle Sachen. Zwei Beispiele: Für unsere Kunden tausche zum Beispiel. tausche ist die führende Marke für Umhängetaschen mit Deckeln zum Wechseln. Im vergangenen Jahr haben wir für tausche ein Facebook-Konzept entwickelt. Das Unternehmen postet hier wöchentlich das „Tauschgeschäft der Woche". Zum Beispiel: „tausche Quarkstulle gegen Salami-Brot. Was hattest du früher am liebsten auf deinem Pausenbrot?" Mit diesen Postings transportiert das Unternehmen sehr originell, wofür tausche steht. Und die Kunden reden darüber. So ist die tausche-Fangemeinde auf Facebook in kurzer Zeit von 60 auf 850 gewachsen.
Aber die Salami-Stulle wird nicht wirklich auf den Weg gebracht ...
Nein, sicherlich nicht. Aber die Menschen beginnen sich zu erinnern, sie fangen an zu erzählen, was ihnen wichtig ist. Mit witzigen Aktionen erreichen Sie, dass Menschen über eine Marke reden. Wir arbeiten zum Beispiel auch für die Factotum Handelshaus GmbH, die Werbemittel vertreibt, u.a. Badeenten, die Unternehmen dann mit einem individuellen Aufdruck versehen an ihre Endkunden weitergeben. Zum 1. April haben wir im vergangenen Jahr die fünf besten Zeitungsenten gekürt und die Redaktionen mit ein paar Enten beschenkt. Diese lobten in einem handschriftlichen Anschreiben, unterzeichnet mit Entenfußabdrücken, die gute redaktionelle Berichterstattung und versprachen, den Schreibtisch zu zieren, aber den Rest des Jahres über den Schnabel zu halten. Die parallel verbreitete Pressemitteilung zur Aktion hat es dann in zahlreiche Fachzeitschriften für die Zielgruppe des Kunden geschafft.
Ist das die Kunst kreativer PR, dass eine Kampagne gar nicht das Produkt selbst in den Vordergrund rückt?
Ja, das wird sicherlich immer wichtiger. Die Kunst besteht dann darin, Maßnahmen zu finden, die nicht jeder macht und das zu transportieren, was die Werte und die Einstellung der Unternehmen trifft.
Welche Werte sind das zum Beispiel bei tausche?
Die Kernzielgruppe von tausche sind aktive Menschen, die Mitte 30 und akademisch gebildet sind, in der Großstadt leben, oft Kinder haben und gut verdienen. Diesem Lebensstil entsprechen Werte wie die Produktion in Deutschland, faires Wirtschaften, das durchdachte Design-Konzept der Marke, die hohe Produktqualität und die Motive der Taschendeckel, die mit einem augenzwinkernden Blick das Zeitgeschehen widerspiegeln.
Dann sind wir doch wieder nah am Produkt. Bei tausche sehe ich die Menschen hinter dem Unternehmen gar nicht. Sind die denn nicht notwendig, als glaubwürdige Garanten dieser Werte?
Auch bei tausche sind die Personen ab und zu sichtbar, zum Beispiel wenn tausche in einem größeren Porträt vorgestellt wird. Aber schwerpunktmäßig hat sich dieses Unternehmen entschieden, das Produkt in den Vordergrund zu rücken, damit die Marke als solche wirken kann. Aber es gibt natürlich auch andere Beispiele. Wenn wir an das Freiburger Taschenlabel THUSKIA denken, ist das ganz anders. Dessen Inhaberin, die Mode-Designerin Bettina Steffens, ist eine tolle Lady, sie entwirft wunderschöne Taschen, ringt an allen Schritten der Produktion um höchste Qualität und brennt für ihre Sache. Sie ist aber von Haus aus eher ein Typ, der lieber im Hintergrund bliebe. Sie trotzdem als Person stärker zu positionieren, ist dann auch eine Entscheidung für den Markt. In der klassischen Modewelt wird heute vor allem der Designer inszeniert.
