Bildhauerin mit ungewöhnlichen Skulpturen

Stefanie Dörr produziert schöne Dildos mit Öko-Siegel

Diva, Madonna, Leila oder Sehly - schöne Namen. Ihre Körper sind wohlgeformt. Und doch sind es keine Damen, sondern Dildos oder Vibratoren. Hergestellt von Stefanie Dörr aus Berlin.



Warum produzierst du ausgerechnet Vibratoren?

Stefanie Dörr: Anfang der 1990er Jahre zog ich von einer ländlichen Kleinstadt nach Berlin in eine WG. Bei meiner Mitbewohnerin stand ein Vibrator auf dem Nachttisch. Er sah abstoßend aus, fleischfarben, wuchtig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so ein Ding Spaß macht. Aber ich wollte es wissen. Also schlich ich heimlich in so einen Laden. Es kostete mich enorme Überwindung. Meine Eltern hatten mich sehr konservativ erzogen. "Eine anständige Frau geht da nicht hinein", hörte ich förmlich meine Mutter sagen. Diese Shops waren für Männer, waren schmuddelig. Es gab noch keine Erotik-Läden für Frauen. Ich überschritt ein Tabu. Meine Hände zitterten, als ich in das Regal mit den Vibratoren griff. Schnell zahlte ich und flüchtete. Ich gebe zu, die Aufregung hatte sich gelohnt: Ich hatte Spaß. Und dann war mein Ehrgeiz als Bildhauerin gepackt.

Stefanie Doerr, Foto: Andreas Krone/KlickGermanyWas machst du anders?

Ich bin selbst eine Frau, weiß, was ich mag, kenne meine Bedürfnisse. Mein Spielzeug sieht nett aus, fühlt sich gut an und schadet vor allem meinem Körper nicht. Ich entwickelte schlankere Formen, schmückte sie mit liebevollen Details aus, suchte ein Silikon, das frei von allergenen Stoffen ist. 1996 gründete ich schließlich meine Manufaktur. Seitdem produziere ich Vibratoren.

Aphrodite, Foto: Andreas Krone/KlickGermanyWas sagen deine Eltern?

Sie waren schockiert. Sie arbeiteten als Friseure, hatten ein eigenes Geschäft. Ihr Traum war natürlich, dass ich dieses übernehme. Doch ich wollte raus, frei sein, mich selbst entdecken. Nach meiner bodenständigen Ausbildung zur Schriftsetzerin studierte ich Bildhauerei an der Alanus Hochschule bei Bonn. Ich formte gerne, spielte mit Material, Formen. Deshalb reizte es mich auch so, den Vibrator einfach neu zu erfinden. Meine Mutter hat unterdessen meine Arbeit akzeptiert.

Was hat der Vibrator dir gebracht?

Für mich ist er ein Symbol der Freiheit, ein "Ja" zu mir, meiner Sexualität, zu Sinnlichkeit und Schönheit. Ich habe meinen Körper entdeckt, viel über mich selbst erfahren, bin natürlicher, unverkrampfter geworden. Wenn das nicht Grund genug ist, schöne Vibratoren herzustellen ...

 

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