„Im Herzen bin ich Managerin"
Dr. Barbara Schneider, „Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf"
Nach 15 Jahren Konzernkarriere "hat es mir auch gereicht", sagt Barbara Schneider. Heute ist die ehemalige Managerin Coach und Karriereexpertin für Frauen. Wie Frauen in Führung kommen, ist das Thema ihres Bestellers "Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf". Ein Gespräch über Auf- und Umsteigerinnen.
Das Buch von Barbara Schneider stürmte 2009 in
kurzer Zeit die Sachbuch-Bestseller-Listen und erscheint jetzt beim
Gabal-Verlag in der 7. Auflage. Die Autorin weiß, wovon sie spricht, wenn sie
der Frage nachgeht, wie Frauen in Führung gehen. Sie ist promovierte
Wirtschaftswissenschaftlerin, arbeitete 15 Jahre als Managerin bei Konzernen
wie Otto und der Lufthansa und war zuletzt als Marketing Director bei der
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen. 2004 machte sie sich als Coach
selbstständig.
Frau Schneider, sind Sie fleißig?
Aber sicher! Der Buchtitel ist ja kein Entweder-Oder. Ohne Fleiß kein Preis gilt immer noch. Fleiß ist ebenso wie Qualifikation und Fachkompetenz die Basis für jeden beruflichen Aufstieg.
Auf welcher Hierarchie-Ebene sind Sie in den 15 Jahren Ihrer Konzernkarrieren gelandet?
Im mittleren Management.

Warum ging es für Sie nicht weiter?
Arthur Andersen, wo ich zuletzt als Marketing Director beschäftigt war, fusionierte, das Unternehmen gibt es heute so nicht mehr. In der damaligen wirtschaftlichen Krisensituation habe ich die Chance ergriffen und mich selbstständig gemacht.
Auf der Agenda war die Selbstständigkeit für mich schon länger. Aber so etwas muss man aufbauen. Ich hatte damals das Kapital und die Kontakte und habe mir gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Das scheint keine untypische Entscheidung zu sein, viele ehemalige Managerinnen entscheiden sich fürs eigene Unternehmen oder die Freiberuflichkeit.
Ja, es gibt ganz viele Umsteigerinnen. Viele, die sich nach den Jahren in den Konzernen sagen: Es war schön, aber es reicht mir jetzt auch.
Was hat Ihnen gereicht?
Nach 15 Jahren Konzernkarriere? Die Machtspiele und die starren Strukturen. Dabei war der Job durchaus ein Traumjob für mich. Vielleicht bis auf die Tatsache, dass er nicht im Hamburg war. Aber die Krise kam mir dazwischen.
Ich habe mich dann gefragt: Will ich das noch einmal? Wieder von vorn? Oder gehe ich lieber in die Selbstständigkeit, obwohl ich wusste, das wird kein Spaziergang.
Was reizte Sie an der Selbstständigkeit?
Die komplett neue Lernkurve. Sich was Neues zu erobern. Die verschiedenen Aufgabenfelder. Sicher auch die zeitliche Flexibilität. Obwohl ich zugeben muss, dass ich gern mal wieder sechs Wochen bezahlten Urlaub hätte.
In einem Interview haben Sie gesagt: Wenn keine den Boss macht, ändert sich nie was ... Jetzt sind Sie kein Boss mehr.
Es gibt immer noch genug Frauen, die was bewegen können. Aber jede, die Umsteigen will, sollte das auf jeden Fall tun. Es gibt ja keine Verpflichtung zu bleiben, um Frauen zu fördern. Das habe ich früher getan und das tue ich in meiner jetzigen Tätigkeit im Coaching von Frauen auch. Aber wer drin ist in der Hierarchie, sollte auf jeden Fall die weiblichen Alphatiere nach oben tragen.
Karriere macht keine allein. Wer hat Sie nach oben getragen?
Mich haben Frauen wie Männer gefördert.
Woran erkenne ich die Förderer in der Hierarchie?
Es gibt natürlich die Möglichkeit, an organisierten Mentoring-Programmen teilzunehmen. Man muss den Blick aufmachen und genau hinsehen. Dann spürt man, ob da jemand ist, vielleicht ein paar Hierarchiestufen drüber, dem man vertrauen kann. Das bedeutet natürlich auch, sich kreuz und quer im Unternehmen zu vernetzen. Man darf sich nicht aufs Ziehen verlassen, sondern muss aktiv „hier" rufen.
Ohne Netzwerken geht es nicht. In Ihrem Buch schreiben Sie „Lieber die Letzte an der Bar als die Erste im Büro" ... Wie oft mussten Sie sich zu Aktivitäten überwinden, die Ihnen nicht wirklich behagten?
Das mit der Bar ist natürlich auch mit einem Augenzwinkern gemeint. Aber es gibt natürlich manchmal Abende, wo man lieber ins Bett möchte. Und dann wird es vielleicht doch noch ein ganz guter Abend.
Gerade wenn's ums Netzwerken geht, zeigen Frauen da oft eine ganz typische Reaktion: Wann soll ich das denn noch schaffen?!
Wenn es um den Aufstieg in Führungsetagen geht, müssen Frauen die männlichen Spielregel und die Sprache beherrschen und sich marktgerecht verkaufen, steht in Ihrem Buch. Gilt das auch in der Selbstständigkeit?
Das ist absolut übertragbar. Mit den Kopf durch die Wand, das geht in der Hierarchie ebenso wenig wie in der Selbstständigkeit. Sie brauchen diplomatisches Geschick.
Es ist ein Unterschied, ob ich mit einem männlichen oder einem weiblichen Auftraggeber verhandle. Frauen fragen mehr und genauer nach, das geht Männern schnell auf den Keks. Für Männer ist vieles ein Gesichtsverlust, da ist es leichter, beim anschließenden Mittagessen noch mal ins Gespräch zu kommen.
Sie haben gesagt, dass Sie wussten, dass der Start in die Selbstständigkeit kein Spaziergang wird. Was war schwer?
Sie haben ja nicht vom ersten Tag an Kunden, die müssen Sie gewinnen. Und es ist ein Unterschied, ob ich mit der Visitenkarte von Otto anklopfe oder als No-Name. Man muss immer ein Rad drehen. Nur mit Fachkompetenz kommen Sie auch hier nicht weiter. Ich habe natürlich alte Kontakte genutzt, aber auch Netzwerke aufgebaut wie den Women's Breakfast Club und den Women's Business Day in Hamburg.
Die Zahlen von Frauen in Führungspositionen stagnieren seit Jahren auf niedrigem Niveau. Woher nehmen Sie die Hoffnung, dass sich das verändert?
Was wir Anfang der 90er gedacht haben, stimmt so nicht. Denn aus dem gelungenen Einstieg können wir nicht auch einen Aufstieg ableiten. Es wird sich mit Sicherheit etwas ändern, aber das wird dauern. Und ich warne davor, im Mythos des männlichen Managermangels zu hoffen, dass die Zeit es richten wird. Jeder befürwortet Frauen im Management, aber im Tagesgeschäft geht es unter.
Wie groß soll Ihr Unternehmen werden?
Das, was ich zurzeit habe, reicht mir. Fürs Erste ...
Ich weiß noch nicht, wo mein Weg hinführt. Im Herzen bin ich Managerin.
Was heißt das?
Ich baue gern was auf.
Und denken groß?
Warum nicht?
(Interview: Andrea Blome, existenzielle 3/2010)
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