Wenn ich keine Produkte, sondern Dienstleistungen verkaufe, komme ich dann eigentlich darum herum, mich als Person zu vermarkten?
Wenn Ihre Dienstleistung von der Persönlichkeit abhängt, sollten Sie sichtbar sein. Aber ich kann mir durchaus aufmerksamkeitsstarke Aktionen vorstellen, die interessanter sind als die Person.
Welche denn?
Na ja, man kann Dinge in der Stadt auftauchen lassen, die neugierig machen, mit denen sich die Leute auseinandersetzen, man kann gemeinsam mit einem Partner die Zielgruppe zum Mitmachen animieren und einen ungewöhnlichen Preis ausloben ... So etwas.

Auch Sie sind auf Ihrer Homepage als Unternehmerin kaum sichtbar. Warum nicht?
Ich möchte, dass die Agentur als Ganzes mit ihren Leistungen und Erfolgen gesehen wird. Natürlich ist die Agentur durch mich geprägt. Aber eigentlich schaffe ich hier nur die Plattform, auf der alle im Team ihre besonderen Stärken einbringen und sich optimal entfalten.
Seit 2001 heißt Ihr Unternehmen Agentur für kreative PR. Ist es nicht manchmal stressig, jeden Tag mit dem Anspruch konfrontiert zu sein: Heute wieder nur kreative Ideen?
Ja manchmal schon - den Vogel, dass man jedes Mal etwas Tolles schaffen möchte (und beim nächsten Mal schon wieder denkt, das hätte man noch besser machen können), den haben sicher alle Kreativen. Da rauchen wir dann zu viel, essen zu viele Kekse und fragen uns auch manchmal: „Warum tun wir uns das eigentlich an?" Aber am Ende ist man doch wieder glücklich. Und wir sind ja nicht nur den ganzen Tag „lustig und kreativ". Um erfolgreich PR zu machen, sind konzeptionelles Denken und Professionalität in der Umsetzung genauso wichtig.
Am Anfang haben Sie viele Jahre allein gearbeitet, jetzt haben Sie ein kleines Team. Ist so zu arbeiten kreativer?
Es ist nicht nur kreativer, sondern auch wirtschaftlicher. Wir arbeiten ja heute für ganz andere Kunden als in den Anfängen. Und wir wollen weiter wachsen. Wir brauchen unterschiedliche Stärken. Die Welt ist so komplex, da kann nicht einer alles wissen und kennen. Was ich besonders toll finde, das ist die Kombination aus Alt und Jung. Die Kunden schätzen genau diese Mischung. Ich bringe als „alte Schachtel" die Erfahrung und Marktkenntnis mit. Die jungen Menschen im Team wissen, was gerade „angesagt" ist wie man die vielen neuen Kommunikationskanäle heute nutzt.
Das heißt, wenn Kreative älter werden, sollten sie sich junge Leute ins Team holen, dann kann es wachsen?
Ganz genau. Wenn ich mir die klassische PR-Lady in meinem Alter vorstelle mit grauem Faltenrock und gedruckter Pressemappe unterm Arm - damit ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen.
(Interview: Andrea Blome, existenzielle 1/2012)
www.kreative-pr.de
Mit ihrer PR-Agentur begleitet Barbara Schreiter u.a. das Taschenlabel THUSKIA aus Freiburg/ Br.
Wir verlosen unter allen existenzielle-Leserinnen (bis zum 10.2.12) ein Kosmetik-Täschchen aus dem Hause THUSKIA. Farbenfrohe Handtaschen und Accessoires aus feinstem Leder sind die Spezialität des Labels, das 2007 von der Designerin Bettina Steffens gegründet wurde. Alle Produkte werden als Kleinserien oder Unikate in kleinen Manufakturen/ Taschnereien in Europa hergestellt.
Wollen Sie das Täschchen gewinnen? Dann Mail an die existenzielle: marktplatz(at)existenzielle.de
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