Selbstbewusste Frauen lächeln
Ein Gespräch mit Iris Haag, Expertin für Wirkung und Kundenbindung
Kommunikation und Präsenz auf der Bühne lassen sich trainieren, sagt Iris Haag. Wer auftritt, sollte die Kraft des Speckgürtels kennen. Und starke Frauen lächeln.
Guten Tag, Frau Haag. Mein Name ist Andrea Blome - wie die Blume mit O. Richtig so?
Hervorragend! Sie haben Bild und Emotion wunderbar kombiniert. So haben Sie Ihren Namen beim Gesprächspartner positiv und nachhaltig verankert.
Das habe ich auf Ihrer CD gelernt. Aber ehrlich gesagt: Es ist mir unangenehm, mich ungefragt so vorzustellen. Klingt „Guten Tag, Wagner, wie der Komponist" nicht auch etwas arrogant?
Die meisten Menschen haben starke Probleme, sich Namen zu merken und finden es im Verlauf des Gesprächs dann peinlich, nochmals nachzufragen. Indem Sie Ihrem Gesprächspartner ein Bild geben, ermöglichen Sie es ihm, leichter mit Ihnen zu kommunizieren.
Und wenn es mir peinlich ist ...
... dann sollten Sie sich fragen: Was ist mir unangenehm und warum? Die innere Haltung ist entscheidend. Diese spiegelt sich in der Körpersprache und der Stimme wider. Ob Sie in einer Begegnung arrogant oder selbstbewusst wirken, zeigt sich bereits beim Aufeinanderzugehen, im Körpergang.
Wie gehen denn die Arroganten?
Übertrieben - nach dem Motto: Brust raus, Bauch rein.
Frauen machen das auch? Brust raus?
Es gibt auch Frauen, die arrogant laufen, verbunden mit einem sehr figurbewussten Gang. Wenn wir jemanden als arrogant empfinden, ist häufig die Kopfhaltung entscheidend, das sind oft nur Nuancen.
Die Nase hoch tragen.
(lacht) Ganz genau!
Arroganz schafft Distanz. Wie viel Distanz braucht denn eine erste Begegnung?
Bei der ersten Begegnung muss man wissen, wie weit man gehen kann. In unserem Kulturraum gilt eine Armlänge als günstige Distanzzone zu jemandem, den ich gerade erst kennenlerne. Wenn ich ihm allerdings mit durchgedrücktem Arm die Hand gebe, dann schafft das zusätzlich Distanz. Kleine Frauen werden im Gespräch mit größeren Männern etwas mehr Abstand halten, um einen guten Blickkontakt zu haben.
Auf Ihrer Hör-CD geht es zunächst um den Auftritt auf der Bühne. Frauen sagt man nach, sie seien als Rednerinnen im Nachteil, auch weil sie eine höhere Stimme haben. Verallgemeinern wir mal ein wenig: Was sehen Sie, wenn Sie Frauen als Vortragende beobachten?
Zugespitzt formuliert: Es gibt die, die unsicher sind und auch so auf der Bühne stehen, als hätten sie kein Recht, dort zu stehen. Das andere Extrem sind die, die eher männlich werden. Mit einem übertriebenen Körpergang, einem Hang zur Männlichkeit in der Kleidung. Aber es gibt auch viele Frauen, die mit einem angenehmen Selbstbewusstsein auftreten und das wunderbar umsetzen.
Woran erkennen Sie das?
Daran, dass sie ein Interesse daran haben, die Teilnehmer einzubinden und das durch ihre Körpersprache, den Blickkontakt ausdrücken. Daran, dass die Hände nicht herabhängen oder hinter dem Rücken versteckt sind, sondern sich im Speckgürtel befinden ...
Den Speckgürtel nennen Sie in Ihrem Hörbuch auch den mittleren Ring. Hierhin soll mit Hilfe der Hände die Aufmerksamkeit des Zuschauers gelenkt werden und nicht auf die Brust oder durch herabhängend gefaltete Hände auf den Genitalbereich. Der Speckgürtel ist vielen Frauen aber auch eine nicht so geliebte „Problemzone".
Probieren Sie das vor dem Spiegel aus. Sie werden sehen, dass es aktiver wirkt, wenn Ihre Hände im Bereich des Speckgürtels sind. Dieses Ziel ist entscheidend. Unabhängig von der Körperform. Wer glaubt, Problemzonen zu haben, sollte wissen: Mit der richtigen Kleidung kann jede Körperform wunderbar aussehen. Wenn ich Probleme damit habe, dass mein Bauch in den Mittelpunkt kommt, dann muss ich früher anfangen: Was will ich zeigen, was will ich bei meinem Publikum erreichen und was ist mir wichtig? Wieder geht es um die innere Einstellung: Was passt zu mir? Wer bin ich? Was macht mich positiv aus?
Was sehen Sie bei den Unsicheren auf der Bühne?
Sie verstecken ihre Hände oder halten sich am Pult fest. Bei Applaus treten sie einen Schritt zurück. Sie schlagen im Stehen die Beine übereinander, das machen übrigens viele junge Mädchen. Eine Unsicherheitsgeste ist auch, die Hand vor den Mund zu nehmen, den Blick gesenkt zu halten. Sie haben eine erhöhte Trittaktivität ...
