Das fabelhafte Elixier aus Bredow
Auf der Stutenmilchfarm von Elvira Hagen
In einem uralten Dörfchen namens Bredow unweit der Stadt Berlin gibt es eine Tier-Oase. Hier leben 38 russische Lastenpferde. Aus der exzellenten Milch dieser Stuten stellt Heilpraktikerin Elvira Hagen wertvolle Naturkosmetik her.

Es ist ein traumhafter Sonnentag. Auf den Wiesen leuchten tausende gelber Löwenzahntupfer, Kumuluswolken tanzen am Himmel und Amsel, Spatz und Meise trällern ihre Vogelsinfonien. Stute Alinda hat es sich gemütlich gemacht. Entspannt liegt sie in ihrem schützenden Offenstall auf dem frischen Stroh. Dösend atmet sie frische Blütenluft durch ihre Nüstern. Erst als Elvira Hagen vorsichtig über ihre lange Rastermähne streichelt, blinzelt sie kurz. Sie schnaubt und schließt dann wieder die Augen. Ein Moment höchsten Vertrauens. Elvira und Alinda vertrauen einander. Schließlich war die Heilpraktikerin die erste, die die Stute vor fünf Jahren wenige Minuten nach der Geburt gestreichelt hat. Bald wird Alinda selbst Mutter. Einen kleinen Teil ihrer Stutenmilch wird Elvira Hagen abzwacken, um daraus wertvolle Kosmetik herzustellen.
„Ich war vom Können des Heilers so fasziniert ..."
Elvira Hagen liebt ihre Pferde. Nein, Elvira Hagen liebt nicht nur ihre Pferde, sondern sie achtet jedes Tier. Nie würde sie etwas tun, was ihnen schadet. Im Gegenteil. Vor 25 Jahren erkrankte ihr Lieblingspferd Sultan. Es hatte Probleme am Rücken. „Immer wenn ich den Sattel auf den Rücken des Pferdes legte, krümmte es sich." Elvira Hagen läuft mit dem kranken Pferd von Tierarzt zu Tierarzt. Doch keiner kann helfen. Die Kosten von 8000 Mark für eine empfohlene Operation kann sich die Fachgehilfin für Steuerrecht nicht leisten. „Es war eine furchtbare Situation für mich, das Tier leiden zu sehen, nicht helfen zu können." Eines Tages hört sie von einem Naturheilkundler aus Südkorea. Dieser akupunktiert das Pferd, setzt nur zwei Nadeln. Zwei Tage später ist das Pferd geheilt. „Damals war Akkupunktur in Deutschland noch unbekannt. Ich war vom Können des Heilers so fasziniert, dass ich selbst eine Ausbildung zur Heilpraktikerin machte." Elvira Hagen beschäftigt sich mit Akupunktur, und chinesischer Massage, ist fasziniert von den Erfolgen der Delphin-Therapie. „Ich träumte davon, mit Pferden zu arbeiten, kranken Menschen mit Tieren zu helfen." 1996 wird ihr Traum wahr. Im 800-jährigen Dörfchen Bredow bei Berlin findet sie das perfekte Grundstück dazu. Eine Wiese im platten Havelland. Natur pur, ohne Autos, ohne Industrie, ohne Häuser in der Nähe. Ein Brachland, aus dem sie gemeinsam mit Johann Raps eine Oase für Mensch und Tier schafft. Die achteckigen Holzhäuser wurden unter Berücksichtigung ökologischer Grundsätze gebaut. Auf den Dächern wachsen schützende Stauden. Die Räume sind groß und offen. Rundherum sind die Koppeln der Pferde eingezäunt. Sie leben in modernen Offenställen. 1997 kommen die ersten Pferde von einer russischen Stutenmilchfarm mit angeschlossenem Sanatorium. Es sind Lastenpferde, deren Milch besonders reichhaltig ist. „In Russland ist das Wissen um die Qualität der Stutenmilch viel bekannter als bei uns", erklärt Elvira Hagen. Stutenmilch als Nahrungsmittel hat vor allem in Asien und im Orient eine lange Tradition.

