Malen mit Fäden

Helena Hanisch hat sich an den Webstuhl gesetzt

Sie hat als Lehrerin und in der Bank gearbeitet, vier Kinder groß gezogen. Doch alle Jahre hatte sie einen Traum: Eine kleine, eigene Weberei. Mit 60 Jahren erfüllte sich die Schweizerin Helena Hanisch den Traum.



Nein, ihre Schüsse sind nicht gefährlich. Im Gegenteil: Sie sind kunterbunt, je nachdem, welche Farbe das neue Handtuch haben soll. Helena Hanisch schickt das Schiffchen gefüllt mit rotem, blauem oder grünem Garn aus feinem, biologisch angebautem Cottolin fast 1000 mal auf ihrem Webstuhl hin und her, bis ein neues Handtuch fertig ist.

Helena Hanisch, Foto: Andreas Krone/ KlickGermany

Helena Hanisch kommt aus Winterthur in der Schweiz. Dort hat sie als Grundschul-Lehrerin an der Waldorfschule gearbeitet, hat vier Kinder geboren und aufgezogen und eines Tages das Weben gelernt. "Als meine beiden ältesten Töchter sieben und acht Jahre alt wurden, bekamen sie einen Webrahmen geschenkt. Ich wurde neugierig, wollte wissen, was man alles mit so einem Rahmen machen kann."

Helena Hanisch, Foto: Andreas Krone/ KlickGermany

Helena Hanisch leiht sich in der Bibliothek "Das große Webbuch" aus. Fasziniert studiert sie Seite für Seite, kauft schließlich ein viertel Jahr später einen richtigen Webstuhl. Schritt für Schritt arbeitet sie nun noch einmal das Buch durch. "Mich faszinierte das Malen mit Fäden." Ihre Tücher, Topflappen und Schals verkauft sie auf Kunsthandwerks-Ausstellungen. "Doch ich träumte immer davon, eines Tages einen richtigen Laden zu haben." Stattdessen jedoch wird ihr Leben erst einmal durch andere Herausforderungen bestimmt. Scheidung, Kündigung, Jobsuche beanspruchen sie. Erst, als sie einen neuen Job in der Bank hat, beginnt sie wieder zu weben.

Helenscraft, Foto: Andreas Krone/ KlickGermany

Und im Jahre 2009 erfüllt sich endlich auch ihr Traum: "Ich war 60 Jahre alt, kündigte meinen Job bei der Bank, zog zu meiner Tochter nach Berlin, mietete ein kleines Atelier in der Oranienburger Straße im Herzen der Stadt und stellte dort meine beiden Webstühle auf. Heute webe ich den ganzen Tag, liebe besonders den Moment, wenn ich ein neues Muster kreiere. Es ist spannend, wie mein gemalter Entwurf dann als Stoff wirkt."

Autorin: Jana Schütze

existenzielle 7/2011

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