Wer auf der Bühne wandert, ist unsicher?
Er ist entweder unsicher oder hat zu viel Energie, die vorher nicht abgebaut wurde.
Unternehmerinnen, vor allem Dienstleisterinnen wird empfohlen, sich als Expertinnen zu positionieren. Das geht am besten über Vorträge und das macht vielen Angst. Wie kommt man dieser Rolle Schritt für Schritt näher?
Fragen Sie sich: Wovor habe ich Angst? Was kann schlimmstenfalls passieren? Suchen Sie sich einen Kreis Ihnen wohlgesonnener Menschen, halten Sie vor ihnen einen Vortrag und erbitten Sie positives Feedback oder konstruktive Kritik. Dann trainieren Sie, holen Sie wieder einen Kreis zusammen und präsentieren erneut. Wenn Sie die Chance haben, das auf Video aufzunehmen, vielleicht unterstützt durch einen Coach, kann das sehr hilfreich sein. Machen Sie alle möglichen Übungen für die Körpersprache und die Stimme. Und schreiben Sie sich Ihren Vortrag ruhig auf und üben lange. Profis trainieren.
Und dann klingen irgendwann alle gleich?
Ich kann mich natürlich zur Perfektion performen mit der Gefahr, gänzlich unnahbar zu wirken. Wahrscheinlicher ist aber, dass Sie durch das Training, mit Lust und Leidenschaft etwas Authentisches zeigen. Jede Übung neigt zunächst zu Übertreibung. Aber: Wenn Sie kein Typ für große Gesten sind, werden Sie sich diese auch nicht aneignen. Wer schnell spricht, wird durch Training nicht zum Langsamsprecher, sondern wird lernen, deutlicher zu sprechen.
Und raus auf die Bühne! Trotz Herzklopfen und Atemnot?
Ja, sicher. Was heißt das denn, wenn Ihr Herz klopft? Sie leben, oder?
Wenn Sie sich in diese Situation begeben, dann verlassen Sie Ihre Komfortzone und gehen auf ein Terrain, das Ihnen unbekannt ist. Das erfordert Mut und wenn Sie es geschafft haben, sollten Sie sich dafür belohnen. Zur Nervositätsabmilderung empfehle ich, sich im Publikum jemanden zu suchen, der Ihnen wohlgesonnen ist. Fokussieren Sie nicht diejenigen, die kritisch schauen - auch wenn sie vielleicht nur nachdenklich sind -, sondern richten Sie Ihren Fokus auf die, die lächeln. Ich will ja schließlich, dass sie auch weiterhin lächeln.
Ich kenne Empfehlungen für Frauen im Business, die lauten: Bloß nicht lächeln. Lächeln Frauen zu viel?
Ob Sie lächeln oder nicht, das hängt natürlich vom Thema und vom Kontext ab. Wenn Sie über ein Erdbeben sprechen, gibt es keinen Grund zu lächeln, wenn Sie Gehaltsverhandlungen führen, auch nicht. Aber wenn ich jemanden begeistern will, dann ist Lächeln ein absolutes Muss. Wenn Sie eine gute Atmosphäre schaffen wollen, dann ist das Lächeln das Einfachste.
Auch hier geht es wieder um die innere Haltung: Wenn ich glaube, dass ich als Frau weniger kompetent bin, dann signalisiert mein Lächeln vielleicht unbewusst Unterordnung. Wenn Sie aber ein selbstbewusster Mensch sind und wissen, dass Sie eine Kompetenz mitbringen, dann kann es gut und wichtig sein, schön zu lächeln. Manchen Menschen im Business täte es gut, mehr zu lächeln. Sie würden mehr Energie in ein Meeting bringen.
Iris Haag ist Expertin und Autorin rund um die Themen Wirkung & Kundenbindung. Sie coacht Führungskräfte und Mitarbeiter, hält Seminare, Vorträge und moderiert Veranstaltungen. Ihr Bestseller-Hörbuch „Wirkung2" ist 2009 im GABAL-Verlag erschienen. Das Hörbuch versammelt eine Menge Übungen für Auftritte auf der Bühne, Körpersprache und Stimme.
Iris Haag ist in einem Pfarrhaushalt aufgewachsen und kommt aus einer Familie, die fast jeden Tag Gäste hatte. „Spannend für mich war es, wahrzunehmen, wie unterschiedlich diese Menschen sich verhalten, wie sie essen ...", sagt sie. Sie ist dann über die Jugendarbeit zur Sozialpädagogik gekommen und gründete parallel zum Studium mit ihrem Bruder, einem gelernten Koch, einen Gastronomiebetrieb. Über die Schulungen des Servicepersonals entdeckte sie ihre Leidenschaft für Kommunikation und Wirkung. Als BDVT-zertifizierte Beraterin kooperiert sie heute eng mit einem Kreis von Beraterinnen und Beratern, darunter auch ihr Bruder, der mit Außendiensterfahrungen den Bereich Vertrieb bedient.
Zur existenzielle-Rezension
Zur Hörprobe"Wirkung2 "
Interview: Andrea Blome
(existenzielle 4/2010)
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