„Ein von Allah gesegnetes Heilmittel"
Schon vor 3000 Jahren galt die Stutenmilch in China als Heil- und Wundermedizin. Die Kaiser der Ming-Dynastie schworen auf die Wirkung des „göttlichen Nektars". Große Stutenherden wurden für die Milchgewinnung gehalten. Im Orient nannten die Scheichs die Stutenmilch „ein von Allah gesegnetes Heilmittel. Homer erzählt in seiner „Ilias" von den Pferdemelkern, die die Milch als Nahrungsmittel nutzten.
Das erste Stutenmilchsanatorium entstand 1858 im russischen Samara. Tolstoi, Autor der weltbekannten Romane „Anna Karenina" und „Krieg und Frieden", schrieb: „Stutenmilch regeneriert meinen Körper und beflügelt meinen Geist". Stutenmilch ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und Enzymen.
„Während die Stuten ,arbeiten', gehen ihre Fohlen in den Kindergarten"
Heute
tummeln sich 38 Stuten und Hengste auf der Stutenmilchfarm in Bredow. Im Juni
werden die meisten Fohlen geboren. Rund 20 Liter Milch gibt dann eine Stute pro
Tag. Das meiste davon, nämlich 90 Prozent, bekommt das Fohlen. Die restlichen
zehn Prozent verwendet Elvira Hagen. „Stuten und Fohlen verbringen bei uns den
ganzen Tag zusammen. Erst wenn die Fohlen auf eigenen Beinen stehen, werden die
Stuten zunächst einmal, später zweimal am Tag gemolken. Während die Stuten
„arbeiten", gehen ihre Fohlen in den Kindergarten. Nach getaner Arbeit sind
Stuten und Fohlen wieder zusammen. Unsere Stuten werden nur jedes zweite Jahr
gedeckt. Dadurch werden die Tiere geschont und das Fohlen kann wesentlich länger
bei der Mutter bleiben." Ein Teil der gewonnen Stutenmilch wird zu hochwertiger
Naturkosmetik verarbeitet. Gesichtsbalsam, Duschschaum, Balsam-Shampoo,
Körperbalsam oder die Seife. Diese Produkte enthalten bis zu 50 Prozent
Stutenmilch. Ihre antibakteriellen und entzündungshemmenden Bestandteile, ihr
geringer Anteil an allergieauslösenden Stoffen macht diese Kosmetik besonders
für empfindliche Menschen so wertvoll. Ein fabelhaftes Elixier eben. Trotz des
Verzichts auf Konservierungsstoffe ist sie durch ein besonderes, patentiertes
Herstellungsverfahren mehrere Jahre haltbar.

„Pferde wirken wie Therapeuten"
Doch was passiert mit den kleinen Hengsten, die auf der Farm geboren werden? „Keines unserer Tiere kommt zum Schlachter!" Ein Teil der Pferde wird verkauft, die meisten jedoch bleiben auf der Farm. „Mit Hilfe von speziellen Tiertrainern bilden wir sie zu Therapiepferden aus. Wir bieten Seminare und Meditationen mit Pferden an. Dabei kommen die Pferde, ähnlich wie bei der Delfintherapie, zum Einsatz und entfalten ihre positive Ausstrahlung auf den Menschen." Denn Elvira Hagen weiß, wie man mit Pferden spricht und ihnen zuhört. „Haben Sie schon einmal zwischen fressenden Pferden gesessen? Ihr gleichmäßig malmendes Geräusch beruhigt. Pferde wirken durch ihr ruhiges, aber kontaktfreudiges Wesen wie Therapeuten. Für manche Menschen ist der Aufbau einer Beziehung zu einem Tier ein erster Schritt, sich wieder für zwischenmenschliche Beziehungen zu öffnen. Man kann Pferde streicheln, mit ihnen kuscheln, und sich von ihnen tragen und wiegen lassen. Erfahrungen mit einem Wesen, das freundlich und ehrlich ist, niemanden ausnutzt, keine menschlichen Vorurteile und Widersprüche hegt, kann ein Meilenstein in einem therapeutischen Prozess darstellen. Dafür brauchen wir unsere Pferde."
Wer die Stutenmilchfarm kennenlernen möchte, kann sich eine Führung für 3 Euro pro Nase gönnen (jeden 1. Dienstag im Monat von April bis Oktober um 15.30 Uhr). Die dauert bis zu zwei Stunden und schließt ausgiebiges Streicheln der Pferde ein.
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